Kleinkram und die Selbsterkenntnis

„Reduce until something clicks“ – Marie Kondo

Komono – unter dem Begriff fasst Marie Kondo den Kleinkram zusammen, der sich in einem Haushalt findet – DVDs/CDs, Makeup, Accessoires, Wertgegenstände, elektronische Geräte, Haushaltsgegenstände, Vorräte, Hobbykram, usw. Im ersten Entwurf dieses Blogposts habe ich detailliert aufgelistet, wie ich die einzelnen Kleinkramkategorien anging. Das war ziemlich langatmig und begann, zwanghaft zu klingen. Dann dachte ich – Ihr wollt weder wissen, dass ich keine CDs hatte, noch, dass ich meinen Modeschmuck sowieso nie getragen habe.

Um es kürzer zu machen – mein Fazit:
Diese Kategorie lädt zum Schummeln ein. Schummeln sich rechen – schliesslich wird sich Marie Kondos Versprechen, man müsse nie wieder aufräumen, nur einlösen, wenn man sich genau an ihre Regeln hält. Ich konnte mich nicht dazu durchringen, unser an drei verschiedenen Orten aufbewahrten Elektrozeug wie Laptopakkus und Computerkabel auf dem Boden aus zu breiten. Marie Kondos Leitfrage: „Macht Dich der Gegenstand, den Du in der Hand hälst, glücklich?“ ist beim Handyladegeräte nicht unbedingt hilfreich. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass ich in vielen dieser Kategorien habe ich im vergangen Jahr viel reduziert habe, so dass es unnütze Kabel z.B. nicht mehr gibt. Hautpflege, Makeup und Lebensmittelvorräte sind übersichtlicher als im letzten Jahr. In der Küche habe ich aussortiert, was ging. Auch schwieriger als bei Kleidung oder Büchern: viele Dinge, die ich unter Komono einordne, gehören uns als Paar oder als Familie gemeinsam.

Klick gemacht hat es trotzdem
Hilfreich war der Prozess dennoch, denn die Frage ist ja: Warum hatte ich – obwohl es hier wenig auszusortieren gab – noch immer das Gefühl, es gäbe in unserem Haushalt argen Entrümpelungsbedarf?

Feste Plätze fehlten
Für viele Dinge fehlt ein fester Platz bzw der richtige Platz. Kondo schreibt, dass Organisationsexperten „Hamster“ sind. Natürlich löst auch ein ausgefeiltes System bei einer zu großen Menge an Zeug das Problem nicht, sondern versteckt es nur. Aber auch wenig Zeug ist ohne System trotzdem ein Problem. Das stimmt vermutlich sogar, wenn man aus dem Rucksack lebt.
Ein fester Platz für Haustürschlüssel und meine Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel ist GENIAL. Ich muss mich ab und an noch zwingen, die Dinge auf ihren Platz zu legen, aber ich muss NIE MEHR suchen. Warum mir das nicht früher eingefallen ist ist mir auch schleierhaft, aber besser spät als nie.
 
Aufbewahrungssysteme fehlten – sowohl improvisiert….
Kondo schreibt, dass wir nichts Neues kaufen müssen, um unsere Sachen aufzubewahren. Wir haben alles. Schuhkartons, vorhandene Regale und Körbe sind ausreichend. Für manche Dinge half mir dieser Gedanke: ich muss nicht das perfekte System finden. Einfache Aufbewahrungslösungen ohne Anschaffungskosten gibt es: Beerenobstschalen trennen in der Küchenschublade Ladegeräte, Akkus, Maßbänder usw., Schuhkartons halten unsere Bastelsachen zusammen.
 
…als auch investiert
Andererseits merkte ich aber auch, dass mich eine improvisierte Lösung für meinen (wenigen) Schmuck zunehmend störte. Einige Wochen lang war ich auf der Suche nach der perfekten Lösung. Letztlich erstand ich im Charity Shop eine Schmuckschatulle gefunden, dien icht perfekt, aber solide und adequat ist.
 
Sichtbares Chaos
Mich störte die visuelle Unruhe. Überflüssiges Teller auf den Küchenschränken statt darin, z.B. Ich habe mich jetzt damit abgefunden, dass wir einfach zu viel in der Küche haben. Alles von dem Zeug, was wir nicht brauchen, gehört dem Vermieter und kann deswegen nicht weg. Hier habe ich doch noch einmal die Stauräume ausgereizt, und für das nächste Mal gelernt, darauf zu bestehen, dass Küchenkram aus der Küche verschwindet, sollten wir noch einmal eine möblierte Wohnung mieten. Die Kleidungsstücke der Kleinen können noch so schön gefaltet sein – in ihrem offenen Regal werden sie immer unruhig wirken. Mittelfristig brauche ich dort eine andere Lösung.

Schlechte Angewohnheiten
Manche Dinge haben einen festen Platz und ich stelle sie nicht dahin zurück – ich schneide eine Müslitüte auf und lege danach die Schere nicht gleich weg. Ganz schnell entwickelt sich ein Haufen aus – Zeug. Die neue Ordnung im Haus und neue feste Plätze helfen mir, disziplinierter zu sein. Marie Kondo hat mich auch inspiriert, sorgsamer mit den Dingen umzugehen. So investiere ich die 20 Sekunden, die es länger dauert, die Jacke zurück in den Garderobenschrank zu hängen statt sie auf das Sofa zu schmeißen. Kondos Vorschlag, mich bei der Jacke für die geleistetenden Dienste zu bedanken, habe ich noch nicht übernommen.

