Papierkrieg mit Marie Kondo

Inspiriert von meinem Kondo-Aktionen sortierte Mr Handsome heute eine Truhe, in der er Skiklamotten und Schlafsäcke aufbewahrt. Dabei fand er einen Stapel Zeitschriften, den ich nach unserem Umzug (vor drei Jahren) in diese Kiste packte, weil ich nicht wusste, wohin damit. Marie Kondo besteht darauf, dass alles, was man findet, nachdem man eine Kategorie abgeschlossen hat, im Müll landet. Ich hätte wohl geschummelt; Mr Handsome hat den Stapel für mich ins Altpapier geschmissen. Gerade ist mein Wunsch nach Ordnung und Übersichtlichkeit groß, aber die Versuchung, in alte Verhaltensmuster (nur mal durchgucken, ob nicht ein interessanter Artikel dabei ist, den ich noch einmal lesen sollte…) sind nach wie vor stark. „Wissen wegschmeißen“? Schwierig.

Die Theorie
Aber weiter zum Papierkram, der nächsten Kategorie nach Kleidung und Büchern. Kondo rät, alles weg zu werfen, was a) nicht momentan erledigt werden muss, b) für eine gewisse Zeit aufgehoben werden muss, oder c) für immer aufgehoben werden muss. Ein kompliziertes System braucht man nicht. Papier erfordert entweder Handlungsbedarf (Rechnungen, Einladungen, etc) oder muss abgeheftet werden. Aufzubewahrende Unterlagen werden in solche aufgeteilt, die man häufig braucht (aktuelle Uniunterlagen z.B.) und solche, die man selten braucht (Geburtsurkunde, Versicherungsverträge etc). Ihrer Ansicht nach kann man die meisten Papiere wegschmeißen, und sich die entsprechende Information bei Bedarf wieder besorgen.

… und die Praxis
Ich habe früher echt jeden Artikel gesammelt, der mich interessiert hat, und hatte immer irgendwo Stapel dieser losen Blätter. Irgendwann dämmerte mir, dass ich mir die meisten Informationen über das gute weltweite Netz wieder besorgen kann, wenn ich es wieder brauche, und das der Preis dieser losen Blätter hoch ist. Der anstehende Umzug nach England hat diese Erkenntnis beschleunigt. Bei meinen Eltern habe ich zwar einige Kisten untergestellt (hauptsächlich Bücher), aber Zeitschriftenartikel so zu archivieren konnte ich nicht rechtfertigen. Dank dieser schönen Apfeltablets, die man sich mit aufs Sofa nehmen kann, lese ich nun mehr online. Vor dem Umzug fand ich auch heraus, dass ich Betriebskostenabrechnungen nicht bis in alle Ewigkeit aufbewahrt muss; für viele andere Dokumente gibt Aufbewahrungsfristen. 90% meines Papierkrams ist so rausgeflogen, und alles Übrige passt in zwei Aktenordner; ein kompliziertes System habe ich nicht, aber die Unterlagen brauche ich auch fast nie. Seit dem ich weiss, was ich aufbewahren muss, sammelt sich weniger an, und ein Scanner kümmert sich um die Dinge, bei denen ich mir unsicher bin ob ich sie noch einmal brauche oder nicht.

Eine Schublade fand ich dennoch mit alten Eintrittskarten, ab zuheftenden Gehaltsabrechnungen (die gibt es bei uns nun digital, juhuu!), und lose Rezepte; das meiste davon konnte weg, und jetzt haben Kerzen in der Schublade Platz.

Mein Fazit:
Hm. Es gab schlicht nicht mehr viel auszusortieren. Ihr Entscheidungskriterium, dass für Kleidung und Bücher gut funktioniert – Bereitet mir dieser Gegenstand Freude? – ist für Papierkram ungeeignet. Kondos Daumenregel „Im Zweifel raus“ finde ich zu unkonkret. Besser wäre, den Leser aufzufordern, nach zu forschen, was wie lange aufbewahrt werden muss, und den Rest kritisch zu hinterfragen. Sie plädiert für ein einfaches Aufbewahrungssystem. Das habe ich schon. Bin mir nicht sicher, ob das jedem liegt.
Ich bin froh, die Schublade mal frei geräumt zu haben. Sie war noch so ein weiterer ClutterHotspot, in der vieles landete, von dem ich nicht wusste wohin damit. Kerzen sind schöner.

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