Kater Mog und 168 hours – Gelesen im September

Lesen statt Putzen: Ignorieren als Mittel gegen Stress

 

September war für uns ein Monat der Übergange. Bevor Miss Bee nach zwei Jahren Betreuung durch eine Tagesmutter mit dem Montessori Kindergarten begann, haben wir beide eine Staycation gemacht und schöne Dinge in London unternommen, die etwas Reisezeit in Anspruch nehmen.
Dazu gehörte die Judith Kerr Ausstellung „Tiger, Mog und das rosa Kaninchen“ im Jüdischen Museum. Die Ausstellung gibt einen Einblick in das Leben und Werk der jüdischen Künstlerin und Schriftstellerin und bietet einiges zum Anfassen, auch schon für Kleinkinder. Wir verbrachten den ganzen Tag beim Nachmittagstee mit einem überlebensgroßen Tiger, beim Vorlesen in einem großen, kuscheligen Katzenkorb und als Sophie und Mama/Papa aus Ein Tiger kommt zum Tee verkleidet in der Ausstellung.

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Seit dem Besuch der Ausstellung ist die Geschichten über Mog (im englischen Original übrigens weiblich) morgens und abends die beliebteste Lektüre, ganz besonders Mog, der vergessliche Kater. Auch ich mag die Geschichten gern, in denen die Katze oftmals ganz unerwartet zur Heldin wird, sehr gern. Die liebevollen Illustrationen in den Kinderbuchklassikern weiß ich noch mehr zu schätzen, seit dem ich Originale in der Ausstellung bewundern konnte.

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Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. Oktober, falls ihr also in den nächsten zwei Wochen in London seid empfehle ich euch einen Abstecher in das Jewish Museum in Stadtteil Camden.

…und die gut genutzte Zeit
Die Übergange bedeuten auch, dass ich meine Arbeitszeiten anpassen und neue Routinen finden muss. Seit meinem Blogpost über die Anstrengungen des Mutterseins versuche ich bewusst, mir Zeit für die Dinge zu nehmen, die mir gut tun. Lesen gehört in jedem Fall dazu, und die Lektüre des vergangenen Monats hilft mir vielleicht, noch mehr Zeit dafür zu finden.

Laura Vanderkam argumentiert in 168 Hours: You Have More Time Than You Think nämlich, dass wir alle mehr als genug Zeit haben, das zu tun, dass uns wirklich wichtig ist. Nicht unbedingt an den 24 Stunden des Tages, aber in den 168 Stunden, die uns jede Woche zur Verfügung stehen. Zeitnot ist eine Ausrede, weil wir alle viel Zeit mit Dingen verschwenden, die eigentlich nicht wichtig sind – Fernsehen, im Web surfen, unproduktiv im Büro abhängen, zu gründlich putzen. Anhand zahlreicher Fallstudien zeigt sie auf, dass es Menschen gibt, die ein „volles Leben genießen“ und es durch eine Konzentration auf ihre „Kernkompetenzen“ schaffen, sich eine Karriere aufzubauen, qualitative hochwertige Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und sich gleichzeitig um ihr eigenes Wohlbefinden kümmern. Um das zu schaffen, planen sie wöchentlich Zeit für das ein, was ihnen wirklich wichtig ist und ziehen das tatsächlich durch, egal, was der innere Schweinehund dazu sagt. Aufgaben, die keine Priorität haben werden ausgelagert, minimiert oder ignoriert.

Auch wenn viele Tipps ein einkommensstärkeres Klientel ansprechen (ich sag nur „personal chef“) habe ich viele Anregungen aus dem Buch mitgenommen. Zwei Wochen lang ein Zeittagebuch zu führen, in dem ich genau aufschlüsselte, wie ich meine Zeit verbringe, war eine aufschlussreiche wie erschreckende Übung. Ich schiebe sehr viel auf (v.a. in meinem Job, aber auch in anderen Bereichen), verbringe viel Zeit mit sinnlosem/ineffektivem Multitasking (Aufräumen und Kind bespassen, Internetsurfen und mit dem Mann reden) und verbrate weitere Zeit damit, Dinge zu perfektionieren, bei denen es ausreichen würde, sie schlicht (gut) zu machen. Wenn ihr genauer wissen wollt, wie ihr eure Zeit verbringt könnt ihr eine Vorlage für ein Zeittagebuch hier auf Laura Vanderkams Website herunterladen.  Wie man dieses Tagebuch analysiert und eine Übersicht der Tipps, wie wir unsere Zeit anders nutzen gibt es hier.

An der zweiten Übung – eine Liste von 100 Träumen erstellen, von Zielen und Aktivitäten, die ich gern einmal ausprobieren will – arbeite ich noch. Um meine Zeit besser zu nutzen habe ich mir einen besseren Planer gekauft, bei dem sich Aktivitäten im Halbstundenrhythmus einplanen lassen. Bisher schaffe ich es, Mittwochabends zum Yoga zu gehen, weil diese zwei Stunden im Kalendar frei gehalten sind, auch, wenn das Bad dann schmutzig bleibt.

 

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2 Kommentare

  1. Danke für den Buchtipp. Wenn ich mal wieder Luft für englische Lektüre habe, dann ist das vielleicht was für mich. Wobei ich mich schon stark zu den Menschen zählen würde, die ein volles Leben genießen. Wir machen hier oft bewusst nichts, sondern genießen faule Samstag Nachmittage zu Hause (um Winter) fußballhörend und faulenzend. Im Sommer geht es in den Garten. Alles, wo ich irgendwie dachte, dass ich dieses und jenes tun müsste, habe ich möglichst reduziert. Das war aber auch ein langer Lernprozess. Dein Artikel zeigt mir, was ich da einfach für Schritte durch Reflexion auch gemacht habe. Am Anfang mit Kind zu Hause habe ich bei langen Stillzeiten oder beim Abpumpen, wenn mir langweilig wurde, fern gesehen. Aber das wurde mir dann auch irgendwann langweilig. So was lasse ich mittlerweile einfach von selbst. Ich nutze dann lieber gezielt die Mediathek oder gucke nur, was mich wirklich interessiert, ggf. nehme ich mir das auf.
    Bis Mitte des Jahres habe ich aber sehr, sehr viel Zeit im Internet verdöddelt. Das zu reduzieren fiel mir wesentlich schwieriger. Es passiert mir dabei irgendwie viel leichter hängen zu bleiben, weil ich grundsätzlich so vieles interessant finde.
    Mich würde interessieren, ob du da langfristig was verändert hast / verändern wirst…
    Liebe Grüße Nanne

    • Vielleicht als Hörbuch für lange Spaziergänge, wenn das Baby im Kinderwagen schläft 😉

      Ich habe mich früher zwar manchmal gestresst gefühlt, aber seit ich Mutter bin fehlt mir oft die Zeit für mich selbst – das viel beschworene „me time“. Die muss ich gut einplanen, und manchmal ertappe ich mich dabei, den Fußboden zu wischen statt ein gutes Buch zu lesen.

      Das mit dem Internet kenne ich auch, weißt Du ja. *Eigentlich* dachte ich ja, das sei schon viel besser geworden, doch das Zeittagebuch zeigte mir da was anderes.

      Liebe Grüße
      Daija

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