Fertig aufgeräumt – und nun?

Ordentlicher dank Haushaltsplanung - so sieht es aus.

Die Sequenz der letzten Yogastunde konzentrierte sich auf Variationen von Natarajasana, dem tanzenden Shiva. Während wir unsere Herzen öffneten und schwitzen, erklärte die Yogalehrerin, dass der Tanz Shivas ein Akt der Zerstörung sei. Im Hinduismus gibt es die Idee eines wiederkehrenden Zyklus, in dem die drei Hauptgötter die Welt gestalten. Brahma ist der Schöpfer des Neuen, Vishnu der Bewahrer des Bestehenden und Shiva der Zerstörer oder Wandler. Es sei oft schmerzhaft, das Alte gehen zu lassen, doch ebendiese Zerstörung sei notwendig, damit etwas Neues entstehen kann.

Ausmisten ist zerstören

Während der großen KonMari Aktion sah es in unserer Wohnung manchmal so aus, als ob eine tanzende indischen Gottheit zu Besuch ist. Jetzt ist das Alte ausgeräumt und die Grundordnung vorhanden, die ich vorher vermisst habe. Ich habe in den vergangenen Wochen Vieles losgelassen, was mir nicht mehr dienlich war. Das war oft leicht, weil ich zum Loslassen bereit war, und manchmal schwer. Mit dem Ausmisten bin ich fertig. Und jetzt?

Bestehendes bewahren

Im Äußeren geht es jetzt darum, die Grundordnung zu bewahren. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal Bücher und Blogs über Haushaltsführung lese (Putzen? Kann doch jeder…) Jetzt begreife ich, dass Haushaltsmanagement eine Fertigkeit ist, die schlicht leichter wird und schneller geht, wenn man die Theorie versteht. “Putztheorie” gibt es bei der Fly Lady, in Cynthia Townley Ewers Buch „Nie wieder Chaos!“ und in Bea Johnsons Glücklich leben ohne Müll!: Reduziere deinen Müll und vereinfache dein Leben

, ein Buch voller praktischer Tipps zum minimalistischen, müllärmeren Haushalten. Wie immer gilt es, sich jeweils die Perlen herauszusuchen, und kein System perfektionieren zu wollen. Alle waren hilfreich, die neue Grundordnung ein zu richten und trotz Kleinkind einigermaßen bei zu behalten.

Marie Kondo schreibt, dass wir während des Reduzierens an einen Punkt kommen, an dem wir wissen, dass es genau jetzt “genug” ist. An dem wir alles haben, was wir brauchen, um glücklich zu sein – und nicht mehr. Sie schreibt: Wenn Du diesen Punkt einmal erreicht hast, wirst Du nie wieder Besitz anhäufen und daher nie wieder im Chaos versinken. So einfach ist das – für mich – nicht.

Zum Bewahren gehört daher auch, meine Tendenz, zyklisch Zeug an zu schleppen, zu hamstern und raus zu schmeißen zu durch brechen. Der Platz im Kleiderschrank lädt dazu ein, wieder befüllt zu werden und ich finde mich in Läden wieder, um nach der perfekten Jeans zu schauen. Die große Auswahl in der Bibliothek lässt mich ungelesener Bücher stapeln. Neue Verhaltensweisen einüben, erfordert Zeit, Geduld und Selbstmitgefühl.

Denn dahinter stehen Denkmuster, die ich zwar verstehe, aber nur langsam los lassen kann. Natürlich brauche ich Weniger, als ich immer wieder denke. Die Angst vor einem Mangel in der Zukunft ist es meist, die mich an Dingen festhalten lässt, und die Angst, verschwenderisch zu sein. Habe ich in einer Zeit knapper werdender Ressourcen auch in der Zukunft noch Mittel und Möglichkeiten, die Dinge zu beschaffen, die ich brauche? Ich habe viele „Für-den-Fall“ – Gegenstände losgelassen. Ich kann mir immer wieder einreden, dass immer genug für da sein wird; evolutionär sind wir anders programmiert, die geborenen Hamster.

Was ist das Neue?

Ich hatte den Wunsch, mich für all das Aussortieren mit etwas Neuem, Schönem, einem DING zu belohnen. Als wenn die Zeitersparnis, der Raum, jetzt andere Dinge TUN zu können, nicht ausreichen, oder ich sie nicht aushalte. Mit dem “Zustand Kind” sind viele der Interessen, die ich vorher hatte, nach wie vor auf Eis gelegt – Freiwasserschwimmen, Tanztheater ansehen, Ausstellungen besuchen, abends mit Freunden ausgehen. FreiZeit sieht jetzt anders aus, ich baue Duplotürme, schaue beim Schneiden zu, lese Bücher vor. Jetzt gibt es mehr Platz, auch in meinem Kopf, für das Spiel mit Kind – aber was ist mit meinem eigenen Spiel?

Leere auszuhalten ist schwer. Die Leere führt dazu, dass ich vieles infrage stelle – meinen Job, die Richtung dieses Blogs, meinen Tagesablauf, meine Verhaltensmuster. Ein nächstes Thema ist „Seelenminimalismus“. In meinem Kopf gibt es nach wie vor viel Ramsch.

Leere auszuhalten ist schwer. Aber ich bin ziemlich gespannt, was aus ihr entstehen wird.

Zum Weiterlesen:

Marie Kondo – Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert

Minimamuse Und was ist nun dieses Wesentliche?

Die Fly Lady gibt Tipps zum Putzen und zur Haushaltsorganisation (Englisch)

Cynthia Townley Ewer Nie wieder Chaos!: So bekommen Sie Ihren Haushalt in den Griff. Das Buch gibt es auf Deutsch, die Autorin hat einen Blog, auf dem sie weitere Tipps zur Haushaltsorganisation anbietet  (Englisch)

Bea Johnson – Glücklich leben ohne Müll!: Reduziere deinen Müll und vereinfache dein Leben. Gute Tipps gibt es auch auf Beas Blog (auf Englisch).

2 Kommentare

  1. Dein Text liest sich toll. Ich beschäftige mich auch anhaltend mit dem Thema Besitz und Ausmisten und mache nun die Erfahrung, dass sich im Leben mit Kleinkind im Kinderbereich unweigerlich Dinge anhäufen, während ich meine eigenen Besitztümer reduzieren kann. Das ist frustrierend… Danke für die Buchtipps, ich bin auch gespannt auf den „Seelenminimalismus“! Viele Grüße, Ailis.

  2. Finde deinen Text auch schön. Hab so einen „Vorläufigtisch“. Eigentlich 2. Oder nennen wir sie „Projekttische“. Was da drauf liegt, findet dann oft doch nicht in den Besitz rein. Bewährt sich nicht. Oder es sind nur geliehene Sachen oder Bücher. Oder eine Creme, die ich mir anrühre und doch nicht brauche. Oder ich ziehe dann doch keine Pflanzen weil ich einfach keine Geduld hab und mir lieber welche kaufe. 2/3 abschaffen und ein Drittel neu kaufen und optimieren. Sagt man ja bei Kleiderschrankinhalt. Finde ich aber generell gut. Kaufe mir auch gerade wieder Sachen, die ich mal abgeschafft habe wie Bademantel, Haarschneideschere. Auch hätte ich gerade gerne wieder eine Kamera. Ist halt so. Werde ich mir aber nicht kaufen. Wünsche kommen irgendwie doch wieder. Weiß da auch keine Lösung. Lg Tanja

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