Eine Achtsamkeitsübung zur Umgebung

Bei schönem Wetter gehe ich mit Little M in den Holland Park, einen der schönsten Parks Londons. Es gibt dort einen Hain, Spiel- und Sportmöglichkeiten und den Kyoto Garden, einen wunderbaren japanischen Garten, der auch Touristen in den Park lockt. Ich sitze gern auf einer Bank am Rande eines formalen Bepflanzung, die inmitten des Parks liegt. Zum people watching gibt es keinen besseren Ort.

Bei unserem letzten Besuch beobachtete ich:

Eine junge Frau führt zwei Hunden an der Leine. Mit Kopfhörern bestückt und sportbeschuht schaut sie mehr auf ihr Smartphone als auf ihre Umgebung. Forschen Schrittes und zielgerichtet treibt sie die Hunde durch den Garten.
Eine Gruppe niederländischer Touristen in Outdoorkleidung bestaunt die Blütenpracht. Einige von ihnen beugen sich über eine Karte, andere betrachten aufmerksam die Hortensien, die sich farbenprächtig von der Mauer dahinter abheben.
Ein Kleinkind verbringt eine Dreiviertel Stunde in dem Garten. Es untersucht die niedrigen Hecken, die Kieselsteine auf den Wegen zwischen den Beeten, und steigt immer wieder die Treppenstufen auf und ab, die von einer Ebene auf die nächste führen. Immer wieder läuft es zu der älteren Dame, die es begleitet, und zeigt ihr kleine Blätter oder Zweige, die es im Garten entdeckt hat. Achtsamkeit lässt sich mit Kindern besonders gut üben.

Eine Achtsamkeitsübung zur Umgebung

Oft genug hetzen wir durch unsere Tage wie die Hundebesitzerin: ohne wahrzunehmen, was um uns herum passiert. Die folgende Übung hilft uns, im Jetzt präsent zu sein und wieder das Staunen zu lernen.

Während Du gehst oder auch ruhig sitzt, beginne Deine Umgebung zu sehen wie ein Besucher an diesem Ort. Während Du Dich umsiehst, nimm Bilder, Geräusche und Gerüche wahr als hättest Du sie noch nie zuvor gesehen, gehört oder gerochen.
Du kannst Dir vorstellen, ein Besucher aus einem fremden Land oder einer anderen Kultur zu sein, oder vielleicht sogar ein Außerirdischer. Wie würdest Du diesem Ort beschreiben, wenn Du Dich nur auf Deine Sinneseindrücke verlässt? Sieh und höre Dinge wie beim ersten Mal, aus einer ganz anderen Perspektive. Vielleicht sogar aus der eines Kindes. Verbringe einige Zeit damit, nichts anderes zu tun als wahrzunehmen.

Wie ist es Dir mit der Übung ergangen? Fandest Du sie leicht? Schwer? Unerträglich? Über Deinen Kommentar würde ich mich freuen.

 

2 Kommentare

  1. ich arbeite mich nach einer Erschöpfungsdepression gerade wieder in Leben zurück, auf den Rat meiner Therapeutin hin soll ich Achtsamkeitsübungen machen. Danke für deinen Tipp. Ich fand erstaunlich, was meine Umgebung so alles „hergibt“, als ich mich in die Sicht eines Kindes zu versetzen versucht habe. ich denke, das werde ich jetzt öfter machen.

    • Liebe Gina
      Das freut mich sehr und alles Gute für Dich,
      Daija

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