Kategorie: Lernen

Über Verbindung und Vernetzung

Wir haben einen schönen Sommer hinter uns. Nach meiner Kündigung habe ich viel Zeit mit den Kindern verbracht, gelesen, geschlafen, geträumt, und an unserem sozialen Netz im Hier und Jetzt gewebt. Vor allem an meinem Eigenen, abseits der Schultore, mit Menschen, die in anderen Lebenssituationen sind als ich (sprich: keine Kleinkinder haben). Die Zeit ist schnell vergangen. Jetzt sind bereits die Herbstferien vorbei.

Manege frei gegen die Langeweile

Offline zu sein hat mir gut getan. Social Media und Blogs sind toll und inspirierend. Doch merke ich immer wieder, dass mir Zeit und Energie für andere Dinge fehlten, zuvorderst menschliche Beziehungen im Hier und Jetzt. Für soziales Engagement. Für Ruhe und Erholung. Gleichzeitig ich des des Internetzirkus’ auch ein bisschen überdrüssig. Dem, in dem es um Likes, Shares und Kooperationen geht. In dem Trends ausgerufen und Sauen durchs virtuelle Dorf gejagt werden. In dem es zwar ziemlich unterhaltsam zugeht, in dem ich aber immer wieder in meiner eigener Filterblase feststecke und in dem ich authentischen Stimmen, nachdenkliche oder unausgegorene Artikel weder oft finde noch selbst schreiben kann. Weiterlesen

Buchbesprechung Sarah Schill – Anständig leben

Wenn Sarah Schill in „Anständig leben: Mein Selbstversuch rund um Massenkonsum, Plastikmüll und glückliche Schweine“ ihre Lebenssituation beschreibt, finde ich mich in vielem wieder. Ich habe kein Auto, keinen Wäschetrockner, ein Mann, ein Kind und lebe in einer zugigen Altbauwohnung. Und, wie der Autorin, beschert auch mir eine Berechnung meines ökologischen Fußabdrucks einen Schock. Der ökologischen Fußabdruck des Durchschnittsdeutschen liegt bei 5.1ha, Sarah Schills bei 5.32ha, mein eigener, dank des alljährlichen Langstreckenflugs über den grossen Teich um die Familie meines Mannes zu besuchen, bei über 6ha. Wir bräuchten fast drei Erden wenn jeder so leben wollen würde wie der Durchschnittsdeutsche es derzeit tun, 4, wenn jeder wie ich einmal im Jahr auf einen anderen Kontinent fliegen würde. 1,8 ha wäre ein fairer Fußabdruck, der allen Menschen auf der Welt zu stünde, ohne das wir dabei unsere Erde zugrunde richten.

Ein Selbstexperiment zum besseren Leben in drei Akten
Nach ihrer Berechnung entschließt sich Sarah Schill zu einem Selbstexperiment in drei Akten. Weiterlesen

Treibholz – Lieblingslinks zur Nachhaltigkeit

Derzeit dreht sich bei mir alles um die bevorstehende Geburt das Thema nachhatliger leben. Zeit, mal wieder meine Fundstücke der Woche mit Euch zu teilen.
  • Vielleicht habe ich die Reihe hier schon einmal verlinkt, doch weil ich sie so gut finde: in Hugh’s War on Waste macht sich Starkoch Hugh Fearnley-Whittingstall auf in den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung und ermutigt Briten, ihr Müllaufkommen drastisch zu reduzieren.
  • Und wie würde ein Tag ohne Müll aussehen? Eine Reihe von Videos erklären das Wiege-zur-Wiege Prinzip.
  • Ein spannendes Interview zu einem Thema über das wir nicht unbedingt offen sprechen: ein erhellendes Interview zu nachhaltiger Monatshygiene auf FindingSustainia. Zudem könnt Ihr Hygieneprodukte ersteigern, der Ertrag fließt in die Flüchtlingshilfe.
  • Als Konsumenten zahlen wir nicht den wahren Preis der Produkte. Dieses Video erklärt anschaulich (auf Englisch), was „versteckte Kosten“ sind und wer sie trägt.
  • Refuse, reduce, reuse, recycle, rot: Wie Du mit den 5 Rs ganz einfach Müll vermeiden kannst habe ich in diesem Beitrag auf kids, cooks & composts zusammengefasst.
  • …und, weil ich’s so inspirierend fand, Fotos aus Bea Johnsons Zuhause. Zero Waste und minimalistisch. (Gefunden via Frau DingDong)
Ein schönes Wochenende wünscht Euch
Daija

Nestbau

Meine zweite Schwangerschaft verlief so nebensächlich, dass ich zwischenzeitlich Bedenken hatte, das Baby würde irgendwann aus mir herausfallen, ohne das wir im Geringsten darauf vorbereitet wären. Während ich in den neun Monaten vor Miss Bees Ankunft Newsletter und Bücher las, was das Zeug hielt, atmen uebte, auf dem mp3 player nichts als Hypnobirthing abspielte und fast schon religiös zum Schwangerenyoga ging, ist Baby Nummer 2 schon jetzt ein typisches kleines Geschwisterchen, dem weit weniger Aufmerksamkeit zuteil wird.

