Gedanken zur Konsumauszeit

Im November habe ich, angeregt von Svenja, wieder eine Konsumauszeit eingelegt. das Ende ist jetzt schon einige Tage her, gut, dass Papier Bildschrime so geduldig sind.

Alle Jahre wieder

Ich habe ein ganz ähnliches Muster wie im vorletzten Jahr bemerkt. Zuerst hatte ich eine große Aversion dagegen, mitzumachen. Schließlich fällt es doch in eine Zeit, in der Weihnachtsvorbereitungen zu treffen sind, und das geht doch gar nicht so ganz ohne Konsum. Diesen Widerstand nahm ich als Anzeichen, dass ich diese Pause gut gebrauchen könnte.
Zu Anfang überlegte ich recht häufig, wofür ich wohl eine Ausnahme rechtfertigen könnte und verspürte Konsumimpulse, wie Svenja sie nannte. Nach einigen Tagen kehrte eine relative Ruhe ein. Solange ich hier in unserer Nachbarschaft bleibe sind die Möglichkeiten zu konsumieren ohnehin ziemlich übersichtlich. Das finde ich ganz bequem, denn eigentlich bedeutet Konsum für mich oft Frust. Meist bedeutet EInkaufen ja, sich durch ein riesiges Angebot voller nicht adequater Produkte zu quälen bis das Gebrauchte/ Gewünschte gefunden ist. Gabi hat zu diesem Problem auf Achtsame Lebenskunst einen lesenswerten Artikel zur Minimalismusfalle geschrieben.

Als mir die ersten Produkte ausgingen (braune Schuhcreme, getönte Tagescreme) fand ich es erst ein bisschen albern sie nicht zu ersetzen. Doch natürlich komme ich auch ohne Beides aus, und es war interessant zu sehen wie. Ich bin ein ziemlicher Schuhputznerd und habe zahlreiche Pflegepdodukte für die unterschiedlichen Bedürfnisse meiner Schuh; vernachlässigt habe ich sie also nicht. Ohne MakeUp geht’s natürlich auch. Letztlich war ich aber froh beide Produkte Anfang Dezember ersetzen zu können. Meine Lebensqualität hat sich schlagartig verbessert.

Minimalismus muss man sich erstmal leisten können

Es stellt sich dann schnell so eine Selbstgerechtigkeit ein. Guck mal wie blöd die sind, die sich vom Konsumtrubel mitreißen lassen. Nun ja. Fakt ist natürlich, dass ich kein besserer Mensch (geworden) bin. Mein ökölogischer Fußabdruck hat sich sicher kaum verändert, denn die Big Ticket Items laufen ja weiter. Das Haus wird bewohnt, die Flüge sind getan, den Milchkaffee trinke ich weiterhin. Letztlich ist dieser freiwillige Konsumverzicht immer wider ein Stück Selbstfindung. Sie schärft die Wahrnehmung dafür, was hinter den Bedürfnissen steckt. Ich weiss jetzt auch wieder, warum mich Minimalismus so anzieht: weil es für mich Freiheit bedeutet, weniger zu besitzen, weniger zu brauchen, und mich so selten wie möglich diesen Kaufentscheidungen auszusetzen, bei denen ich mich zwischen Pest und Cholera entscheiden muss, weil es ein angemessenes, faires, umweltfreundliches Produkt nicht um die Ecke zu kaufen gibt.

Was ich gekauft habe:

Lebensmittel. Eine Packung Nägel. Ticket für ein örtliches Kunsthandwerksfest. Dort Weihnachtskarten direkt von der Fotografin. Tickets für öffentliche Verkehrsmittel. Spenden für die Meditationsgruppen, die ich besuche (diese Spenden sind freiwillig, ich hätte also nichts geben müssen). Eintritt zum Guy Fawkes Feuerwerk der örtlichen Pfadfinder (Ist sicher nix nachhaltig an so einer Veranstaltung. Es war aber ein echt schöner Abend mit Miss Bee, die sowohl ihr erstes Feuerwerk als auch großes Lagerfeuer gesehen hat.).
Auf dem Kunsthandwerksfest habe ich mir ein Weihnachtsgeschenk ausgesucht, welches mir Mr Handsome dann gekauft hat. Das ist natürlich ziemlich Grauzone Richtung Konsumfreude, es ist aber wunderschön.

Konsumgeistesblitze, wie Svenja sie nannte, hatte ich zu genügend. Vor allem hinsichtlich möglicher Weihnachtsgeschenke. Die gehen halt auch wieder weg. Ich führe schon lange eine Kaufliste, auf der ich Wünsche erst einmal festhalte. Wenn ich etwas wirklich möchte ist es in einem Monat auch noch da. Klappt nicht immer, hilft mir aber dem ein oder andere Impulskauf zu vermeiden. Letztlich bin ich ja über (fast) jeden Gegenstand froh, der nicht in unserem Haus ist.

Und nun?

Ich stelle fest, das meine wirkliche, echte Schwäche ist das Kaufen für die Kinder ist. Erstens gibt es so viele schöne und pädagogisch wertvolle Spielsachen und so tolle Bastelmaterialien, die auch noch die Fingerfertigkeit trainieren. Bücher kann man doch sowieso nicht genug haben. Zweitens geben Spielsachen den Kinder (theoretis) die Möglichkeit alleine zu spielen, wenn ich mal eine Pause brauche. Drittens bleibt, Studien hin oder her das Gefühl ich würde ihnen bleibenden Schaden zufügen wenn sie ohne den großen Holzregenbogen aufwachsen, der bei allen Montessori /Ökomama – Bloggern im Haus rumsteht.

In meinem Kopf sitzt da noch eine Schraube locker. Denn mir ist schon klar, dass die Kinder nur eine entspannte Mama brauchen.

Oder?

1 Kommentare

  1. Katrin

    Ach wie schön! Besonders der letzte Abschnitt trifft auf JEDEN Fall auch für mich zu…… Wieviele „Mama-Geschenke“ ich meinem Sohn schon geschenkt habe…… Und auch jetzt überlege ich immernoch, ob sich der Holzregenbogen nicht doch noch gut bei uns – äh, für unseren Sohn- machen würde (er ist 6) ;-))
    Vielen Dank für diesen Post!
    Eine zauberhafte Adventszeit!

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