Kategorie: Konsum

Von der #Konsumauszeit zu #KonsumEntscheidet

Ein Gefühl der Befremdlichkeit, als ich am Samstag Nachmittag in das nahe gelegene Einkaufszentrum gehe, um eine neurodermitistaugliche Hautcreme für Miss Bee zu kaufen. Besagtes Einkaufszentrum ist von der trashigen Sorte: Filialen einer Reformhauskette, Handyläden, ein Sportgeschäft, zwei 1-Euro-Läden Äquivalente, ein Supermarkt, von dessen Besuch mich der penetrante Brathähnchengeruch immer abhält, und ein muffiger Charityshop. Kettenrestaurants. Und die Drogerie, in der ich die konventionelle Hautcreme suche, die im letzten Winter die schuppige Haut heilte, nachdem eine die Öko-Wind- und Wettercreme uns im Stich lies.

Vielleicht liegt es an meiner schwangerschaftsbedingten Müdigkeit, vielleicht am Licht, das ob des schummerigen Dämmerlichts draußen grell und laut ist, aber all das kommt mir so befremdlich vor. Ich schau mir die Läden an, und frage mich, wer all das will, all das zu brauchen meint, all das kaufen soll.

Vom Essen im Müll und moderner Sklaverei

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Ein Monat #Konsumauszeit – mein Fazit

Auf dem Weg zum Kühlregal komme ich an Weihnachtsdeko, Milchschokolade in bunten Verpackungen, Gedöns vorbei. „Brauche ich nicht, brauche ich nicht, will ich nicht, brauche ich nicht“, denke ich, und sehe dann an der Supermarktkasse, dass andere Menschen sehr wohl Weihnachtsbaumkugeln aus Massenproduktion und billige Süßigkeiten brauche / kaufen. Mein eigener Monat Konsumauszeit ist an anderen Menschen ganz überraschend vollkommen vorbei gegangen.

Maria erinnerte mich daran, dass achtsam und umweltbewusst leben kein Wettbewerb ist. Wir können nicht über andere urteilen, weil wir ihre Lebenssituation nicht kennen. Bei diesem Experiment ging es mir darum, im Konsumverzicht ein Mehr zu finden, kein Weniger. Meine eigenen Impulse zu beobachten. Bald – vor allem im Zusammenhang mit der sehr sehenswerten Dokumentation Hugh’s War on Waste, aber auch dem Besuch einer (nachhaltigkeitsrelevanten) Konferenz – merkte ich aber, dass mein eigenes Handeln, so ganz allein, ersteinmal garnichts wenig ändert. Dass wir als Gesellschaft anders, weniger, viel weniger konsumieren müssen. Dass mein Engagement gefragt ist, so sehr das meiner introvertierten Persönlichkeit widerstrebt. Klar, Kleinvieh macht auch Mist, aber es bringt wenig, wenn ich meine Schuhe reparieren lassen, wenn der Rest der westlichen Welt ungetragene Kleidung in den Müll wirft.

So eine Konsumauszeit ist super, um noch deutlicher die eigenen Impulse zu erkennen (oder sie zum 1000 Mal bestätigt zu sehen). Diesmal war ich besser in der Interpretation der Impulse: Ich brauche Bastelmaterialen? Nein, ich will meiner Tochter eine Freude machen, und ich will mit ihr zusammensein. Familiengefühl entsteht, wenn ich Zeit investiere, nicht ein paar Pfund für bunte Aufkleber in einem Ramschladen. Ich brauche ein neues Notizbuch? Nein, ich will mir mehr Zeit zum Schreiben nehmen. Um solche Impulse immer wieder auf zu decken sollte Mensch regelmässig so eine Konsumauszeit einlegen. Ich sehe das als gute Möglichkeit, gegen die Marketingmaschinerie anzugehen, die unsere Bedürfnis aufnimmt und sich zu Nutze macht, um uns Zeug zu verkaufen, welches dann ein schales Gefühl hinterlässt, weil es das Bedürfnis nach Zeit, nach Nähe, nach Anerkennung eben nicht stillt.

Und was wurde aus meinen ursprünglichen Motiven?

Mehr Zeit
– Gefühlt ja. Oder eher ein Gewahrsein, wie ich Zeit verbringe, und wie ich sie verbringen möchte.

Mehr Bedenkzeit
– Auch ja. Das Geschenk für Miss Bee habe ich als Joker gekauft, und ich bin sehr froh drum, dann alle anderen kann ich mit Gutscheinen und Selbstgebasteltem beglücken. In ein Einkaufszentrum brauche ich vor Weihnachten nicht mehr. Puh.

Mehr Übersicht
– Naja. Ich habe zwar kräftig Lebensmittel aufgebraucht, aber es ist noch genug da. Der Mann kaufte ein, als er meinte, wir hätten ja garnichts mehr zu essen. Die Schränke sind also nach wie vor gut gefüllt. Hier kann ich im Dezember weiter machen.

