Kategorie: Lesestoff

Pippi-Langstrumpf-Tage für eine entspannte Familie

An manchen Tagen erscheint mir ein entspanntes Familienleben wie ein ferner Traum, die Vorstellung, zusammen eine schöne Zeit zu haben wie eine unrealistische Wunschvorstellung. Nach dem Wiedereinstieg in den Job wurde ich durch die Nicht-Vereinbarkeit von Job und Familie, Schlagmangel und Überreizung zu einer ziemlichen Spaßbremse. Ich vernachlässigte meine eigenen Bedürfnisse und, hätte ich nicht meinen Job an den Nagel gehängt, wäre ich wohl eher früher als später Burn-Out-Patientin geworden. Auch für die Bedürfnisse der Kinder gab es wenig Spielraum: Oft sagte ich ohne große Reflexion “Nein” oder „Wenn… dann…“ weil mir normales, kindliches Verhalten auf die Nerven ging. Meine Toleranz für Lärm lag etwa bei Null, die für Unordnung nicht viel höher.

Ganz der „Elternautomat“, wie Jesper Juul so schön sagt und ganz so wie ich nicht sein möchte. Die Vorstellung, meine Kinder mal einfach nur zu genießen, finde ich ausgesprochen schön und verlockend. Als mir das nicht mehr gelang, fand das Buch Die entspannte Familie: Wie man aus einer Mücke keinen Elefanten macht von Simone Kriebs den Weg auf meinen Nachttisch mein Tablet. Weiterlesen

Gelesen im Mai

Wer Bücher für den Strandurlaub sucht wird dieses Mal wohl nicht fündig. Über herzlose Erziehung, Krebs und Sterben möchtet Ihr im Urlaub vielleicht nicht lesen. Eines der Bücher kann ich Euch trotzdem empfehlen.


Die meisten Menschen hoffen darauf, zu Hause im Kreise ihrer Lieben aus dem Leben zu scheiden und auf dem Sterbebett noch ein paar kluge Worte zu sagen. Die Realität sieht hier in England anders aus: über 50 % sterben im Krankenhaus und nur wenige Menschen im Hospiz. Der Gastroenterologe Seamus O’Mahony argumentiert in The Way We Die Now dass wir als Gesellschaft von Kontrollwahn und Individualismus so besessen sind, wir uns unserer Sterblichkeit nicht mehr stellen wollen. Weiterlesen

Gelesen im April

Zugegeben habe ich seit meiner Schulzeit keine Poesie mehr gelesen. Zu der Qualität der Gedichte in Die Flügel meines schweren Herzens kann ich also wenig sagen. Was ich sagen kann, ist, dass mir der zweisprachige Gedichtband mit Werken arabischer Dichterinnen aus dem 5. Jahrhundert bis heute ganz wunderbar gefallen hat. Die Gedichte geben Einblick in die Lebensrealität der Dichterinnen, sie handeln von Liebe, Verlust, Tod, die zeitgenössischen vor allem über Krieg, Flucht und Exil. Weiterlesen

Gelesen im März

Dafür, dass ich eigentlich mehr Fiktion lesen wollte… nun ja, einen Roman ist dabei, und der ist wirklich lesenswert.

Yeong-hye und ihr Mann leben ein ganz gewöhnliches Leben, bis ein blutiger Traum sie dazu bewegt, Vegetarierin zu werden. Keine große Sache denkt man hier, in Südkorea jedoch ein subversiver Akt. Yeong-hyes Mann und ihre Familie versuchen zunächst, sie zum Fleisch essen zu bewegen. Sie wenden sich ab, als klar wird, dass hinter der Fleischverweigerung mehr steht; Yeong-hye möchte zum Baum werden.
Erzählt aus Sicht des (berechnend kaltherzigen) Ehemannes, des (von ihrem Mongolenmark besessenen) Schwagers und ihrer fürsorglichen älteren Schwester ist Die Vegetarierinein merkwürdiges, düsteres Buch über erdrückende Normen und psychische Erkrankung, in dem abgründige Gedanken schonungslos untersucht werden. Sehr lesenswert. (Zur Anmerkung: Ich habe das Buch in der hochgelobten englischen Übersetzung gelesen; die deutsche Fassung kenne ich nicht.) Weiterlesen

