Ein Monat #Konsumauszeit – mein Fazit

Auf dem Weg zum Kühlregal komme ich an Weihnachtsdeko, Milchschokolade in bunten Verpackungen, Gedöns vorbei. „Brauche ich nicht, brauche ich nicht, will ich nicht, brauche ich nicht“, denke ich, und sehe dann an der Supermarktkasse, dass andere Menschen sehr wohl Weihnachtsbaumkugeln aus Massenproduktion und billige Süßigkeiten brauche / kaufen. Mein eigener Monat Konsumauszeit ist an anderen Menschen ganz überraschend vollkommen vorbei gegangen.

Maria erinnerte mich daran, dass achtsam und umweltbewusst leben kein Wettbewerb ist. Wir können nicht über andere urteilen, weil wir ihre Lebenssituation nicht kennen. Bei diesem Experiment ging es mir darum, im Konsumverzicht ein Mehr zu finden, kein Weniger. Meine eigenen Impulse zu beobachten. Bald – vor allem im Zusammenhang mit der sehr sehenswerten Dokumentation Hugh’s War on Waste, aber auch dem Besuch einer (nachhaltigkeitsrelevanten) Konferenz – merkte ich aber, dass mein eigenes Handeln, so ganz allein, ersteinmal garnichts wenig ändert. Dass wir als Gesellschaft anders, weniger, viel weniger konsumieren müssen. Dass mein Engagement gefragt ist, so sehr das meiner introvertierten Persönlichkeit widerstrebt. Klar, Kleinvieh macht auch Mist, aber es bringt wenig, wenn ich meine Schuhe reparieren lassen, wenn der Rest der westlichen Welt ungetragene Kleidung in den Müll wirft.

So eine Konsumauszeit ist super, um noch deutlicher die eigenen Impulse zu erkennen (oder sie zum 1000 Mal bestätigt zu sehen). Diesmal war ich besser in der Interpretation der Impulse: Ich brauche Bastelmaterialen? Nein, ich will meiner Tochter eine Freude machen, und ich will mit ihr zusammensein. Familiengefühl entsteht, wenn ich Zeit investiere, nicht ein paar Pfund für bunte Aufkleber in einem Ramschladen. Ich brauche ein neues Notizbuch? Nein, ich will mir mehr Zeit zum Schreiben nehmen. Um solche Impulse immer wieder auf zu decken sollte Mensch regelmässig so eine Konsumauszeit einlegen. Ich sehe das als gute Möglichkeit, gegen die Marketingmaschinerie anzugehen, die unsere Bedürfnis aufnimmt und sich zu Nutze macht, um uns Zeug zu verkaufen, welches dann ein schales Gefühl hinterlässt, weil es das Bedürfnis nach Zeit, nach Nähe, nach Anerkennung eben nicht stillt.

Und was wurde aus meinen ursprünglichen Motiven?

Mehr Zeit
– Gefühlt ja. Oder eher ein Gewahrsein, wie ich Zeit verbringe, und wie ich sie verbringen möchte.

Mehr Bedenkzeit
– Auch ja. Das Geschenk für Miss Bee habe ich als Joker gekauft, und ich bin sehr froh drum, dann alle anderen kann ich mit Gutscheinen und Selbstgebasteltem beglücken. In ein Einkaufszentrum brauche ich vor Weihnachten nicht mehr. Puh.

Mehr Übersicht
– Naja. Ich habe zwar kräftig Lebensmittel aufgebraucht, aber es ist noch genug da. Der Mann kaufte ein, als er meinte, wir hätten ja garnichts mehr zu essen. Die Schränke sind also nach wie vor gut gefüllt. Hier kann ich im Dezember weiter machen.

Mehr Zufriedenheit
– Mit dem, was ich habe. Ja. Oder eher noch einmal die Bestätigung: Das, was ich für mehr Zufriedenheit brauche, bekomme ich nicht im Laden. Zufriedenheit kann ich nur selbermachen.

Mehr Plan
– Ja. Das Mittagessen habe ich meist eingesteckt, meine Wasserflasche auch. Cafébesuche waren geplant – und schön, bewusst genossen.