Mehr Zufriedenheit
– Mit dem, was ich habe. Ja. Oder eher noch einmal die Bestätigung: Das, was ich für mehr Zufriedenheit brauche, bekomme ich nicht im Laden. Zufriedenheit kann ich nur selbermachen.

Mehr Plan
– Ja. Das Mittagessen habe ich meist eingesteckt, meine Wasserflasche auch. Cafébesuche waren geplant – und schön, bewusst genossen.

Als Fazit: eine Konsumauszeit kann ich jedem nur empfehlen.

#Konsumauszeit und Biedermeierlichkeit

Erst einmal: Wie läuft’s?
Tatsächlich konsumiere ich im wahren Leben während der Konsumauszeit weit weniger als vorher. Ich gebe weiterhin kräftig Geld aus (Schuhreperaturen, Leih- und Bestellgebühren in der Bibliothek, öffentliche Verkehrsmittel, usw.) schränke  aber Einkäufe tatsächlich stark ein, halte mich an meine Einkaufsliste (sonst falle ich im Supermarkt immer auf irgendwelche 2-for-1 Angebote rein). Meinen „Joker“ habe ich diese Woche eingesetzt und das Puppenhaus für Miss Bee gekauft, über eine Kleinanzeigenseite. Nach der nette Begegnung mit einer Familie in der Nachbarschaft, dachte ich, wie nett es doch ist, ein Individuum zu bezahlen, nicht irgendeinen großen Konzern.

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#Konsumauszeit im November – die erste Woche

Sehr kurz nach der Veröffentlichung meines letzten Beitrags habe ich einen Termin am anderen Ende der Stadt. Kurz denke ich noch daran, rase dann aber ohne Snack/Mittagessen und ohne Trinkflasche aus dem Haus – keine Zeit mehr. Es kam, wie es kommen musste, und kurz vor dem Termin landete ich in einen kleinen Convenience Store und holte eine Plastikflasche (Einweg natürlich, wir sind ja nicht in Deutschland) Wasser und einen Croissant. Die Rebellin in mir grinste, und dachte: Ha, Verbotenes macht tatsächlich mehr Spaß.

Die vernünftigere Seite dachte: Genau darum geht es bei dieser Konsumauszeit: Mit etwas mehr Plan hätte ich diesen Müll vermeiden können.

Gesünder, günstiger, müllärmer und schneller

Ich hätte ich zu Hause meine Wasserflasche auffüllen, ein Stück Obst und ein paar Nüsse in meine Tasche werfen und mitnehmen können.

Jetzt bin ich schon so lange auf dem Weg der Vereinfachung unterwegs, aber manchmal setze ich immer noch „neu kaufen“ mit der einfachsten Option gleich. Oft entscheide ich mich dagegen, komme ohne aus, mit einem gebrauchten oder geliehenen Gegenstand, aber wie sehr dieser Glaubenssatz noch verankert ist habe ich in der vergangenen Woche gemerkt.

  • Neue Klamotten sind besser als Gebrauchte.
  • Essen außer Haus ist besser als Mitgebrachtes.
  • Neue Schuhe sind besser als das Besohlen der Alten.
  • Wild schäumendes Duschgel in pinker Plastikflasche ist besser als ein Seifenstück.
  • …..

Ist doch komisch, dass viele von uns immer noch glauben Mineralwasser sei Leitungswasser in irgendeiner Hinsicht überlegen. (Ich übrigens nicht.)

Werbung ist überall. Ich kann Frauenzeitschriften liegen und den Fernseher ausgeschaltet lassen: Auf meinem Arbeitsweg komme ich an mehreren Werbetafeln vorbei, die größer sind als unsere Wohnung und die mir mitteilen, dass der Kaffee woanders schöner dampft als Zuhause und ich unbedingt ein neues MakeUpProdukt, tolles Auto oder irgendein Gadget brauche.

“Wir kommen nicht mehr zur Ruhe, den wo wir stehen, gehen oder auf ein Display schauen, ereilen uns neue Angebote der Selbstverwirklichung, die zur Kenntnis genommen und genutzt werden wollen. Unter dem Regime der Zeitknappheit hat das Wachstum der individuellen Möglichkeiten einen verheerenden Preis, nämlich Oberflächlichkeit – und die macht niemanden glücklich, sondern befördert den Burnout.” Niko Paech (via Gabi Raeggel)

Konsumdruck ist real. Das heißt nicht, dass ich ihm nachgeben muss, aber ohne Aufmerksamkeit geht gar nichts. Gabi schrieb neulich in einem Beitrag zu Statussymbolen, Konsumdruck und Achtsamkeit, dass sie zwei mögliche Reaktionen beobachtet: alles mitmachen, oder alles ablehnen. Die Mitte liegt irgendwo dazwischen, nämlich „im Einzelfall genau hinzuschauen und zu nach zu spüren: Was brauche ich wirklich? Oder was brauche ich auch nicht?“

