Kategorie: Experimente

Über Verbindung und Vernetzung

Wir haben einen schönen Sommer hinter uns. Nach meiner Kündigung habe ich viel Zeit mit den Kindern verbracht, gelesen, geschlafen, geträumt, und an unserem sozialen Netz im Hier und Jetzt gewebt. Vor allem an meinem Eigenen, abseits der Schultore, mit Menschen, die in anderen Lebenssituationen sind als ich (sprich: keine Kleinkinder haben). Die Zeit ist schnell vergangen. Jetzt sind bereits die Herbstferien vorbei.

Manege frei gegen die Langeweile

Offline zu sein hat mir gut getan. Social Media und Blogs sind toll und inspirierend. Doch merke ich immer wieder, dass mir Zeit und Energie für andere Dinge fehlten, zuvorderst menschliche Beziehungen im Hier und Jetzt. Für soziales Engagement. Für Ruhe und Erholung. Gleichzeitig ich des des Internetzirkus’ auch ein bisschen überdrüssig. Dem, in dem es um Likes, Shares und Kooperationen geht. In dem Trends ausgerufen und Sauen durchs virtuelle Dorf gejagt werden. In dem es zwar ziemlich unterhaltsam zugeht, in dem ich aber immer wieder in meiner eigener Filterblase feststecke und in dem ich authentischen Stimmen, nachdenkliche oder unausgegorene Artikel weder oft finde noch selbst schreiben kann. Weiterlesen

Ein Monat #Konsumauszeit – mein Fazit

Auf dem Weg zum Kühlregal komme ich an Weihnachtsdeko, Milchschokolade in bunten Verpackungen, Gedöns vorbei. „Brauche ich nicht, brauche ich nicht, will ich nicht, brauche ich nicht“, denke ich, und sehe dann an der Supermarktkasse, dass andere Menschen sehr wohl Weihnachtsbaumkugeln aus Massenproduktion und billige Süßigkeiten brauche / kaufen. Mein eigener Monat Konsumauszeit ist an anderen Menschen ganz überraschend vollkommen vorbei gegangen.

Maria erinnerte mich daran, dass achtsam und umweltbewusst leben kein Wettbewerb ist. Wir können nicht über andere urteilen, weil wir ihre Lebenssituation nicht kennen. Bei diesem Experiment ging es mir darum, im Konsumverzicht ein Mehr zu finden, kein Weniger. Meine eigenen Impulse zu beobachten. Bald – vor allem im Zusammenhang mit der sehr sehenswerten Dokumentation Hugh’s War on Waste, aber auch dem Besuch einer (nachhaltigkeitsrelevanten) Konferenz – merkte ich aber, dass mein eigenes Handeln, so ganz allein, ersteinmal garnichts wenig ändert. Dass wir als Gesellschaft anders, weniger, viel weniger konsumieren müssen. Dass mein Engagement gefragt ist, so sehr das meiner introvertierten Persönlichkeit widerstrebt. Klar, Kleinvieh macht auch Mist, aber es bringt wenig, wenn ich meine Schuhe reparieren lassen, wenn der Rest der westlichen Welt ungetragene Kleidung in den Müll wirft.

So eine Konsumauszeit ist super, um noch deutlicher die eigenen Impulse zu erkennen (oder sie zum 1000 Mal bestätigt zu sehen). Diesmal war ich besser in der Interpretation der Impulse: Ich brauche Bastelmaterialen? Nein, ich will meiner Tochter eine Freude machen, und ich will mit ihr zusammensein. Familiengefühl entsteht, wenn ich Zeit investiere, nicht ein paar Pfund für bunte Aufkleber in einem Ramschladen. Ich brauche ein neues Notizbuch? Nein, ich will mir mehr Zeit zum Schreiben nehmen. Um solche Impulse immer wieder auf zu decken sollte Mensch regelmässig so eine Konsumauszeit einlegen. Ich sehe das als gute Möglichkeit, gegen die Marketingmaschinerie anzugehen, die unsere Bedürfnis aufnimmt und sich zu Nutze macht, um uns Zeug zu verkaufen, welches dann ein schales Gefühl hinterlässt, weil es das Bedürfnis nach Zeit, nach Nähe, nach Anerkennung eben nicht stillt.

Und was wurde aus meinen ursprünglichen Motiven?

Mehr Zeit
– Gefühlt ja. Oder eher ein Gewahrsein, wie ich Zeit verbringe, und wie ich sie verbringen möchte.

Mehr Bedenkzeit
– Auch ja. Das Geschenk für Miss Bee habe ich als Joker gekauft, und ich bin sehr froh drum, dann alle anderen kann ich mit Gutscheinen und Selbstgebasteltem beglücken. In ein Einkaufszentrum brauche ich vor Weihnachten nicht mehr. Puh.

Mehr Übersicht
– Naja. Ich habe zwar kräftig Lebensmittel aufgebraucht, aber es ist noch genug da. Der Mann kaufte ein, als er meinte, wir hätten ja garnichts mehr zu essen. Die Schränke sind also nach wie vor gut gefüllt. Hier kann ich im Dezember weiter machen.