Gelesen im Februar

Nachdem mich Trump und Brexit so unvorbereitet getroffen haben, merkte ich, dass ich mich wohl zu sehr in meinem Weisse-Mittelschichts-Mittdreissiger-Mama-Filterbubble verkrochen habe. In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, generell weniger von und über Leute wie mich zu lesen. Weniger Elternratgeber (die werden generell nur für Leute wie mich geschrieben 🙂 ), mehr Literatur, die mein Weltverständnis erweitert und mich dadurch zu einem liebevolleren Menschen macht. Da ich selbst viele Bücher durch Empfehlungen im Netz entdecke, teile ich mit Euch, was ich gelesen habe:

In Stadt der Lügen: Liebe, Sex und Tod in Teheran stellt Ramita Navai acht Porträts “gewöhnlicher Leute, die gezwungen sind, ein ungewöhnliches Leben zu führen” vor. Die Geschichten, vom Kleinkriminellen über den Waisen von linken Regimegegnern bis hin zu der jungen Frau, die sich gegen ihre religiöse Überzeugung scheiden lässt, spielen rund um die frühere Prachtstraße Vali Asr, die sich auf einer Nord-Süd-Achse durch Teheran zieht. Weiterlesen

Menschenkinder von Herbert Renz-Polster (Buchrezension)

Manchmal kommt das richtige Buch zur richtigen Zeit. „Menschenkinder“ fand mich, als ich gerade einmal wieder daran zweifelte, ob ich den Umgang mit meinen Kindern ‘richtig’ gestalte. Mit ihren viereinhalb Jahren ist Miss Bee willensstark und voller unbändiger Energie. Viele Tage verlaufen nicht gerade konfliktarm. Gut gemeinte Ratschläge – Grenzen setzen! Konsequent bleiben! – taten ihr übriges, um mich zu verunsichern.

Sind unsere Kinder kleine Tyrannen?

Herbert Renz-Polster, Kinderarzt und vierfacher Vater, stellt fest, dass meine Verunsicherung ganz normal ist: Viele Eltern haben heutzutage Angst, im Umgang mit ihren Kindern nicht das Richtige zu tun, sie nicht ausreichend zu fördern, oder sie zu verziehen. In Menschenkinder: Artgerechte Erziehung – was unser Nachwuchs wirklich braucht argumentiert er, dass das Verhalten unser “kleinen Tyrannen” Sinn macht und zieht die Menschheitsgeschichte zur Erklärung heran. Weiterlesen

Stresst ihr noch oder liebt ihr schon? {Buchrezension}

Wahrscheinlich kennen alle Eltern diese Tage, an denen wir nur darauf warten, dass die Kleinen friedlich schlummernd im Bett liegen. Im besten Fall in ihren Eigenen. Das Baby zahnt, das Kleinkind will sich nicht anziehen/nicht in den Kindergarten/ausschließlich mit weißer Schokolade überzogene Rosinen essen, die man nicht mehr im Haus hat. Manchmal vergessen wir an solchen Tagen, dass Kinder keine Strafe, sondern ein Geschenk des Himmels sind.

Leben mit Kindern – Stress oder Liebe?

Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange und der Journalist Marcus Jauer haben insgesamt fünf Kinder, und: Sie genießen das Leben. In Stresst ihr noch oder liebt ihr schon?: Warum Familie nicht das Problem ist, sondern die Lösung schreiben sie in kurzweiliger Weise abwechselnd über all das, was Menschen mit Kindern umtreibt: Schlafmangel, Kinderwünsche, die Prägungen der eigenen Kindheit, die in unserem Verhalten sichtbar werden, Me Time und Paar Time. Und wie all das in ihrer Patchwork Familie aussieht. Weiterlesen