Als Fazit: eine Konsumauszeit kann ich jedem nur empfehlen.

6 Kommentare

  1. Hallo Daija,
    ich fand es sehr interessant deine Gedanken zu dem Thema zu lesen. Ich muss gerade mein Konsumverhalten verändern, wenn ich weiterhin Geld sparen möchte. Das ist mir letztlich wichtiger, als z.B. die Zeitschriften, die ich mir immer gekauft habe. Was mir aufgefallen ist: Jetzt, wo ich ein Kind habe, und Dinge anders sind, habe ich auf einmal auch eine andere Motivation weniger Geld auszugeben. Vorher war einfach genug da und ob ich dann 50 € oder 100 € spare, das war nicht real spürbar. Die Zahlen sind natürlich nur Beispiele.
    Ich will jetzt komplett das ganze nächste Jahr mein Konsumverhalten gezielter beobachten und werde auch auf dem Blog darüber schreiben. Eine komplette Auszeit wird es nicht. Ich werde auch mehr, als nur Lebensmittel kaufen, aber sehr bewusst darüber nachdenken, was wirklich notwendig ist.
    Liebe Grüße
    Nanne

    • Liebe Nanne

      ein Kind hat bei mir in dieser Hinsicht auch viel verändert allerdings eher in die Richtung, mehr Geld verdienen zu wollen, anstatt weniger ausgeben. Ich finde, dass die Kleinen am Anfang garnicht so viel brauchen, und dass ich mich eher zurückhalten muss, um sie nicht zu einer kleinen Konsumentin zu erziehen und mal hier, mal da, „was Kleines“ für sie zu kaufen.
      Bin gespannt darauf wie es Dir ergehen wird (und freu mich natürlich sehr, dass Du auf Deinem Blog weiter schreibst)

      Daija

      • Hallo,
        Die Einnahmen wieder zu erhöhen ist mein langfristiges Ziel. Bei den Ausgaben hab ich schnelles Sparpotenzial in dem ich gewisse Dinge gar nicht mehr kaufe und langrfristig meinen gerade in der letzten Zeit gestiegenen Süßigkeitenkonsum reduziere.
        Der Kleine braucht im Moment wenig, meine Ausgaben hier und da sind reduzierbar. Im Dezember beobachte ich das Ganze und ab Januar werde ich meine Regeln etwas strenger handhaben.
        LG Nanne

  2. Hallo Daija!

    Ich finde Du hast ganz schön viel heraus geholt für Dich aus der Konsumauszeit. Herzlichen Glückwunsch! Denn ich denke darum geht es ja auch, für sich selbst einen guten Weg zu finden.

    Für mich war das schönste Geschenk, dass ich mit so deutlich weniger auskomme, dass ich meine Arbeitszeit reduzieren konnte und mehr Freizeit habe. Es ist auch eine Frage der Prioritäten denke ich.

    Die ganze Welt werde ich alleine nicht retten können, aber meine eigen schon. Und ich bin noch immer Pippi Langstrumpf („ich mach mir die Welt….“)

    lg
    Maria

    • Liebe Maria
      Danke, einmal wieder, für Deinen Kommentar. Ja, es ist alles eine Frage der Prioritäten, und ich finde es toll, dass Du jetzt noch eine Ausbildung machst. Ich nehme an, es wird Dir auch darum gehen, Dich damit zu engagieren. So etwas, so eine neue Aufgabe, suche ich gerade. Meine Frage ist aber auch, wie man die Leute erreicht, die z.B. Fast Fashion konsumieren und nach zwei Wochen in den Müll schmeissen. Also, wie und wo wir sie abholen können.
      Lieben Gruss
      Daija

      • Hallo Daija!

        Für mich war das der Kostnixladen, den ich gemeinsam mit ein paar anderen Leuten vor nunmehr exakt 2 Jahren gegründet habe.

        Hier können die Menschen ihre Dinge abgeben, die sie nicht mehr brauchen und andere Menschen, die sie brauchen, freuen sich darüber.

        lg
        Maria

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