Nestbau

Meine zweite Schwangerschaft verlief so nebensächlich, dass ich zwischenzeitlich Bedenken hatte, das Baby würde irgendwann aus mir herausfallen, ohne das wir im Geringsten darauf vorbereitet wären. Während ich in den neun Monaten vor Miss Bees Ankunft Newsletter und Bücher las, was das Zeug hielt, atmen uebte, auf dem mp3 player nichts als Hypnobirthing abspielte und fast schon religiös zum Schwangerenyoga ging, ist Baby Nummer 2 schon jetzt ein typisches kleines Geschwisterchen, dem weit weniger Aufmerksamkeit zuteil wird.

Der Natur sei Dank setzte Ende Dezember der Nestbautrieb ein. Nun ist die Babykleidung gewaschen, entsprechende Wintersachen ergänzt, und alles Wichtige für das Wochenbett besorgt. Mein Januar steht unter dem Motto Nestbau – und, stärker als beim ersten Mal bin ich mir bewusst, das Nestbau nicht nur im Äußeren stattfindet. So sortiere ich fleißig, um Platz zu schaffen in unserem Heim, um meinen Händen etwas zu tun zu geben, um mich zu bewegen. Im Äußeren nimmt das Baby langsam Raum ein. Und innerlich?

Mutterwerden ist ein unterschätzter Prozess. Es gibt sicher die geborenen Mütter, die, deren Leben in dem Moment komplett ist, in dem sie nicht mehr „nur“ Frauen, Partnerinnen, Arbeitnehmerinnen, Freundinnen, Patientiennen, Töchter, was auch immer sind, sondern ein Kind zur Welt bringen. Bei denen das Bonding klappt, und sich die Liebe auf den ersten Blick einstellt. Ich habe das Mutterwerden auch als Verlust empfunden – als Verlust meiner Freiheit, meiner Unabhängigkeit, meiner Identität. Es hat sicherlich 2 Jahre gedauert, bis ich diese neue Rolle, Mutter, in mein Leben integriert hatte.

Dieses Mal, spüre ich, ist es anders. Mein „inneres Nest“ stellt sich darauf ein, dass ein neues Familienmitglied unsere Routinen durcheinander bringen wird, und dass wir immer wieder Neue für uns finden werden. Ein neuer Charakter kommt hinzu, ein Mensch mit Bedürfnissen und Gefühlen. Ein Mensch, der mir vielleicht ähnlich, vielleicht aber auch ganz anders sein wird. Doch diesmal weiss ich auch, dass Muttersein für mich nicht mehr bedeutet, eine Bedürfniserfüllungsmaschine zu sein, sondern dass es mir vor allem darum geht, dass wir als Familie zusammen leben, gegenseitig lernen, unsere Bedürfnisse zu verstehen und gegebenenfalls zu verhandeln und abzuwägen.

1 Kommentare

  1. Hallo!

    Die zweite Schwangerschaft ist immer ganz anders als die erste, einfach weil das erstgeborene Kind präsent ist und seine Rechte einfordert. Zuerst konnte man sich ganz auf sich selbst und das ungeborene Wesen im Bauch konzentrieren.

    Aber wenn es dann einmal da ist, dann fordert auch das zweitgeborene Kindlein sein Recht und kann ganz und gar nicht „übersehen“ werden 🙂

    Alles Gute und genieße die letzte Zeit der Schwangerschaft!

    lg
    Maria

Kommentare sind geschlossen.