Gestern brachte ich mehrere Paar Schuhe zum Schuster. Das wollte ich schon länger. Ich kaufe mir keine neuen Schuhe, bezahle aber für eine Dienstleistung. Frau DingDong braucht einen neuen Pullover; geschenkt während der Konsumauszeit ist besser als neu gekauft danach stellen wir auf Twitter fest. Kaffee – ob in einem Cafe oder to go – gibt es bei mir so selten, dass es bei mir unter Aktivität oder Erlebnis, gar „Wellness“ läuft, bei anderen ist es eine unnötige Ausgabe. Was passt dann noch in die Konsumauszeit? Geht es darum, kein Geld auszugeben, oder darum, nichts „Neues“/GebrauchtNeues anzuschaffen?

Mir geht es darum, Impulse zu erkennen. Noch genauer hinzusehen, an welchen Stellen ich denke, Konsum ist die Lösung, für die „Herausforderung“, vor der ich stehe – sei das ein Wocheneinkauf, ein Laternenumzug oder das tägliche Mittagessen. Oft handele ich entgegen dem ersten Impuls – neu, viel und mehr – aber manchmal halte ich meine Lösung – gebraucht, ausreichend und weniger – für die Zweitbeste.

Weniger mehr sein zu lassen kann man üben, und das mache ich jetzt.

Konsumauszeit im November

Konsumauszeit im November – ernsthaft? In diesem Jahr wollte ich mit guter Planung dem Vorweihnachtsstress entgehen. Voller Tatendrang schon im November alle Geschenke kaufen und sonstige Weihnachtsvorbereitungen treffen. Als ich das erste Mal von Apfelmädchen und sadfsh #Konsumauszeit las war deshalb klar, dass das nichts für mich ist. Extern gesetzte Challenges kommen nicht zur richtigen Zeit, und überhaupt, wie soll das gehen als Familie in der VorVorweihnachtszeit?

Konsumauszeit… kann nicht schaden

Doch dann… machen andere Familien auch mit, Bloggerinen mit größeren und komplexeren Familien als ich sie habe. Und mal ehrlich, gut gebrauchen kann ich eine solche Challenge immer mal wieder. Zwar habe ich nicht übermässig konsumiert, aber auch nicht besonders kritisch. Urlaubslaunen, Umstandsmode und immer öfter das Sandwich in der Mittagspause. Ich tappe noch immer oft in die Kinderbuch- und die SpielsachenKauffalle. Auch von zero waste bin ich dank Trägheit und mangelder Planung gerade weit entfernt. Bewusster geht noch, auch wenn es der Geldbeutel nicht verlangt. Weiterlesen

Weihnachten – Geschenkeflut und neue Traditionen

Wir sind Vorbilder, gute und schlechte, 24 Stunden am Tag. – Jesper Juul

“Was vermitteln wir unseren Kindern, wenn wir sie zu Weihnachten Geschenke im zweistelligen Bereich öffnen lassen?”
fragte Marlene neulich ihrem Beitrag zur weihnachtlichen Shoppingwut und Werten. Sie beschrieb, wie sie davon träumt, dass ihr Kind ein oder zwei qualitativ hochwertige Geschenke unter dem Tannenbaum öffnet, und dann das verbleibende Weihnachtsfest zufrieden damit spielt. In der Realität öffnet es Geschenk um Geschenk, beachtet den Inhalt kaum und fragt “Mehr?”

Wie wünschen wir uns Weihnachten/Geburtstage/besondere Anlässe?
Im Moment ticke ich noch so, dass physische Geschenke für mich zum Weihnachtsfest dazu gehören, auch wenn es Weihnachten um etwas anderes geht – christliche Traditionen und das Zusammensein mit der Familie. Das Schenken gehört dazu. Ich möchte meinem Kind etwas Gutes tun, Miss Bee Dinge schenken, die ihre Kreativität fördern, oder ihre Geschicklichkeit, ihre Entwicklung, und an denen sie sich erfreut. Weiterlesen

Mein Interview zum Thema „Konsum“ im eMagazin Deutsche Bildung

Ein Beitrag zur Geschichte der Konsumgesellschaft, die wichtigsten Schlagworte zum Thema, die Frage, ob man wirklich jede Woche neue Klamotten kaufen muss und, tada, mein erstes Interview. All das findet Ihr in der aktuellen Ausgabe des eMagazin Deutsche Bildung.

„Profibloggerin“ Dina hat natürlich nicht daran gedacht, einen Link zu meinem Blog in das Interview einzufügen. Ja, ja. Daher: Herzlich Willkommen an alle LeserInnen des eMagazins, die sich auch ohne Link auf meinen Blog verirren.

Wer lesen mag, ob ich Konsum schlecht finde, warum wir unnötige Dinge kaufen, und wie man dies verhindern kann findet das Interview hier. Auch die anderen Beiträge in dem eMagazin sind lesenswert.

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