Langfristige Erfolge mit Marie Kondos Magic Cleaning

Marie Kondos Magic Cleaning Methode verspricht, dass man nie wieder aufräumen muss, wenn man einmal nach der Methode ausgemistet hat. Ist unser Heim sechs Monate nach Abschluss meines eigenen Magic Cleanings eine Oase der Ruhe und Ordnung ohne jeglichen Überfluss und voller Dinge, die mich bei ihrem Anblick mit Freude erfüllen?

Ja, und nein.

Alte Gewohnheiten sterben langsam
Wer heute in unserer Wohnung kommt wird nicht vor lauter Sauberkeit umkommen. Auch nach einem gründlichen Ausmisten muss man täglich all jene Dinge wieder an ihren Platz zurückstellen, die man benutzt hat – Wassergläser, Zahnbürste – als auch Dinge entsorgen, die ihren Zweck getan haben – Tomatendosen, Einkaufszettel etc. Auch wenn ich in dieser Hinsicht Fortschritte gemacht habe fällt mir das erstaunlich schwer. Ich bin nicht von Natur aus ordentlich und werde dazu noch oft genug mitten in einer Aufgabe unterbrochen („Huuuungeeer!“ „Mama, ich muss Pipi (…). Nein, du musst mitkommen!“), sodass oft irgendetwas irgendwo liegen bleibt.

Marie Kondo hat keine Kinder und einen wohlerzogenen Partner
Ich jammere auf hohem Niveau – ich habe nur ein Kind, und Miss Bee ist wahrlich keine Sammlerin, aber WAS DIESE KINDER ALLES ANSCHLEPPEN: Papierkram aus dem Kindergarten, Gebasteltes aus Recyclingmaterialien, Plastikgeschirr, -obst, -figuren, Billigstifte und allgemeinen Ramsch, den sie irgendwo geschenkt bekommen. Dazu wachsen sie immerzu aus irgendetwas – Klamotten, Spielsachen, Bücher – raus, was man dann ersetzen muss. Einmal aufgeräumt, immer aufgeräumt ist jedenfalls was Anderes. Heute glaube ich, dass man in einem Haushalt mit Kindern mit einer gewissen Unordnung leben muss.

Aber manches hat sich seit der großen Aufräumaktion tatsächlich geändert
Ich habe nicht mehr das ständige nagende Gefühl, ich müsse ausmisten, um Ordnung zu schaffen. Wenn ich einen Rappel bekommen, dann, weil ich einmal gründlich a la Frühjahrs- oder Herbstputz sauber machen will (und dabei auch Dinge weg- oder in die Spendentüte schmeiße). Für einige Dinge gäbe es auch noch einen besseren festen Platz als derzeit, doch grundsätzlich habe ich noch immer das Gefühl, „fertig“ zu sein.

Ungemein hilfreich: Denken in Kategorien
Marie Kondo rät dazu, in Kategorien zu entrümpeln – Kleidung, Bücher, Papiere und Komono (Sonstiges) – statt Zimmer für Zimmer vorzugehen. Das hat mir geholfen, wirklich zu durchdenken, wo meine Besitztümer ihren festen Platz erhalten sollen. Diese Grundordnung macht es wiederum einfacher, das tägliche Aufräumen durchzuziehen und das gröbste Chaos zu vermeiden.

Dinge haben ihren Zweck erfüllt, manchmal auch bevor sie auseinanderfallen
Oft hinderte mich der Gedanke, dass eine bestimmte Sache noch brauchbar, bzw. ein Kleidungsstück noch nicht vollkommen abgetragen war, daran, es weg zu geben. Marie Kondo sagt, dass ein Geschenk einen Zweck erfüllt hat, wenn der Schenkende es übergibt, um uns eine Freude zu machen, oder ein Gegenstand uns ein gutes Gefühl gibt, wenn wir ihn kaufen. Wir können uns dafür bei dem Gegenstand bedanken und ihn dann gehen lassen. Das kam mir erst verschwenderisch vor, zumal Kondo empfiehlt, alles in den Müll zu werfen. Doch selbst Zero Waste Ikone Bea Johnson warnt davor, Dinge „für den Fall“ aufzuheben. Sie argumentiert, es sei verschwenderisch, tragbare Kleidung und brauchbares Geschirr, das wir nicht mehr mögen zu horten, statt es zu spenden, zu verschenken, oder zu verkaufen und damit anderen, die diese Gegenstände zu schätzen wissen, schlicht, weil wir sie dadurch ggf. zu einem Neukauf zwingen.

