#Konsumauszeit und Biedermeierlichkeit

Erst einmal: Wie läuft’s?
Tatsächlich konsumiere ich im wahren Leben während der Konsumauszeit weit weniger als vorher. Ich gebe weiterhin kräftig Geld aus (Schuhreperaturen, Leih- und Bestellgebühren in der Bibliothek, öffentliche Verkehrsmittel, usw.) schränke  aber Einkäufe tatsächlich stark ein, halte mich an meine Einkaufsliste (sonst falle ich im Supermarkt immer auf irgendwelche 2-for-1 Angebote rein). Meinen „Joker“ habe ich diese Woche eingesetzt und das Puppenhaus für Miss Bee gekauft, über eine Kleinanzeigenseite. Nach der nette Begegnung mit einer Familie in der Nachbarschaft, dachte ich, wie nett es doch ist, ein Individuum zu bezahlen, nicht irgendeinen großen Konzern.

Gleichzeitig konsumiere ich mehr OnlineMaterial. Mich interessieren die Beiträge anderer zur #Konsumauszeit (eine Auflistung gibt es hier bei Apfelmädchen und Sadfsh). Für die Zeit nach der Konsumauszeit nehme ich mir vermehrte OnlineAuszeiten vor. Ich stelle fest und freue mich, dass die Diskussion zur #Konsumauszeit weitgehend konstruktiv erfolgt. Ich finde es super, wie sich Teilnehmende gegenseitig zum Weiterdenken anregen und auch bei mir selbst passiert innlich sehr viel.

Kritik und gesellschaftliche Relevanz

Kritik an der Challenge, an teilnehmenden Blogs gibt’s natürlich unweigerlich auch: Alles langweilig, alles doof, alles biedermeier, hab ich alles schon durch. Zum Glück sind das wenige Stimmen, aber denen noch mal zur Erinnerung: Glücklicherweise ist das Internet ist groß genug für uns alle. Solange es nicht gegen die Menschenwürde oder -rechte verstößt, Browserfenster zu und gut ist. Weiter ziehen und dort Weggenossen suchen, wo man sie braucht, ob das nun beim Entrümpeln ist oder bei der Revolution, die darauf folgt.

Die Frage nach der gesellschaftliche und politischen Dimension finde ich trotzdem interessant. Das Hängen-bleiben im Privaten bei vielen, die über Minimalismus, Reduzieren bloggen. Gibt es nicht Wichtigeres?

Ja, natürlich. Daran erinnern uns die Nachrichten immer mal wieder, nicht? Aber: So Entrümpeln, Minimalisieren, eine Konsumauszeit gibt uns auch das Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben. Aufzuschreiben, was ich wann, wo ausgegeben habe, mich mit meinen Verfehlungen beschäftigen, wenn ich einen Kaffee-to-go kaufe oder dem WurstStand beim St Martins Umzug nicht widerstehen kann, das ist konkret, messbar, kontrollierbar.

Ausmisten und Verzicht als Kontrollversuch

Bei mir war diese ganze Auseinandersetzung mit Besitztümern und Konsum auch ein Weg, Kontrolle zu gewinnen. Mein eigenes Leben hat sich durch das Mutter Werden auf dem Kopf gestellt – aufräumen, mich mit Konsumverzicht beschäftigen brachte wieder Ordnung rein. Und gleichzeitig – und ich glaube, das führt zu diesem Rückzug ins „Biedermeierliche“ – gegen dieses Gefühl der Einflusslosigkeit auf die (anderen) dringenden Probleme dieser Welt – globale Erwärmung, Kriegszustände, Biodiversitätsverlust, Flüchtlingsströme, Krankheiten. Diese Probleme erscheinen uns zu groß um etwas dagegen ausrichten zu können.

Mein erster Impuls war, zu behaupten ich sei halt unpolitisch. Aber das ist Quatsch. Ich schreib hier nicht über meinen Brotjob in einem Umweltprojekt in einer Nichtregierungsorganisation. Und was weiß ich, was andere Bloggerinnen machen, wenn sie nicht über Adventsbastelein oder Upcycling Ideen schreiben? Ein bisschen schöne private heile Welt liest doch jeder gern. Und natürlich schreiben „The Minimalists“ oder Leo Babauta nicht immer wieder und noch über Themen wie Gewohnheiten und Ausmisten, weil es Themen sind, die sie wirklich immer noch in ihrem Alltag umtreiben, sondern weil das viele Klicks bringt und damit ihr Einkommen sichert,

Weil wir uns so gern solche gem in solche privaten, gemütlichen, kontrollierbaren Themen zurückziehen.

1 Kommentare

  1. Schöner Beitrag zum Thema find ich! Ich mag dein Blog und lese gerne was du so schreibst.

Kommentare sind geschlossen.