Gelesen im März

Dafür, dass ich eigentlich mehr Fiktion lesen wollte… nun ja, einen Roman ist dabei, und der ist wirklich lesenswert.

Yeong-hye und ihr Mann leben ein ganz gewöhnliches Leben, bis ein blutiger Traum sie dazu bewegt, Vegetarierin zu werden. Keine große Sache denkt man hier, in Südkorea jedoch ein subversiver Akt. Yeong-hyes Mann und ihre Familie versuchen zunächst, sie zum Fleisch essen zu bewegen. Sie wenden sich ab, als klar wird, dass hinter der Fleischverweigerung mehr steht; Yeong-hye möchte zum Baum werden.
Erzählt aus Sicht des (berechnend kaltherzigen) Ehemannes, des (von ihrem Mongolenmark besessenen) Schwagers und ihrer fürsorglichen älteren Schwester ist Die Vegetarierinein merkwürdiges, düsteres Buch über erdrückende Normen und psychische Erkrankung, in dem abgründige Gedanken schonungslos untersucht werden. Sehr lesenswert. (Zur Anmerkung: Ich habe das Buch in der hochgelobten englischen Übersetzung gelesen; die deutsche Fassung kenne ich nicht.)

Get Your Sh*t Togetherist ein schnell zusammengeschriebenes Buch der amerikanischen Lektorin und Autorin Sarah Knight über Zeitmanagement und Selbstorganisation. Im Vorwort warnt sie die geneigte Leserin vor der exzessiven Verwendung des Wortes (332 Mal kommt es im Buch vor). Wenn man davon mal absieht, ist das Buch unterhaltsam und hat ein paar gute Tipps, insgesamt aber etwas wenig Substanz. Kann man lesen, muss man aber nicht.

 

Mein magischer Morgen beginnt in der Regel um halb sechs mit einer hellwachen Vierjährigen, die auf dem Bett Trampolin springt oder einem Kleinkind, das hungrig an den Gitterstäbe ihres Bettes rüttelt. Kein Wunder, dass der Hype um Miracle Morning: Die Stunde, die alles verändert komplett an mir vorbeigegangen ist (ich bin durch diesen Beitrag zu Selbstfürsorge und Minimalismus darauf aufmerksam geworden und habe das Buch kurz darauf in der Bibliothek entdeckt). Hal Elrod hat eine Morgenroutine entwickelt, die sechs Elemente enthält: Stille, Affirmationen, Visualisierung, Bewegung, (Selbsthilfebücher) lesen und Tagebuch schreiben. Das Konzept ist einleuchtend und die Anwendung führt sicher auch zu einem bewussteren Leben. Braucht man dafür dieses Buch? Wer den Miracle Morning ausprobieren will, liest eine Zusammenfassung im Netz, lädt den Crash Kurs auf Elrods Webseite herunter und erspart sich so 192 schlecht geschriebene Seiten amerikanisches „Du-kannst-alles-erreichen-wenn-Du-nur-wirklich-willst”-Gefasel und Durchschnittlichkeits-Bashing. Finger weg.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Mütter von über 17.000 Kindern, die in einer Märzwoche 1946 in Großbritannien zur Welt kamen, zu Schwangerschaft und Geburt befragt. Die Babys der Studie, damals einmalig sowohl in ihrer breiten Ausrichtung als auch in ihrer Größenordnung, feierten letztes Jahr ihren 70. Geburtstag; noch immer werden sie regelmäßig von WissenschaftlerInnen befragt. Ähnliche Längststudien verfolgen gewöhnliche Briten, die 1958, 1970, 1991 und zur Jahrtausendwende geboren wurden. Helen Pearson erzählt die Geschichte der weltweit einmaligen britischen Kohortenstudien als eine Geschichte der Wissenschaft der Nachkriegszeit und als gesellschaftspolitische Betrachtung. Sie beleuchtet die Entwicklung der Studien (immer am Rande des finanziellen Ruins) selbst und fasst faszinierende Ergebnisse zusammen. Ich war ein bisschen enttäuscht, dass nicht mehr Fallstudien über die Teilnehmer der Studien dabei waren. The Life Project: The Extraordinary Story of Our Ordinary Lives ist gut recherchiert und vor allem interessant für Soziologie-Nerds. Interessant, aber sehr speziell.

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