Bedürfnisse erkennen und falsche Bedürfnisse entlarven
Mehr Übersichtlichkeit hilft mir, genauer zu sehen, was fehlt. Im Kleiderschrank mag das ein langärmliges Shirt in Dunkelblau sein. Meinen Stapel ungelesener Bücher empfand ich als überwältigend und lähmend. Ich habe trotzdem mehr Bücher gekauft, einfach, weil ich einen Wissensdurst habe. Doch Bücher KAUFEN allein macht halt nicht schlauer, und seitdem der große Stapel weg ist lese ich genau das, was mich jetzt gerade reizt, und vor allem sehr viel mehr als zuvor.

Mein Entscheidungsmuskel ist besser trainiert
Die Magic Cleaning Methode erfordert Hunderte von Entscheidungen. Anders als andere Entrümpelungsmethoden gibt es bei Marie Kondo keine „Vielleicht Kiste“; zu jeden einzelnen Gegenstand im Haushalt musste ich entweder Ja oder Nein sagen. Ich bin eher ein unentschlossener Mensch, aber diese Übung half mir, auch in anderen Bereichen meines Lebens schneller Entscheidungen zu treffen (wobei, seit ich Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less von Greg McKeown gelesen habe, ist das Erkennen von „Nicht-Wesentlichem“ generell ein großes Thema).

Mein Fazit: Auch sechs Monate später würde ich das Buch
Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert noch wärmstens empfehlen.

Alle Beiträge zur KonMari Methode

4 Kommentare

  1. Danke für Deinen Bericht, finde ich gerade sehr inspirierend, weil ich auch wieder in einer Aufräum-Entrümpelphase bin.

    Im Stapel der ungelesenen Bücher 😉 liegt Marie Kondo, ich glaube ich werde das Buch mal vorziehen!

    lg
    Maria

    • Liebe Maria
      Du bist wahrscheinlich ob des Hypes um das Buch skeptisch :-), und vor allem die Betonung auf dem Wegwerfen wird Dir nicht gefallen. Ich habe das einfach ignoriert und verschenkt und weggeben wo das irgendmöglich war. In jedem Fall wünsche ich Dir viel Spass dabei.
      Liebe Grüße
      Daija

  2. Danke für einen Folgebericht! Das ist interessant zu lesen, was sich bei dir verändert hat (bei mir v.a. der Mitbewohner auf meinem Arm, der mich hinderte schon nach dem ersten Lesen einen Kommentar zu schreiben :o)). Lesen und Stillen geht, Lesen und Schreiben eher nicht – und sonst finde ich kaum Zeit fürs Lesen und das ist okay so.

    Familie und Minimalismus oder ein wirklich reduzierter Besitz, dass schließt sich wirklich aus. Aber für uns geht es darum, unser Wohlfühlweniger zu finden. Momentan kommen Geschenke an, die verstaut werden müssen. Sachen, die mir nicht gefallen, landen direkt auf einem „Weiter“Stapel. Selbst gekaufte, gebrauchte Kleidung, die direkt nicht passte, ebenfalls (Größe 50). Ich stimmte dir zu – der Entscheidungsmuskel wird besser trainiert. Auch verschwindet irgendwann das schlechte Gewissen. Mir ist es einfach wichtiger geworden, dass wir uns hier wirklich wohlfühlen und alle Dinge, die da sind für uns einen Wert haben (einen nützlichen oder einen emotionalen), und alles andere geht. Ich bin niemandem zu irgendwas verpflichtet. Das ziehe ich mittlerweile meistens durch – vor noch über einem Jahr hätte ich es mich nicht getraut.
    lg Nanne

    • Das klingt wirklich super, so frei. Ich wünsche Dir, dass es so bleibt.
      Herzliche Grüße
      Daija

Kommentare sind geschlossen.