Mehr Zufriedenheit
– Mit dem, was ich habe. Ja. Oder eher noch einmal die Bestätigung: Das, was ich für mehr Zufriedenheit brauche, bekomme ich nicht im Laden. Zufriedenheit kann ich nur selbermachen.

Mehr Plan
– Ja. Das Mittagessen habe ich meist eingesteckt, meine Wasserflasche auch. Cafébesuche waren geplant – und schön, bewusst genossen.

Als Fazit: eine Konsumauszeit kann ich jedem nur empfehlen.

Konsumauszeit unterwegs

Endlich einmal ausschlafen zu können war mein Hauptanliegen, als ich beschloss, schon das Wochenende vor der Konferenz in Edinburgh zu verbringen. Tatsächlich habe ich einmal bis 7:30 geschlafen, ganz allein im Bett und ohne gelegentliche Fußtritte in den Rücken. Das war erholsam. Außerdem hatte ich viel Zeit für mich allein – als Introvertierte fehlt mir dies im Alltag oft.

Doch natürlich gibt es in der Stadt viel zu viel zu entdecken, um die ganze Zeit im Hotelzimmer abzuhängen. Anders als viele andere Städte in Großbritannien hat Edinburgh viele unabhängige Cafes und Läden, und außerdem ein reiches kulturelles Angebot. Ganz streng ohne Konsum wäre es eine freudlose Zeit gewesen. Weiterlesen

#Konsumauszeit und Biedermeierlichkeit

Erst einmal: Wie läuft’s?
Tatsächlich konsumiere ich im wahren Leben während der Konsumauszeit weit weniger als vorher. Ich gebe weiterhin kräftig Geld aus (Schuhreperaturen, Leih- und Bestellgebühren in der Bibliothek, öffentliche Verkehrsmittel, usw.) schränke  aber Einkäufe tatsächlich stark ein, halte mich an meine Einkaufsliste (sonst falle ich im Supermarkt immer auf irgendwelche 2-for-1 Angebote rein). Meinen „Joker“ habe ich diese Woche eingesetzt und das Puppenhaus für Miss Bee gekauft, über eine Kleinanzeigenseite. Nach der nette Begegnung mit einer Familie in der Nachbarschaft, dachte ich, wie nett es doch ist, ein Individuum zu bezahlen, nicht irgendeinen großen Konzern.

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#Konsumauszeit im November – die erste Woche

Sehr kurz nach der Veröffentlichung meines letzten Beitrags habe ich einen Termin am anderen Ende der Stadt. Kurz denke ich noch daran, rase dann aber ohne Snack/Mittagessen und ohne Trinkflasche aus dem Haus – keine Zeit mehr. Es kam, wie es kommen musste, und kurz vor dem Termin landete ich in einen kleinen Convenience Store und holte eine Plastikflasche (Einweg natürlich, wir sind ja nicht in Deutschland) Wasser und einen Croissant. Die Rebellin in mir grinste, und dachte: Ha, Verbotenes macht tatsächlich mehr Spaß.

Die vernünftigere Seite dachte: Genau darum geht es bei dieser Konsumauszeit: Mit etwas mehr Plan hätte ich diesen Müll vermeiden können.

Gesünder, günstiger, müllärmer und schneller

Ich hätte ich zu Hause meine Wasserflasche auffüllen, ein Stück Obst und ein paar Nüsse in meine Tasche werfen und mitnehmen können.

Jetzt bin ich schon so lange auf dem Weg der Vereinfachung unterwegs, aber manchmal setze ich immer noch „neu kaufen“ mit der einfachsten Option gleich. Oft entscheide ich mich dagegen, komme ohne aus, mit einem gebrauchten oder geliehenen Gegenstand, aber wie sehr dieser Glaubenssatz noch verankert ist habe ich in der vergangenen Woche gemerkt.

  • Neue Klamotten sind besser als Gebrauchte.
  • Essen außer Haus ist besser als Mitgebrachtes.
  • Neue Schuhe sind besser als das Besohlen der Alten.
  • Wild schäumendes Duschgel in pinker Plastikflasche ist besser als ein Seifenstück.
  • …..

Ist doch komisch, dass viele von uns immer noch glauben Mineralwasser sei Leitungswasser in irgendeiner Hinsicht überlegen. (Ich übrigens nicht.)

Werbung ist überall. Ich kann Frauenzeitschriften liegen und den Fernseher ausgeschaltet lassen: Auf meinem Arbeitsweg komme ich an mehreren Werbetafeln vorbei, die größer sind als unsere Wohnung und die mir mitteilen, dass der Kaffee woanders schöner dampft als Zuhause und ich unbedingt ein neues MakeUpProdukt, tolles Auto oder irgendein Gadget brauche.

