Kategorie: Lesestoff

Gelesen im April

Zugegeben habe ich seit meiner Schulzeit keine Poesie mehr gelesen. Zu der Qualität der Gedichte in Die Flügel meines schweren Herzens kann ich also wenig sagen. Was ich sagen kann, ist, dass mir der zweisprachige Gedichtband mit Werken arabischer Dichterinnen aus dem 5. Jahrhundert bis heute ganz wunderbar gefallen hat. Die Gedichte geben Einblick in die Lebensrealität der Dichterinnen, sie handeln von Liebe, Verlust, Tod, die zeitgenössischen vor allem über Krieg, Flucht und Exil. Weiterlesen

Gelesen im März

Dafür, dass ich eigentlich mehr Fiktion lesen wollte… nun ja, einen Roman ist dabei, und der ist wirklich lesenswert.

Yeong-hye und ihr Mann leben ein ganz gewöhnliches Leben, bis ein blutiger Traum sie dazu bewegt, Vegetarierin zu werden. Keine große Sache denkt man hier, in Südkorea jedoch ein subversiver Akt. Yeong-hyes Mann und ihre Familie versuchen zunächst, sie zum Fleisch essen zu bewegen. Sie wenden sich ab, als klar wird, dass hinter der Fleischverweigerung mehr steht; Yeong-hye möchte zum Baum werden.
Erzählt aus Sicht des (berechnend kaltherzigen) Ehemannes, des (von ihrem Mongolenmark besessenen) Schwagers und ihrer fürsorglichen älteren Schwester ist Die Vegetarierinein merkwürdiges, düsteres Buch über erdrückende Normen und psychische Erkrankung, in dem abgründige Gedanken schonungslos untersucht werden. Sehr lesenswert. (Zur Anmerkung: Ich habe das Buch in der hochgelobten englischen Übersetzung gelesen; die deutsche Fassung kenne ich nicht.) Weiterlesen

Gelesen im Februar

Nachdem mich Trump und Brexit so unvorbereitet getroffen haben, merkte ich, dass ich mich wohl zu sehr in meinem Weisse-Mittelschichts-Mittdreissiger-Mama-Filterbubble verkrochen habe. In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, generell weniger von und über Leute wie mich zu lesen. Weniger Elternratgeber (die werden generell nur für Leute wie mich geschrieben 🙂 ), mehr Literatur, die mein Weltverständnis erweitert und mich dadurch zu einem liebevolleren Menschen macht. Da ich selbst viele Bücher durch Empfehlungen im Netz entdecke, teile ich mit Euch, was ich gelesen habe:

In Stadt der Lügen: Liebe, Sex und Tod in Teheran stellt Ramita Navai acht Porträts “gewöhnlicher Leute, die gezwungen sind, ein ungewöhnliches Leben zu führen” vor. Die Geschichten, vom Kleinkriminellen über den Waisen von linken Regimegegnern bis hin zu der jungen Frau, die sich gegen ihre religiöse Überzeugung scheiden lässt, spielen rund um die frühere Prachtstraße Vali Asr, die sich auf einer Nord-Süd-Achse durch Teheran zieht. Weiterlesen

Menschenkinder von Herbert Renz-Polster (Buchrezension)

Manchmal kommt das richtige Buch zur richtigen Zeit. „Menschenkinder“ fand mich, als ich gerade einmal wieder daran zweifelte, ob ich den Umgang mit meinen Kindern ‘richtig’ gestalte. Mit ihren viereinhalb Jahren ist Miss Bee willensstark und voller unbändiger Energie. Viele Tage verlaufen nicht gerade konfliktarm. Gut gemeinte Ratschläge – Grenzen setzen! Konsequent bleiben! – taten ihr übriges, um mich zu verunsichern.

Sind unsere Kinder kleine Tyrannen?

