Bewusster Kaufen – 10 Tipps

Oft geht es bei ‚Minimalismus‘-/Vereinfachungsblogs um das Entfernen von Dingen, die man schon hat, entrümpeln, ausmisten. Doch all diese Dinge sind irgendwann einmal in unser Leben gekommen, oftmals haben wir sie selbst gekauft. Über Kaufmotive und darüber, wie wir uns verführen lassen, habe ich hier, hier und hier geschrieben. Tatsächlich bin ich durch das Vereinfachen meines eigenen Lebens zu einer ‚bewussteren‘ Konsumentin geworden, und schaffe es immer besser, der Versuchung, die gewonnene Leere wieder zu füllen, zu widerstehen. Im folgenden möchte ich mit Euch teilen, was ich bisher gelernt habe:

  1. Kenne Deine Schwächen:
    Manche Leute kaufen immer wieder Schuhe, andere sammeln Nagellack, ich habe mehr Notizbücher als ich in den nächsten 6 Jahren vollschreiben kann. Zu wissen, von welchen Produkten Du Dich leicht verführen lässt, hilft, in einer Kaufsituation Abstand zu gewinnen. Achtsam zu sein und, mit etwas Übung, Nein zu sagen: Ah, das ist wirklich ein schönes Notizbuch. Ich kaufe gern Notizbücher. Dieses hätte ich auch gern. Doch ich habe bereits genug.
  2. Meide (bestimmte) Geschäfte:
    Damit einhergehend ist es hilfreich, die Geschäfte zu meiden, in denen Du Dich leicht verführen lässt – Drogerien, Buchläden, große schwedische Modehäuser, Krims-Krams-Läden. Wähle statt dessen kleinere Läden oder kaufe online; mir gelingt es so, gezielt nur die Dinge zu besorgen, die ich wirklich brauche/kaufen will. Gehe im Park/Wald/etc. Spazieren statt einen  Einkaufsbummel zu machen.
  3. Führe eine Kaufliste:
    Ich versuche, so viele Gebrauchsgegenstände wie möglich gebraucht zu kaufen. Für mich ist das eine Möglichkeit, hochwertigere Dinge für weniger Geld zu kaufen. Gleichzeitig schont es Ressourcen, da Dinge, die andere Menschen nicht mehr brauchen, einer weiteren Verwendung zugeführt werden. Ein Nachteil ist, dass ich oft nach Sachen länger suchen muss. Daher führe ich eine Liste mit Dingen, die wir zwar nicht dringend brauchen, doch die a) unser Leben wesentlich erleichtern würden, b) in naher Zukunft notwendig sein werden (Winterjacke für meine Tochter z.B.) und c) Dinge, die ich in einem idealen Leben gern hätte (Aufbewahrungsbehältnisse aus Glas/Edelstahl, die unsere Plastikbehälter nach und nach ersetzt können).
    Wenn ich im Laedn stehe und etwas kaufen möchte, sehe ich auf diese Liste – ist der Gegenstand in meiner Hand drauf, wird es gekauft, wenn nicht, dann kommt es auf die 30-Tage-Liste.
  4. Führe eine 30 Tage Liste:
    Wenn ich etwas im Laden sehe, den Wunsch nach etwas verspüre, oder ich in einer Situation denke, ein bestimmter Gegenstand wäre wirklich hilfreich kommt es auf die 30 Tage-Liste. Der gewünschte Gegenstand wird mit einem Datum versehen, und wenn ich in einem Monat immer noch denke, dass ich es brauche, wird es gekauft, bzw übertrage ich es auf die Kaufliste.
  5. Schlaf drüber:
    „Schnäppchen“ und Sonderangebote sind in der Regel in 30 Tagen nicht mehr da; SchnächenjägerInnen versetzt das einen Stich ins Herz. Am Besten man greift also gleich zu. Halt! Frage Dich: würde ich diesen Gegenstand auch zum vollen Preis kaufen? Wenn nicht, ist das in jedem Fall ein Warnhinweis. Schlaf drüber, und wenn der Wunsch Dich nicht loslässt, gehe in den Laden zurück.
  6. Verlasse den Laden:
    Wenn Du Angst hast, dass ein tolles Angebot morgen schon weg ist, lass Dir das gute Stück zwei Stunden zurück legen. Gehe einmal um den Block und überlege Dir, ob Du das Ding brauchst, warum es bis jetzt noch nicht auf Deiner Liste stand, oder wann und wie Du es wieder los wirst. Oft verfliegt der Kaufimpuls, bzw. ich selbst habe  keine Lust, noch einmal in das Geschäft zurück zu gehen – ein klares Zeichen dafür, dass ich den Gegenstand wohl nicht so dringend brauche.
  7. Versuche es mit einer Kaufdiät:
    Kurz nachdem ich das Projekt333 begonnen hatte stellte ich fest, dass ich noch immer häufig „bummeln“ ging, mich in Charity Shops einfach mal umsah, oder mal kurz in ein Geschäft ging, weil ich daran vorbei ging. Ich habe das Experiment, 33 Kleidungsstücke 3 Monate lang zu tragen daher um eine ‚Kleiderkaufdiät‘ erweitert. Hatte ich das Gefühl, ein Kleidungsstück zu ‚brauchen‘, schrieb ich es auf die 30-Tage-Liste. Ich wusste, dass ich einige Zeit ohne würde auskommen können, und nach der Challenge steht es mir frei, das Kleidungsstück zu kaufen.
  8. Brauche ich das wirklich?
    Die naheliegende Frage – überlege, warum Du einen bestimmten Gegenstand kaufen willst, und ob Du nicht schon so etwas ähnliches hast, was die gleiche Funktion erfüllt. Bei Notizbüchern ist die Antwort bei mir in der Regel „Ja“, und es fällt mir leicht(er) auch ein besonders schönes Exemplar liegen zu lassen. Weiterführende Frage: Wann und wie werde ich das Produkt wieder los, wenn ich es nicht mehr brauche?
  9. Was brauche ich wirklich?
    Die noch wichtigere Frage ist, ob wir nicht eigentlich etwas anderes brauchen als das Ding, um das es geht. Oft shoppen wir (oder halten uns in Geschäften auf) als Zeitvertreib, aus Langeweile, um uns nicht mit uns selbst beschäftigen zu müssen. Eigentlich brauchen wir aber etwas Anderes: Zeit allein, Schlaf, ein Gespräch mit einer guten Freundin, eine Handvoll Mandeln. Eine neue Jeans wird das Bedürfnis nicht befriedigen, nur temporär maskieren.
  10. Verzeihe Dir Rückfälle:
    Unsere Konsumgewohnheiten haben wir über Jahrzehnte ausgebildet. Nach der Erkenntnis, dass Du in Zukunft anders/bewusster kaufen möchtest, dauert es bis Du alte Muster hinter Dir lassen kannst. Das ist ok so. Verzeihe Dir, wenn Du nicht so gehandelt hast, wie Du wolltest, und lerne daraus.