“Wir kommen nicht mehr zur Ruhe, den wo wir stehen, gehen oder auf ein Display schauen, ereilen uns neue Angebote der Selbstverwirklichung, die zur Kenntnis genommen und genutzt werden wollen. Unter dem Regime der Zeitknappheit hat das Wachstum der individuellen Möglichkeiten einen verheerenden Preis, nämlich Oberflächlichkeit – und die macht niemanden glücklich, sondern befördert den Burnout.” Niko Paech (via Gabi Raeggel)

Konsumdruck ist real. Das heißt nicht, dass ich ihm nachgeben muss, aber ohne Aufmerksamkeit geht gar nichts. Gabi schrieb neulich in einem Beitrag zu Statussymbolen, Konsumdruck und Achtsamkeit, dass sie zwei mögliche Reaktionen beobachtet: alles mitmachen, oder alles ablehnen. Die Mitte liegt irgendwo dazwischen, nämlich „im Einzelfall genau hinzuschauen und zu nach zu spüren: Was brauche ich wirklich? Oder was brauche ich auch nicht?“

Gestern brachte ich mehrere Paar Schuhe zum Schuster. Das wollte ich schon länger. Ich kaufe mir keine neuen Schuhe, bezahle aber für eine Dienstleistung. Frau DingDong braucht einen neuen Pullover; geschenkt während der Konsumauszeit ist besser als neu gekauft danach stellen wir auf Twitter fest. Kaffee – ob in einem Cafe oder to go – gibt es bei mir so selten, dass es bei mir unter Aktivität oder Erlebnis, gar „Wellness“ läuft, bei anderen ist es eine unnötige Ausgabe. Was passt dann noch in die Konsumauszeit? Geht es darum, kein Geld auszugeben, oder darum, nichts „Neues“/GebrauchtNeues anzuschaffen?

Mir geht es darum, Impulse zu erkennen. Noch genauer hinzusehen, an welchen Stellen ich denke, Konsum ist die Lösung, für die „Herausforderung“, vor der ich stehe – sei das ein Wocheneinkauf, ein Laternenumzug oder das tägliche Mittagessen. Oft handele ich entgegen dem ersten Impuls – neu, viel und mehr – aber manchmal halte ich meine Lösung – gebraucht, ausreichend und weniger – für die Zweitbeste.

Weniger mehr sein zu lassen kann man üben, und das mache ich jetzt.

Konsumauszeit im November

Konsumauszeit im November – ernsthaft? In diesem Jahr wollte ich mit guter Planung dem Vorweihnachtsstress entgehen. Voller Tatendrang schon im November alle Geschenke kaufen und sonstige Weihnachtsvorbereitungen treffen. Als ich das erste Mal von Apfelmädchen und sadfsh #Konsumauszeit las war deshalb klar, dass das nichts für mich ist. Extern gesetzte Challenges kommen nicht zur richtigen Zeit, und überhaupt, wie soll das gehen als Familie in der VorVorweihnachtszeit?

Konsumauszeit… kann nicht schaden

Doch dann… machen andere Familien auch mit, Bloggerinen mit größeren und komplexeren Familien als ich sie habe. Und mal ehrlich, gut gebrauchen kann ich eine solche Challenge immer mal wieder. Zwar habe ich nicht übermässig konsumiert, aber auch nicht besonders kritisch. Urlaubslaunen, Umstandsmode und immer öfter das Sandwich in der Mittagspause. Ich tappe noch immer oft in die Kinderbuch- und die SpielsachenKauffalle. Auch von zero waste bin ich dank Trägheit und mangelder Planung gerade weit entfernt. Bewusster geht noch, auch wenn es der Geldbeutel nicht verlangt. Weiterlesen

Papierkrieg mit Marie Kondo

Inspiriert von meinem Kondo-Aktionen sortierte Mr Handsome heute eine Truhe, in der er Skiklamotten und Schlafsäcke aufbewahrt. Dabei fand er einen Stapel Zeitschriften, den ich nach unserem Umzug (vor drei Jahren) in diese Kiste packte, weil ich nicht wusste, wohin damit. Marie Kondo besteht darauf, dass alles, was man findet, nachdem man eine Kategorie abgeschlossen hat, im Müll landet. Ich hätte wohl geschummelt; Mr Handsome hat den Stapel für mich ins Altpapier geschmissen. Gerade ist mein Wunsch nach Ordnung und Übersichtlichkeit groß, aber die Versuchung, in alte Verhaltensmuster (nur mal durchgucken, ob nicht ein interessanter Artikel dabei ist, den ich noch einmal lesen sollte…) sind nach wie vor stark. „Wissen wegschmeißen“? Schwierig.

Die Theorie
Aber weiter zum Papierkram, der nächsten Kategorie nach Kleidung und Büchern. Kondo rät, alles weg zu werfen, was a) nicht momentan erledigt werden muss, b) für eine gewisse Zeit aufgehoben werden muss, oder c) für immer aufgehoben werden muss. Ein kompliziertes System braucht man nicht. Weiterlesen