Chaosfreies Kinderzimmer = chaosfreie Wohnung?

In Großbritannien kann man auch fensterlose Räume als Schlafzimmer vermieten. Wir haben so ein Zimmer. Der Plan war, dass wir das Elternschlafzimmer in diesen düsteren Raum verlegen, sobald Miss Bee alt genug ist, um in einem eigenen Zimmer zu schlafen. Doch schnell stellte sich heraus, dass unser LerchenKind am Besten an einem Ort schläft, an dem sie nicht von den ersten Sonnenstrahlen geweckt wird. Auch Mittags war es kein Problem für sie, dort einzuschlafen (für mich auch nicht).

Als Spielzimmer eignet sich dieses Zimmer natürlich nicht. Es ist ein Schlafort, in dem Stofftiere, ihre Kleidung, ihre Bücher, und, weil noch Platz ist, einige Bastelmaterialien wohnen. Gespielt wird, wo wir alle zusammen leben: im Wohnzimmer. Dort gibt es eine Kuschelecke als Rückzugsort, zum Lesen und Alleinsein. Einen Teppich, der (theoretisch) den Spielbereich von dem Bereich abgrenzt, in dem wir gehen, essen, anderes machen. Ein paar Körbe mit Spielsachen, die auf dem Boden oder den zwei untersten Bretter unseres Bücherregals stehen.

Ich bin mittlerweile gut darin, meine eigenen Kaufentscheidungen zu hinterfragen. Doch bei Spielsachen und Kinderbüchern finde ich es schwer, mich nicht zu SpontanKäufen hinreißen zu lassen. Meist kaufe ich gebraucht, und hochwertig, insgesamt bekommen wir wenig geschenkt. Trotzdem sammelt sich Einiges an.

Spielzeugrotation: Konzentration und Nervenschonung

Wie gehen wir damit um? Ziemlich bald nach Miss Bees Geburt bin ich auf den Montessori Blog Eltern vom Mars gestoßen und lernte dort das Prinzip der Spielzeugrotation kennen. Dabei werden dem Kind nur wenige Spielzeuge aus dem Gesamtbestand zur Verfügung gestellt und in regelmäßigen Abständen ausgetauscht. Das System hat sich bei uns wirklich bewährt. Die begrenzte Auswahl ermöglicht der Kleinen konzentriertes Spiel und schont hinsichtlich des Aufwands zum Aufräumen meine Nerven. Gleichzeitig plagt mich nicht das schlechte Gewissen, ihr zu wenige Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, um ihre Interessen zu entdecken und zu entfalten. (Seitdem sie in den Kindergarten geht mache ich mir in dieser Hinsicht keine Sorgen mehr). Zudem hat sie immer genügend Spielsachen, um sich eine Zeit lang allein zu beschäftigen. Das ist mir wichtig.

Meine Herausforderungen sind vor allem Bastelmaterialien und natürlich die Produkte unseres Bastelns. Ich tappe in die „Upcyclingfalle“ und denke bei jedem Fitzel Geschenkpapier und jeder bunten Verpackung daran, dass sich daraus was Tolles basteln ließe. Ich begrenze mich selbst auf einen Schuhkarton. Für die Kleine habe ich einen Ordner gesammelter Werke.

Also alles chaosfrei?

Unsere Wohnung sieht aus, wie Wohnungen mit Kindern eben aussehen. Mit einem Kind, einem ruhigen Mädchen, hält sich das Chaos in Grenzen. Ich ermutige die Kleine, Spielzeug nach der Benutzung zurück an seinen Platz zu stellen. Manchmal klappt das, oft auch nicht. Doch insgesamt reichen, seit der großen KonMari Aktion im vergangenen Jahr, zwischen 10 und 20 Minuten, um am Ende des Tages die gesamte Wohnung aufzuräumen. Damit kann ich leben. Ich möchte am Ende des Tages einen leeren Esstisch und die Spielsachen an ihrem Platz haben. In der Zwischenzeit habe ich gelernt, mich auch im Chaos zu entspannen.

Im Moment lasse ich bei der abendlichen Aufräumrunde manchmal Bilder oder auch Plastikramsch, der sich in unsere Wohnung verirrt, (meist) unbemerkt verschwinden. Der nächste Schritt wird sein, mit Miss Bee loslassen zu üben.

Und das muss ich vielleicht auch wieder tun, Konmari hin oder her. Denn während ich Kleidung, aus der sie rausgewachsen war, aussortierte, behielt ich bisher einen Großteil der Spielsachen für Nummer 2. Vielleicht werde ich sentimental, wenn wir diese Dinge in ein, zwei oder drei Jahren wirklich loslassen?

Wie sieht es bei Euch aus? Kämpft Ihr mit Spielzeugchaos, oder habt Ihr reduziert? Macht Euch das Chaos vielleicht garnichts aus?

Herzliche Grüße
Daija

P.S. Wer Hilfe und Ermutigung braucht, macht am Besten bei der #chaosfreies Kinderzimmer Challenge vom Fräulein im Glück mit.

 

4 Kommentare

  1. Ich werde von Anfang an reduzieren/ausmisten. Wir kaufen z.B. nur Kleidung selbst oder notwendige Gebrauchsgegenstände, weil alles andere als Geschenk den Weg in die Wohnung findet. Demnächst verschwinden hier erste Tiere, die über sind und Kleidung, die wir doch zu viel hatten oder unpraktisch fanden.
    Bei uns wird es übrigens, wenn die Familienplanung beendet ist, für jedes Kind eine Kiste geben mit ein paar wenigen Dingen, die ich aufheben werde wie die Strickjacken und die Hose von Oma. Ich fand es toll, dass meine Mutter hier letztes Jahr mit zwei Decken angekommen ist, die mir als Baby gehört haben.
    LG und alles Gute für die kommende Zeit!

    • Liebe Anne,

      Von Anfang an Ausmisten, ja, auf jeden Fall. Oder eben verhindern, dass es in die Wohnung kommt. Doch natürlich ist es bei vielen so wie bei Euch, und vieles kommt als Geschenk. Und irgendwann schleppen die Kinder halt selbst Sachen an – diese elende Plastikgedöns. Da hilft glaube ich nur Schadenbegrenzung.

      Herzliche Grüße
      Daija

  2. Hallo Daija,

    schön dass du auch dabei bist 🙂 Chaosfrei bedeutet für mich auch, dass wenn ich schaffe in rund 15 Minuten wieder einen halbwegs guten Zustand herzustellen, das Ergebnis chaosfrei ist. Denke alles andere ist mit Kind total unrealistisch. Ich will einfach einen Zustand, der für alle ein gemütliches Wohnen ermöglicht. Nicht immer finden wir den ;-D

    Liebe Grüße,

    Birgit

    • Hi Birgit

      na, ich bin so halb dabei. Natürlich könnten wir weniger haben, aber ich kann mit dem Ausmass an Chaos leben. Manchmal erwische ich mich dabei, mir minimalistische (oder schlicht gemütliche) Wohnungen auf Pinterest und Co anzusehen, in denen alles top gestylt und (natürlich) super aufgeräumt ist, und mir das auch wünsche. Die Erwartung ist aber unrealistisch.
      Irgendwo habe ich neulich den „Tipp“ gelesen, einfach 18 Jahre zu warten, bis das Kind auszieht – dann ist es immer ordentlich. Vielleicht vermissen wir eines Tages das Kinderchaos?

      Lieben Gruss
      Daija

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