Herbert Renz-Polster, Kinderarzt und vierfacher Vater, stellt fest, dass meine Verunsicherung ganz normal ist: Viele Eltern haben heutzutage Angst, im Umgang mit ihren Kindern nicht das Richtige zu tun, sie nicht ausreichend zu fördern, oder sie zu verziehen. In Menschenkinder: Artgerechte Erziehung – was unser Nachwuchs wirklich braucht argumentiert er, dass das Verhalten unser “kleinen Tyrannen” Sinn macht und zieht die Menschheitsgeschichte zur Erklärung heran. Weiterlesen

Stresst ihr noch oder liebt ihr schon? {Buchrezension}

Wahrscheinlich kennen alle Eltern diese Tage, an denen wir nur darauf warten, dass die Kleinen friedlich schlummernd im Bett liegen. Im besten Fall in ihren Eigenen. Das Baby zahnt, das Kleinkind will sich nicht anziehen/nicht in den Kindergarten/ausschließlich mit weißer Schokolade überzogene Rosinen essen, die man nicht mehr im Haus hat. Manchmal vergessen wir an solchen Tagen, dass Kinder keine Strafe, sondern ein Geschenk des Himmels sind.

Leben mit Kindern – Stress oder Liebe?

Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange und der Journalist Marcus Jauer haben insgesamt fünf Kinder, und: Sie genießen das Leben. In Stresst ihr noch oder liebt ihr schon?: Warum Familie nicht das Problem ist, sondern die Lösung schreiben sie in kurzweiliger Weise abwechselnd über all das, was Menschen mit Kindern umtreibt: Schlafmangel, Kinderwünsche, die Prägungen der eigenen Kindheit, die in unserem Verhalten sichtbar werden, Me Time und Paar Time. Und wie all das in ihrer Patchwork Familie aussieht. Weiterlesen

Die Mutterglück-Lüge von Sarah Fischer {Buchbesprechung}

Mit der Geburt des ersten Kindes ändert sich für eine Mutter alles – nicht zum Guten, argumentiert Sarah Fischer in Die Mutterglück-Lüge: Regretting Motherhood – Warum ich lieber Vater geworden wäre. Mutter werden bedeutet in ihren Augen hauptsächlich Verzicht. Leider bemerkt sie das erst, nachdem sie mit knapp 40 ihre Tochter bekommt.

Warnende Stimmen gab es vor der Geburt genug. Sarah Fischer liebt ihr Leben, ihren Partner und ihren Job als freiberufliche Vortragsreferentin. Auf zahlreichen Reisen beobachtete sie, dass Frauen in vielen Ländern quasi bei der Feldarbeit ihr Kind bekommen und dann damit weiter machen als wäre nichts passiert (nach zwei unkomplizierten Geburten bezweifele ich das ja). So ähnlich stellt sie sich das Kinderhaben auch vor. Und nur, weil ein Baby bei anderen das Leben auf den Kopf stellt, muss es bei ihr noch lange nicht so sein.

Können Mütter ein eigenes Leben haben?

So versucht Sarah Fischer, ihr Leben nach der Geburt ihrer Tochter Emma so weiter zu leben wie bisher. Weiterlesen

artgerecht – Steinzeitbabys bedürfnisorientiert begleiten (Rezension)

In artgerecht – Das andere Baby-Buch: Natürliche Bedürfnisse stillen. Gesunde Entwicklung fördern. Naturnah erziehen geht Nicola Schmidt der Frage nach, wie Babys ticken, und wie wir sie möglichst bedürfnisorientiert in die Welt begleiten können. Babys, argumentiert sie, haben seit der Steinzeit die immer gleichen Bedürfnisse: Nähe, Schutz, Getragensein, essen dürfen, wenn sie hungrig sind, und schlafen dürfen, wenn sie müde sind. Unsere Steinzeitbabys können wir liebevoll an unser Internetzeitalter heranführen. Das müssen wir nicht allein tun. Anders als viele andere Ratgeber verweist sie auf die Rolle des “Clans”, also einer Gemeinschaft von Personen, mit denen Kinder gemeinsam aufwachsen. Das sprichwörtliche Dorf, das wir uns heute meist selbst schaffen müssen.

Mehr Gelassenheit und eine kritischere Haltung

Nicola Schmidt behandelt in dem Buch alle wichtigen Themen, die werdende und frisch gebackene Eltern interessieren. Weiterlesen