Zurück auf Start

liebevoller leben ist gerade, ganz still und leise, ein Jahr alt geworden. Während dieser Zeit habe ich mal mehr, mal weniger geschrieben. Meist weniger. Gern gebe ich im Alltag meiner Herzenstochter die Schuld dafür, oder dem Stress im Job, oder der mühsamen Hausarbeit. Natürlich ist das Quatsch, denn wo ein Wille ist, ist in der Regel auch ein Weg. Oft schreibe ich wenig, weil ich zu viel woanders lese und auf diese Weise nicht nur meine wertvolle freie Zeit vertrödele, sondern vor allem auch die nagenden Selbstzweifel überhand nehmen, die mich lange davon abhielten, überhaupt mit dem Bloggen zu beginnen. In einer Welt volle schöner und kluger Blogs, kann ich meinen LeserInnen überhaupt Mehrwert bieten? Und muss ich das nicht, damit hier überhaupt jemand liest?

We teach what we most need to learn
Diesen Satz hörte ich vor einigen Jahren in einem Yoga-LifeStyle-Podcast. Er ließ mich nicht wieder los. Im Falle von liebevoller leben war es ursprünglich mein Ziel, über meinen Weg zu mehr Achtsamkeit als Mutter, Partnerin, Freundin, Frau zu schreiben. Mitten in einer postnatalen Depression sicher ein Weg, auf dem ich erst einmal mehr lernen musste als ich vermitteln konnte. Mutterschaft ist mir nicht in die Wiege gelegt, weder in meiner Eigene, noch in die meines Kindes.

Es ist schon ein wenig ironisch, dass ich im vergangenen Jahr mehr über das Projekt333, Minimalismus und Konsum geschrieben habe als über mein eigentliches Herzensthema. Ich hatte das Gefühl, erst einmal alle Steine aus besagtem Weg räumen zu müssen, um die achtsame Mutter sein zu können, die ich sein möchte. Achtsamkeit mal ganz falsch verstanden – schließlich geht es unter Anderem darum, anzunehmen, was ist.

Und das, was ist, ist oft nicht schön
An vielen Tagen erlebe ich mein Muttersein als Scheitern. Die Tage, an denen ich in diesem Jahr Abends mit dem warmen Gefühl ins Bett ging, meinen eigenen Ansprüchen gerecht geworden zu sein, kann ich an zwei Händen abzählen. Das sind die Tage, an denen ich wahrscheinlich zu müde war, um mich an meine eigenen Ansprüche an meine Rollen als Partnerin, Freundin und Frau zu erinnern.

An allen anderen Tagen frage ich mich in der Rückschau, ob ich auf meinem Weg zu einem liebevolleren Leben nicht alle gedankenverloren auf der Stelle trete anstatt frohgemut und die Blumen geniessend weiter zu entwickeln. Ich verliere meine Geduld öfter als die meisten Leute Pipi machen. Auch wenn ich immer wieder lese, dass die Autonomiephase zur Kindesentwicklung dazu gehört, fällt es mir trotzdem schwer, nicht ausschliesslich rum zu schreien ruhig zu bleiben, wenn Miss Bee 45 Minuten am Stück zetert, weil sie zum Frühstück keinen dritten Schokoladenosterhasen essen darf.

Versteht mich nicht falsch, ich weiß, dass ich mit diesen Gedanken nicht allein bin. Ausgelöst durch einen Artikel in der SZ über unglückliche Mütter gab es ja eine Welle von Beiträgen darüber, wie schwer und blöd und hart und ungerecht Muttersein oft ist. Rachel schrieb mehrere Beiträge über die BrüllFalle und auf dem Blog vom Fräulein im Glück landen durch meisten Mütter über die Suchanfrage „Ich will keine Mutter mehr sein“ . In den dunklen Momenten nach dem Schlachtgetümmel glaube ich trotzdem oft, die schlimmste Mutter der Welt zu sein. Ausgeschlafen sehe ich das nicht mehr ganz so drastisch, doch der Zweifel, dass zum Bloggen über ein liebevolleres Leben eben mehr Liebe gehöre blieb.

Perfektionismus ade?
Auch, wenn es mir jegliches Expertentum abspricht mag ich doch diesen Satz – Wir lehren das, was wir selbst am Meisten lernen müssen. Zurück auf Start heißt für mich, dass ich hier auf dem Blog zu meiner anfänglichen Motivation zurück möchte, und über mehr Achtsamkeit im Leben und mehr Liebe im Alltag schreiben will. Mit Steinen im Weg und Unkräutern auf der Schattenseite, und darüber, wie es manchmal einen Schritt nach vorne und zwei zurück geht. Es heißt auch, dass ich in meinem Muttersein immer wieder die „Rückstelltaste“ drücke. Jeden Tag, jeden Moment, als Chance ansehe, hier zu sein, und die Mutter zu werden, die ich sein möchte, anstatt mich zu sehr mit dem zu beschäftigen, was ich falsch mache (letztlich hilft das ja auch Niemandem).

Klingt das nach einem Plan?

Um zu etwas (noch) Erfreulich(er)em überzugehen
Mehr Expertin bin ich in etwas Anderem – und so langsam nimmt das neue Projekt Form an. Am Mittwoch mache ich mich mit Miss Bee auf den Weg nach Wien und wenn ich zurück komme erzähle ich Euch mehr.

1 Kommentare

  1. Guten Abend Dina! Ich kann deine Gedanken sehr gut verstehen. Mich beschäftigt das MutterSein auch – permanent. Ich liebe es, aber ich finde es auch super anstrengend. Natürlich, zum einen die Momente, in denen unser Alltag als Familie nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle. Zum anderen aber auch meine notorische Unzulänglichkeit. Als Mutter. Denn: Ich arbeite nicht halbtags. Auch nicht zu 100%. Genausowenig bin ich diejenige, die Zuhaue im Handumdrehen das liebevollste und heimeligste Stückchen Erde schaffen kann. Ganz oft habe ich das Gefühl von Scheitern auf ganzer Linie. Der von dir genannte Artikel in der SZ hat mich auch sehr nachdenklich gemacht. Ich bin mit dem Thema auch noch nicht durch. Ich denke seit meinem Beginn des Bloggens darüber nach, wie meine Rolle als Mutter eigentlich ausschaut. Wie ich sie gerne füllen möchte; und vor allem auch füllen kann. Dabei stelle ich einfach fest, dass ich diese gewünschten 120% – die ich meine bei all den anderen hervorragenden Müttern zu sehen – irgendwie nie erreiche.
    Auch wenn es dir kein Trost sein mag. Ich kann es in Ansätzen nachvollziehen. Umso mehr freue ich mich auf die Umsetzung deines Plans. Ich bin sehr gespannt. Wenngleich ich auch glaube, dass Minimalismus und Konsum Teile des Weges zu mehr Achtsamkeit sein können. Achtsamkeit hat dazu geführt, überhaupt festzustellen, dass es schon komisch ist, wie unser Wirtschaftssystem aufgebaut ist. Oder wie brutal, wenn ich mir vor Augen führe, dass Kinderhände mein Oberteil genäht haben, damit ich möglichst wenig dafür zahle. Diese Dinge lassen sich doch durchaus „fruchtbar“ einsetzen, um zu diesem liebevoller Leben zu gelangen. Zumindest geht mir es so. Und ich habe inzwischen viel mehr Zeit mehr daran zu arbeiten und mich mit den Dingen auseinanderzusetzen, die mir wirklich wichtig sind. So long.

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