Bonustipp:
Kleinkind mitnehmen.
Nichts zwingt mich mehr mich auf die wirklich notwendigen Käufe zu beschränken als Miss Bee mit zum Einkaufen zu nehmen. Es wird nur noch schnell aus den Regalen gezogen, was auf der Einkaufsliste steht. Keine langen Überlegungen, ob man die 4 Thunfischdosen noch mitnimmt, die gerade im Angebot sind oder nicht. Wer selbst kein Kleinkind hat: einfach mal im Freundeskreis eines ausleihen, es findet sich bestimmt ein geeignetes Exemplar 😉

Wenn Ihr weitere Tipps habt, oder schon einmal einen Beitrag zu dem Thema geschrieben, teilt diese bitte in den Kommentaren.

Vielen Dank an @Mons7 für ihren Beitrag auf Minimamuse, der mich inspirierte, diesen Post zu schreiben.

12 Kommentare

  1. Ich limitiere mir das Einkaufen mit Zahlen: 1 Nagellack, 5 Lebensmittel, 1 Paar Sommerschuhe. Vor dem Laden frage ich mich, was ich kaufen will und danach überprüfe ich, was ich gekauft habe. Meistens deckt sich das nicht, ist aber was von der 30-Tage-und-mehr-Liste oder Lebensmittel, die ich genauso gerne esse wie die, die ich ursprünglich kaufen wollte und nun nicht mehr brauche, sodass es wieder aufgeht.

    Ich verzichte lieber auf 5-10 Käufe von Sinnlosigkeiten und freue mich auf den Messbecher aus Glas. Mein neues Ziel. Schuhe müssen viele Ansprüche erfüllen, sodass ich kaum kluge finde und ihnen nicht mehr gerne Asyl gewähre, wenn sie nur beim Staubsaugen einmal die Woche hochgehoben werden. So ein paar Stiefel hab ich mal gespendet. Sie waren mir zu hoch und weiter als um den Blog kam ich nicht damit.

    Bewusst einen Tag nix kaufen. Immer wieder. Schon probiert?

    Ich überlege mir immer 3 Argumente, warum mich der Gegenstand enttäuschen könnte, bevor ich ihn kaufe. Einfach weil ich keine Lust mehr habe auf Enttäuschungen.

    Angebote kaufe ich nicht. Ich schaue nicht danach. Ich kaufe die Grundlebensmittel. Die sind eh schon so günstig.

    Und die kleinstmögliche Menge. 15 ml Lack. Damit habe ich 4 mal die Garderobenhaken gestrichen. Was ist schon da? Was muss ich nicht kaufen? Einen Haken zum Lampenaufhängen fand ich auf dem Speicher. Wieder Geld gespart. So macht das Spaß und man wird wieder kreativ.

