Dankbarkeit in unsicheren Zeiten

Wäre ich poetischer, könnte ich nun etwas wunderbares über den Winter, die Adventszeit, schreiben. Über warmes Licht, farbiges Laub, erdigen Duft, Kerzenlicht. Tatsächlich lerne ich die Qualitäten der Jahreszeiten immer mehr schätzen.

Die Geburt von Little M, meine Erkrankung und der Umzug haben mein, unser Leben durcheinander gebracht, Routinen aufgebrochen, und Raum für Neues geschaffen. Unser neues Vorstadtleben ist noch fremd, so gut es mir auch tut. Im Sommer fanden wir neue Orte, an denen wir lernen, entdecken, spielen, und auch streiten. Im Herbst konsolidiert sich das Neue. Im Winter ziehen wir uns zurück, kuscheln, lesend, auf unserem noch-neuen Sofa. Ich mache heißen Kakao, und warme Suppen.

Langsam erholen wir uns von dem Ergebnis der US-Amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Der Schock saß tief. Einige Tage lang las ich alles darüber, was das Ergebnis beudeutet, bedeuten kann. Meine drei liebsten Menschen sind US-Staatsbürger, doch nicht nur deshalb traf mich das Wahlergebnis so. Die Sprache des neu gewählten Präsidenten macht mir Angst, auch, weil es eine Rhetorik ist, die wir vermehrt hören. Auch jetzt noch fühle ich mich oft sprachlos, frage mich, ob wir in diesen Zeiten eigentlich noch über das schreiben können, über das ich schreiben kann.

Dann kam Thanksgiving; wir feiern in jedem Jahr dieses Fest nach amerikanischer Tradition. Es ist im Alltag einfach, all das, was wir haben, als gegeben hinzunehmen. Thanksgiving bietet eine Gelegenheit, inne zu halten, und die Augen auf das zu richten, wofür wir dankbar sein können.  Auch wenn das Fest mittlerweile zwei Wochen her ist möchte ich meine Liste mit Euch teilen.

Ich bin dankbar für

    • meine Gesundheit (bzw. das, was davon noch übrig ist) und die Gesundheit meiner Familie.
    • meine Freunde – um ein Klischee zu bemühen, zeigt sich in schweren Zeiten, wer wirklich da ist.
    • meine Familie.
    • das tägliche Brot. Also, frisches Essen. Und dafür, dass wir uns eine gute Qualität, Auswahl und Menge leisten können.
    • unser neues Heim. Wir sind im Sommer aus einer Kellerwohnung in der Innenstadt in ein helles Heim im Grünen gezogen.
    • die Stadtnatur, die uns so gut tut.
    • Elternzeit.
    • Kuschel- und Schmusezeit auf unserem neuen Sofa.
    • Die tollen Erzieherinnen in der ehemaligen Nursery von Miss Bee, die ihre Entwicklung liebevoll unterstützt haben.
    • Die ErzieherInnen ihres bilingualen Kindergartens, die ihre Selbstständigkeit fördern.
    • Öffentliche Einrichtungen, vor allem die kleine Stadtteilbücherei um die Ecke. Das Personal hat Nerven wie Drahtseile, um den Ort kinderfreundlich sein zu lassen.
    • unserer ehemalige Nanny, die uns über den Sommer immer wieder unter die Arme gegriffen hat, und mir ganz unverhofft neue Erkenntnisse geschenkt hat.
    • Little Ms guten Schlaf.
    • Tee und Kaffee.
    • das Internet, durch das ich so viel Neues und so tolle Menschen kennen lerne.
    • Sicherheit. Frieden, an dem Ort an dem ich lebe. An vielen Orten der Welt ist das leider keine Realität.
    • die kulturelle Diversität der Stadt in der ich lebe. Trotz Brexit.
    • die Kreativität von Miss Bee.
    • Einfache Schokoadventskalender – ich brauchte erst ein #Bastelgate, um mich daran zu erinnern, dass ich die als Kind super fand.
    • lebenslanges Lernen. Innerlich und äußerlich. Es ist schön, heute andere Fehler Lernerfahrungen zu machen als mit 20.
    • Am Leben zu sein. Wohl nie mehr als in diesem Jahr.

Wofür seid Ihr dankbar? Der Advent ist eine gute Zeit, darüber zu reflektieren.

1 Kommentare

  1. Liebe Daija,
    wie schön, dass ich Deinen Blog entdeckt habe (dank Hinweis von Birgit). Die Dankbarkeit ist für mich auch immer wieder ein großes Thema. Ich schreibe ja wöchentlich meine Friday Fives auf dem Blog. An manchen Freitagen denke ich: „Was soll mir nach so einer Woche schon einfallen?“ Aber tatsächlich taucht immer wieder etwas auf und das macht mich dann sehr glücklich.
    Liebe Grüße aus Wien nach London,
    Nadine

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