Gelesen im April

Zugegeben habe ich seit meiner Schulzeit keine Poesie mehr gelesen. Zu der Qualität der Gedichte in Die Flügel meines schweren Herzens kann ich also wenig sagen. Was ich sagen kann, ist, dass mir der zweisprachige Gedichtband mit Werken arabischer Dichterinnen aus dem 5. Jahrhundert bis heute ganz wunderbar gefallen hat. Die Gedichte geben Einblick in die Lebensrealität der Dichterinnen, sie handeln von Liebe, Verlust, Tod, die zeitgenössischen vor allem über Krieg, Flucht und Exil. Die Autorinnen, unter anderem aus dem heutigen Irak, Jemen, Syrien, Marokko und Ägypten, formuliert Träume, Wünsche, Ansprüche an das Leben, die z. T. natürlich universell sind. Manche Gedichte haben mich natürlich mehr berührt als andere. Das Buch ist hochwertig, mit einem seidig glänzenden Einband unter dem wunderschönen Schutzumschlag, sodass ich es auch in Zukunft sicher regelmäßig in die Hand nehmen werde.
Die Flügel meines schweren Herzens, herausgegeben von Khalid Al-Maaly, erschien im März 2017 im Manesse Verlag und hat 190 Seiten. Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.

Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise ist die Autobiografie des 30-somethings J.D. Vance, aufgewachsenen in Middletown, Ohio, und nach einem Studium an der Elite-Uni Yale heute erfolgreicher Anwalt. Warum sollte man so ein Buch lesen wollen? Weil Hillbilly-Elegie erklärt, wie Trump Wähler drauf sind. Vance liefert eine persönliche Analyse der weißen Arbeiterklasse, früher Wähler der Demokraten, heute arbeits- und perspektivlos, Verlierer der Globalisierung, die darauf bauen, dass der amerikanische Präsident Jobs aus Übersee zurück nach Amerika bringt. Vance wächst mit einer psychisch labilen Mutter und ständig wechselnden Vätern auf, die häufig arbeitslos sind. Er beschreibt die psychologischen Auswirkungen materieller und emotionaler Armut auf Kindern, und damit auch auf Stadtteile und Gesellschaftsschichten. Vance selbst hatte, wie er selbst sagt, Glück: seine Großeltern waren es, die ihn bei sich aufnahmen, ihm den Wert harter Arbeit beibrachten (wenn auch nicht besonders pädagogisch vorbildlich), und ihm halfen, so erfolgreich zu werden, wie er heute ist. Insgesamt lesenswert, für alle die wissen wollen, wie sich Amerika so anfühlt.

Westafrika im ausgehenden 18. Jahrhundert: Effia wird mit einem britischen Sklavenhändler verheiratet, ihre Halbschwester Esi als Sklavin nach Amerika verkauft. Sie lernen sich nie kennen. Die Familiensaga „Homegoing“ folgt dann sieben Generationen, bis heute, auf zwei Kontinenten, einer Person in jedem Kapital. Auf einem Kontinent erleben Effias Nachfahren Kolonialherrschaft, Stammeskriege, Dürren, Missionierung und die Gründung des Staates Ghana. Esis Kinder und Kindeskinder sehen sich auf einem anderen Sklaverei, Flucht, Segregation und Diskriminierung ausgesetzt. Ein komplexes Unterfangen, der Debütroman der Ghanaerin Yaa Gyasi, und fantastisch umgesetzt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, habe mitgefühlt und mitgelitten. Zwei, drei Porträts fand ich nicht ganz so überzeugend, doch insgesamt ist „Homegoing“ ein unbedingt empfehlenswertes Buch. (Bisher allerdings noch nicht auf Deutsch erschienen).

Im Zauberbuch Familienfrieden – Die magische Wirkung der gewaltfreien Kommunikation und des Vertrauens schreibt Psychologin Hanna Grubhofer über gewaltfreie Kommunikation in der Familie. Grubhofer ist siebenfache Mutter und hat so einen reichen Erfahrungsschatz in Umgang mit Kinder unterschiedlichen Alters. Das Buch ist praxisnah und persönlich. Es führt informell in das Thema ein und zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie sie im Familienalltag gelingen kann. Das Buch wird ergänzt durch Anregungen zur Reflexion und Tipps für den Alltag. Es hat mir Lust gemacht, mich mehr mit den Grundlagen gewaltfreier Kommunikation zu beschäftigen und auch zu sehen, wie andere Menschen sie umsetzen. Anmerkung: Das Zauberbuch Familienfrieden wurde mir von der Autorin als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.