Gerade bin ich an dem Punkt, an dem ich meine derzeitigen Möglichkeiten ausgereizt habe. Erinnerungsstücke sind noch dran, aber die habe ich ganz praktisch bei meinem Umzug bei meinen Eltern geparkt. Dort wartet ein Haufen Zeug auf mich. Irgendwann mal.

Nächste Woche gibt es noch einen (oder zwei) abschliessende Beiträge zur KonMari Methode. Bis dahin zwei Fragen an Euch:
 
Marie Kondo schreibt, dass die meisten von uns das Aufräumen nie richtig gelernt haben. Gerade suche ich also nach einfachen Ideen, den Haushalt ordentlich zu halten. Habt Ihr Tipps? Inspirationen? Lieblingsbücher oder Blogs dazu?
Die Beerenobstschalen würde ich gern durch etwas Plastikfreies ersetzen, möglichst ohne etwas Neues zu kaufen – Bitte emailed mir Ideen oder hinterlasst einen Kommentar.

Hier mehr zu Marie Kondos Buch: Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert

6 Kommentare

  1. An welche Sachen erinnerst du dich bei deinen Eltern denn bewusst? Oder könnte da nicht vielleicht (fast) alles weg? Marie Kondo hält ja (berechtigterweise) nichts davon bei den Eltern Sachen zu lagern.

    Ich hatte noch Bücher bei meinen Eltern, wo meine Mutter sich jetzt weigert, dass ich diese weggeben – sie könnte die doch mal lesen wollen. Ich würde sie am Liebsten alles aussortieren…

    lg Nanne

    • Liebe Nanne,
      natürlich kann alles davon weg – in den letzten fünf Jahren habe ich nichts davon gebraucht. Drei Bücher vermisse ich sehr. Ich hoffe, es wird nicht allzu viel Arbeit, die Dinge sinnvoll los zu werden. In London bin ich verwöhnt, kann ein Dutzend Charityshops fußläufig erreichen. Auf dem platten Land ist das schwieriger.
      Lustig, die Geschichte mit Deiner Mutter könnte ja auch Kondos Buch sein, die Stelle ist Dir sicher auch in Erinnerung: „Marathon tidying produces a heap of rubbish. At this stage, the one disaster that can wreck more havoc than an earthquake is the entrance of that recycling expert who goes by the alias of ‚mother‘.“ 🙂
      Lieben Gruß
      Dina

  2. Feste Plätze machen es einfacher, finde ich. Und alles von einer Sache an einem Ort. Seitdem weiß ich erst, wie viel Tesafilm in dieser Wohnung ist. War. Mittlerweile auch verbraucht. Reinkommen und Jacke hinschmeißen sollte man unbedingt beibehalten, finde ich. Sich immer disziplinieren ist – glaub ich – auch nicht das Richtige. Alles, was ich selten brauche, ist unten eingeräumt. Der Rest in Griffnähe. Mit Kleinkind hab ich 5 mal am Tag aufgeräumt. Chaos ist da ganz normal.
    lg Tanja

    • Liebe Tanja,
      sei ganz beruhigt – von immer diszipliniert sein kann hier wirklich keine Rede sein. Im Grunde genommen geht es mir um einfache Systeme, denen ich irgendwann ohne groß nachzudenken folgen kann. In den letzten Wochen habe ich aber gelernt, dass es manche Dinge gibt, die mich immens stören – mir das Gefühl von absolutem Chaos vermitteln – während andere Dinge ganz unschuldig sind. Zu der hingeworfenen Jacke gesellen sich Kinderschuhe, ein Handschuh, Post, die ich erledigen muss etc. Von Stapeln fühle ich mich schnell überwältigt.
      Natürlich hast Du Recht dass ich eine Balance finden muss, und zu obsessiv auch nicht gut ist. Zudem ist Chaos mit Kleinkind unvermeidbar – langsam akzeptiere ich das auch. Das Kleinkinderchaos macht mir weniger aus, wenn ich selbst weniger Chaos verbreite.
      Lieben Gruss
      Dina

  3. Liebe Dina,

    bei dem offenen Regal mit der Kinderbekleidung fiel mir spontan ein, ob vielleicht eine leichte Gardinenstange mit leichten Vorhängen daran befestigt werden könnte. Ich mag es nämlich auch nicht, zuviel „Sichtkontakt“ zu haben und bevorzuge auch freie Oberflächen. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, das „herumfliegende“ Kinderspielzeug/chaos einfach Abends (gemeinsam?) in eine hübsche „Truhe“ oder einen hohlen Hocker mit Deckel zusammen zuräumen, der dann im Kinderzimmer seinen Platz findet.
    Mir kommen öfter mal flache Pappschachteln unter, die ich dann als Schubladenaufbewahrung benutze (sehr vorteilhaft, weil schon von Haus aus sehr niedrig und somit passend für Schubladen). Ansonsten könntest du dir auch aus Pappe eine Art Gitter/Kreuz bauen, das mit seinen einzelnen Fächer dann für Ordnung sorgt. Einfach jeweils an einer Seite die Papstreifen einschneiden, in einander stecken, fertig.
    Vielleicht ist ja die ein oder andere Idee was für dich?

    Liebe Grüße, Sunray

    • Danke, liebe Sunray.
      Zum Valentinstag gab es Pralinen in einer sehr festen – hoffentlich auch für die Kleinkinderhände unterstörbaren – Pappschachtel. Das hätten wir also gelöst.
      Ein Kinderzimmer haben wir nicht – die Spielsachen machen mir gerade sehr viel weniger aus, seit dem ich meinen eigenen Kram aufgeräumt habe.
      Insgesamt fühlt sich unsere Lebenssituation temporär an; mit der Unperfektheit lerne ich zu leben.
      Liebe Grüße
      Dina

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