    • Keine Angebote kaufen – da bist Du sehr konsequent. Das bewundere ich, auch wenn ich es immer öfter schaffe, mich auf das zu konzentrieren, was ich brauche. Denn oft ist die Enttäuschung größer als die Ersparnis.
      Bewusst einen Tag nichts zu kaufen habe ich so noch nicht probiert; auch wenn ich darauf achte, Sonntags nicht einkaufen zu gehen (was hier in England ja (leider) problemlos geht). Bisher konnte ich damit nichts anfangen, dachte, dass ich, wenn ich an einem Tag nichts kaufe das am nächsten Tag ‚aufhole‘. Danke für den Hinweis, ich werde das probieren.

  2. Danke für die Tipps, die merke ich mir gern, denn sie tönen sinnvoll und umsetzbar! Und ach – ich habe auch einen Notizbuch-Fimmel, es gibt aber auch einfach zu viele wunderschöne davon ;-). Der Tipp Kind mitnehmen kann übrigens mit zunehmendem Alter zum Bumerang werden: „Mami, kaufst du mir das? Mami, das brauchen wir auch noch! Mami…“ Die Gefahr „kaufen statt diskutieren“ ist nicht zu unterschätzen!
    lg, Mirjam (die ihrem Sohn gerade Flip-Flops UND Crocs gekauft hat…)

    • Liebe Mirjam, da zeigt sich mal wieder, wie wenig ich noch über das MutterSein weiß 🙂 Hoffentlich hilft Dir der ein oder andere Tipp trotzdem.

      • Ja, deine Tipps helfen mir! Und vielleicht ist dein Kind ja gaaaaaaanz anders ;-)… lg, Mirjam

  3. Lange Zeit war ich von diesem roten Aufklebern fasziniert und habe im Ausverkauf immer wieder zugeschlagen. Manches war tatsächlich günstig und wurde lange verwendet, anderes war wieder völlig unnötig und wurde gar nicht verwendet, weil ich es falsch eingeschätzt habe.

    Was mir irgendwann klar wurde – durch die Menge der Fehlkäufe habe ich keinesfalls gespart und in Wahrheit hat der Laden das Geschäft gemacht und nicht ich.

    Heute kaufe ich (fast) gar nicht mehr ein sondern suche am Gebrauchtmarkt, wenn ich wirklich etwas brauche. Da habe ich auch viel Zeit um nachzudenken, weil man ja nicht immer alles gleich bekommt. Manchmal überlege ich es mir inzwischen und „storniere“ meinen Wunsch.

    Insgesamt habe ich seitdem viel weniger Zeug in mein Leben gelassen und es weitgehend gerümpelfrei gehalten.

    lg
    Maria

    • Was Angebote angeht ist es bei mir ist es so 50/50. Bei Kleidung griff ich früher im Sale oft daneben; meine Kaufliste hilft mir, solche Fehlgriffe mittlerweile fast komplett zu vermeiden.
      Lebensmittel, die ich im Angebot kaufe, verbrauchen wir in der Regel auch. Oft verbrauchen sie jedoch in der Zwischenzeit (zu) viel Platz in unserer kleinen Küche, und ich frage mich zunehmend, ob die Geldersparnis das Gesuche/Geräume wert ist.
      Stört Dich manchmal, dass Du die Dinge auf dem Gebrauchtmarkt nicht gleich bekommst, bzw lässt Du Dich dort manchmal verführen, etwas nicht-ganz-passendes zu kaufen?

      • Hallo Dina!

        Ich finde es sogar gut, dass ich nicht alles gleich bekomme am Gebrauchtmarkt. Das gibt mir Zeit zu überlegen, ob ich es wirklich brauche und das merke ich dann auch an meinen Bemühungen, ob die nachlassen oder sich intensivieren.

        Oft finde ich inzwischen andere Lösungen und dann freue ich mich, dass ich ein Ding weniger zu Hause habe.

        Nicht passendes kaufe ich nicht mehr, davon habe ich mich verabschiedet. Entweder ganz oder gar nicht. Das hat nur dazu geführt, dass ich bei der nächsten Gelegenheit noch ein ähnliches Ding gekauft habe und irgendwann war alles zugerümpelt. Das will ich nicht mehr.

        lg
        Maria

  4. Vielleicht hilft dir bei Vorräten Daniels +1-Regel. Also wenn dir Haferflocken ausgehen, hast du noch 1 Päckchen da. Aber nicht 3. 🙂

  5. Vielen Dank für die Tipps! Ich glaube, vor allem die Aufschiebetechniken sind hilfreich. Teilweise arbeite ich schon mit ähnlichen Tricks, aber nicht konsequent genug. Das nehme ich mir jetzt mal wieder vor.

    • Ich hoffe, Dir helfen die Tipps. Ich glaube, es dauert eine Weile zu lernen, „konsequent“ zu sein. Wir sind anders programmiert. Mir hat es wirklich geholfen, mich ein wenig mit den Mechanismen, die hinter dem Kaufen stecken zu beschäftigen. So durchschaue ich Versuchungen leichter und kann ihnen so widerstehen.

  6. Pingback: Mein Minimalismus – Innen, Außen und die Anderen. | liebevoller leben

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