Der Natur sei Dank setzte Ende Dezember der Nestbautrieb ein. Nun ist die Babykleidung gewaschen, entsprechende Wintersachen ergänzt, und alles Wichtige für das Wochenbett besorgt. Mein Januar steht unter dem Motto Nestbau – und, stärker als beim ersten Mal bin ich mir bewusst, das Nestbau nicht nur im Äußeren stattfindet. Weiterlesen

Konsumauszeit unterwegs

Endlich einmal ausschlafen zu können war mein Hauptanliegen, als ich beschloss, schon das Wochenende vor der Konferenz in Edinburgh zu verbringen. Tatsächlich habe ich einmal bis 7:30 geschlafen, ganz allein im Bett und ohne gelegentliche Fußtritte in den Rücken. Das war erholsam. Außerdem hatte ich viel Zeit für mich allein – als Introvertierte fehlt mir dies im Alltag oft.

Doch natürlich gibt es in der Stadt viel zu viel zu entdecken, um die ganze Zeit im Hotelzimmer abzuhängen. Anders als viele andere Städte in Großbritannien hat Edinburgh viele unabhängige Cafes und Läden, und außerdem ein reiches kulturelles Angebot. Ganz streng ohne Konsum wäre es eine freudlose Zeit gewesen. Weiterlesen

Kater Mog und 168 hours – Gelesen im September

 

September war für uns ein Monat der Übergange. Bevor Miss Bee nach zwei Jahren Betreuung durch eine Tagesmutter mit dem Montessori Kindergarten begann, haben wir beide eine Staycation gemacht und schöne Dinge in London unternommen, die etwas Reisezeit in Anspruch nehmen.
Dazu gehörte die Judith Kerr Ausstellung „Tiger, Mog und das rosa Kaninchen“ im Jüdischen Museum. Die Ausstellung gibt einen Einblick in das Leben und Werk der jüdischen Künstlerin und Schriftstellerin und bietet einiges zum Anfassen, auch schon für Kleinkinder. Weiterlesen

Langfristige Erfolge mit Marie Kondos Magic Cleaning

Marie Kondos Magic Cleaning Methode verspricht, dass man nie wieder aufräumen muss, wenn man einmal nach der Methode ausgemistet hat. Ist unser Heim sechs Monate nach Abschluss meines eigenen Magic Cleanings eine Oase der Ruhe und Ordnung ohne jeglichen Überfluss und voller Dinge, die mich bei ihrem Anblick mit Freude erfüllen?

Ja, und nein.

Alte Gewohnheiten sterben langsam
Wer heute in unserer Wohnung kommt wird nicht vor lauter Sauberkeit umkommen. Auch nach einem gründlichen Ausmisten muss man täglich all jene Dinge wieder an ihren Platz zurückstellen, die man benutzt hat – Wassergläser, Zahnbürste – als auch Dinge entsorgen, die ihren Zweck getan haben – Tomatendosen, Einkaufszettel etc. Auch wenn ich in dieser Hinsicht Fortschritte gemacht habe fällt mir das erstaunlich schwer. Ich bin nicht von Natur aus ordentlich und werde dazu noch oft genug mitten in einer Aufgabe unterbrochen („Huuuungeeer!“ „Mama, ich muss Pipi (…). Nein, du musst mitkommen!“), sodass oft irgendetwas irgendwo liegen bleibt.

Marie Kondo hat keine Kinder und einen wohlerzogenen Partner
Ich jammere auf hohem Niveau – ich habe nur ein Kind, und Miss Bee ist wahrlich keine Sammlerin, aber WAS DIESE KINDER ALLES ANSCHLEPPEN: Papierkram aus dem Kindergarten, Gebasteltes aus Recyclingmaterialien, Plastikgeschirr, -obst, -figuren, Billigstifte und allgemeinen Ramsch, den sie irgendwo geschenkt bekommen. Dazu wachsen sie immerzu aus irgendetwas – Klamotten, Spielsachen, Bücher – raus, was man dann ersetzen muss. Einmal aufgeräumt, immer aufgeräumt ist jedenfalls was Anderes. Heute glaube ich, dass man in einem Haushalt mit Kindern mit einer gewissen Unordnung leben muss. Weiterlesen