Eins, zwei, drei, vorbei? Ein Monat Achtsamkeit geht zu Ende

Der Monat unter dem Stern der Achtsamkeit geht zu Ende. Abschließend hätte ich gern einen Beitrag geschrieben, der all das abrundet und von meiner in naher Zukunft abzusehenden Erleuchtung berichtet.

Das Leben jedoch ist anders. Ich habe den vergangenen Monat als den Geschäftigsten seit der Geburt meiner Tochter vor fast zwei Jahren erlebt. Im Job war viel los, Miss Bee hat einen RiesenEntwicklungsschritt gemacht und gleichzeitig noch mehr ihren eigenen Willen entdeckt. Mein Kopf brummt vor Ideen und Möglichkeiten für ‚liebevoller leben‘, und im weltweiten Netz gibt es eine Menge zu lesen. Ausgemistet und mich dabei in Gelassenheit geübt.

Von Erleuchtung keine Spur, doch im Kleinen war ich, in Momenten, achtsamer. Übungen halfen mir, den Alltag mit Kind mehr so zu gestalten, wie ich ihn mir vorstelle. Weniger reaktiv und mit größerer Aufmerksamkeit für die schönen Momente.

Gleichzeitig merke ich, dass noch mehr geht – ich zwar vieles gelesen habe, aber noch nicht alles verstanden. Geschweige denn in die „Tat umgesetzt“ habe. Im Umgang mit VerstandesFallen kann man drei Stadien beschreiben:

  • Unbewusste Inkompetenz: Ich sitze in einer Falle, ohne es zu merken. Ich fühle mich schlecht, oft ist ein wenig unklar, ob hinter ’schlecht‘ Angst, Trauer oder Wut steckt. Ich nehme diesen Gemütszustand als Realität wahr, nicht als Erscheinungsform des Geistes.
  • Bewusste Inkompetenz: In diesem Stadium nehme ich wahr, dass ich in einer Falle sitze. Ich bemerke die Affenbande als das, was sie ist. Ich kann z.B. den inneren Kritiker benennen, ihm zusehen. Doch befreien kann ich mich noch nicht, vielleicht, weil ich nicht verstehe, wie die Falle funktioniert.
  • Bewusste Kompetenz: Ich erkenne die Falle und kann mich willendlich heraus bewegen. Ich habe den Mechanismus erkannt, und weiss, was ich tun muss, um z.B. den inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen und eine hilfreichere Stimme zu kultivieren.

Mittlerweile bin ich meist in dem Zustand der „bewussten Inkompetenz“. Das finde ich oft frustrierend – offenen Auges in die Falle tappen ist ja nicht gerade elegant*. Achtsamkeit zu üben hat mir in diesem Monat geholfen, mich kompetenter zu fühlen. Öfter Stopp zum inneren Kritiker zu sagen, statt ihm (mehr oder weniger bewusst) zuzusehen. Ihn leiser zu stellen und dadurch hilfreichere Stimmen hören zu können. Aus ‚brenzlichen‘ Situationen heraus zu treten statt mich in den Strudel hinein ziehen zu lassen.

Ich musste mich selbst in diesem Monat oft daran erinnern, das Achtsamkeit ein Weg ist, kein Ziel. Dass ich Zeit habe, sie zu kultivieren, nicht am Ende des Monats alles wissen zu müssen, oder gar in die Tat umsetzen zu können. Und dass dies für mich ein Lebensprojekt sein wird und sein darf.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an das Fräulein im Glück und Sonja vom wertvoll-Blog für die Einladung, bei ihrem Motto-Monat mitzumachen. Links zu den anderen BloggerInnen, die im Juni über Achtsamkeit geschrieben haben finde Ihr hier beim Fräulein.

*Hier ist der innere Kritiker am Werk, ganz klar – ich könnte auch darauf schauen, wieviel besser es mir geht als in dem unbewussten Zustand vor wenigen Jahren.)

7 Kommentare

  1. Oh vielen Dank für diesen abschließenden Beitrag. Ich glaub ich kann mich auch unter „Bewusste Inkompetenz“ einreihen und frustrierend ist der richtige Ausdruck.
    Danke für die vielen Beiträge, die für die Aktion sehr bereichernd waren!
    Liebe Grüße

    • Du hast es so schön in Deinem Beitrag zur Achtsamkeit mit sich selbst beschrieben – mit Güte betrachten.

      Manchmal beobachte ich einen Menschen, der mir sehr nahe steht und sich immer in dem Zustand „unbewusster Inkompetenz“bewegt und sehr stark darunter leidet. Dann merke ich, dass die bewusstere Variante zwar manchmal frustrierend ist, mich aber dennoch spürbar freier macht.

      Vielen Dank für Deine tollen Beiträge und die hilfreichen, praktischen Uebungen.

  2. Seit einigen Wochen arbeite ich sehr intensiv daran, Strategien zu entwickeln um zu einer „bewussten Kompetenz“ zu kommen, wie Du es beschreibst. Dazu gehört – GANZ VIEL ACHTSAMKEIT – und der eiserne Wille, an der Situation etwas zu verändern. Und dann HINSCHAUEN, HINSCHAUEN, HINSCHAUEN. Und es ist mühsam ohne Ende, soviel kann ich verraten. Aber es lohnt, jeder noch so kleine Erfolg.

    lg
    Maria

    • Ich empfinde es auch als lohnend, dran zu bleiben und weiter zu üben.
      Die ‚Denkweise‘ ändert sich langsam – ich merke, dass ich viel Geduld mit mir haben muß. Doch selbst Lehrer wie Jon Krabat-Zinn geraten ja manchmal noch in die Fallen; das finde ich irgendwie beruhigend.

      • Ich glaube die Achtsamkeit würde automatisch sinken, wenn wir nie mehr in Fallen tappen, daher brauchen wir diese manchmal, damit die Achtsamkeit erhalten bleibt. Oder so ähnlich, Du verstehst, wie ich das meine.

        lg
        Maria

  3. Pingback: Achtsamkeit – Monatsthema Juni | Fundstücke aus dem Internet

  4. Pingback: Die schwerste Übung: Mit sich selbst achtsam sein | Fräulein im Glück

Kommentare sind geschlossen.