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Mutterschaft ist anstrengend – aber sollen wir darüber schreiben?

Mutterschaft ist anstrengend. Viele Mütter schreiben mittlerweile darüber, auch wenn es bei nur wenigen der Hauptschwerpunkt ihres Blogs ist. Immer, wenn ich über die Mühen des Alltags mit Kind schreiben will, beginne ich den Beitrag mit einer Litanei an Rechtfertigungen, warum auch ich als Mutter eines unkomplizierten, fröhlichen, gesunden Kindes das Leben erschöpfend finde. Wenn ich alle Rahmenbedingungen (keine Verwandten, viele Informationen über „Erziehungsoptionen“, aber wenige Vorbilder im richtigen Leben, Teilzeit arbeitend, hektisches Großstadtleben, alt, perfektionistisch, introvertiert, etc) ausgeführt und mich ausgiebig gerechtfertigt habe ist der Beitrag in der Regel 1500 Wörter lang. Den eigentlichen Punkt, der mich belastet, habe ich noch nicht einmal beschrieben. Selbst ich weiß, das so lange Blogposts niemand liest. Würde ich ja auch nicht. Die dunklen Seiten vertraue ich also meinem Tagebuch an.

Mein Leben bekommt also eine gute Portion Zuckerguss bevor es hier auf dem Blog landet. Weiterlesen

Ist Entrümpeln eine Umweltsünde? Oder: Wie Ausmisten anderen helfen kann

Während ich durch meine Gardrobe sortierte hatte ich immer wieder Kleidungsstücke in der Hand, die ich selten anhabe, manche trug ich nur ein oder zwei Mal. Fehlkäufe, die ich oft im Schlußverkauf zu einem herabgesetzten Preis oder Second Hand erstanden. Im Laden passte das Teil noch, zumindest so einigermassen, und vor allem für DEN Preis.

Es fällt mir schwer, mich von Dingen zu trennen. Natürlich weiß ich tief drin, dass ich besagte Kleidungsstücke in Zukunft nicht öfter tragen werde. Irgendetwas stimmt an ihnen für mich nicht – das Material, die Farbe, der Schnitt, die Passform. Dennoch – diese Dinge haben Geld gekostet und sind eigentlich noch in Ordnung (soll heißen – sie haben keine Löcher oder sind bis zur Unkenntlichkeit ausgewaschen) und ich denke, dass ich sie auftragen sollte anstatt sie „aus einer Laune heraus“ weg zu geben.

Besonders bei Kleidung, die ich mal günstig neu erstanden habe regt sich mein soziales Gewissen. Für dieses Kleidungsstück wurden unnötig wertvolle Ressourcen verschwendet, fruchtbarer Boden, sauberes Trinkwasser und Energie. Von den Arbeitsbedingungen einmal ganz zu schweigen. Ist es nicht ökologisch unverantwortlich, Dinge loszulassen, die ich sicherlicherlich irgendwann einmal  noch brauchen kann?

Drei Gedanken dazu:

  1. Einen Nutzen bringen bestimmte Dinge nur, wenn ich sie wegebe.
    Früher oder später brauche ich natürlich „neue“ Sachen, weil meine derzeitigen Lieblingsstücke aufgetragen sind. Dann könnte ich oben genannte Fehlkäufe auftragen. Wenn ich ehrlich bin werde ich das nicht tun; ich werde mir auch dann wünschen, schöne Dinge um mich und an zu haben. In meinem Kleiderschrank/Rumpelkammer nutzen diese Dinge niemandem. Dass „one woman’s trash is another woman’s treasure“ ist erlebe ich oft selbst, wenn ich nach Haushaltsgegenständen oder Kleidung suche. Schon oft habe ich mich über kaum getragene Sachen gefreut, die ich in einem Charity Shop / Second Hand Laden / auf dem Flohmarkt entdeckte – hätte die Besitzerin sie nicht frei gelassen, hätte ich mir besagtes Teil vielleicht neu kaufen müssen, einschließlich den oben genannte Umweltwirkungen. Gebe ich, findet jemand anderes einen kaum getragenen Hosenanzug / Hose in der richtigen Lange etc. Wegeben heisst auch Großzügigkeit üben.
  2. Entrümpeln hilft, bessere Konsumgewohnheiten zu formen.
    Ein übersichtlicher Kleiderschrank wird nicht unbedingt dazu führen, Fehlkäufe in Zukunft ganz zu vermeiden. Doch wenn ich nur noch Schönes im Schrank, in der Küche und im Wohnzimmer habe möchte ich, dass es schön bleibt. In den letzten Jahren habe ich mehr und mehr gelernt, qualitativ hochwertigere Dinge (oft gebraucht) zu kaufen. Im Zusammenhang mit dem Projekt333 und durch den tollen Blog IntoMind lerne ich die Ansprüche an meine Garderobe besser kennen und glaube, dass ich so in Zukunft gezielter/bewusster einkaufen werde.
  3. Dinge aufzubewahren / instandzuhalten / zu säubern etc kostet Zeit und Resourcen. Jedes Objekt in meinem Leben kostet in irgendeiner Form weitere Energie – meine Lebenzeit, Putzmittel, oder Geld es zu ersetzten oder zu reparieren, und wird früher oder später entsorgt, wenn nicht von mir, dann nach meinem Ableben von anderen. Es ist besser, es zu entsorgen, während es anderen noch Nutzen bringen kann.

Entrümpeln ist immer wieder ein Unterfangen, das mich Überwindung kostet. Über die Vorteile, auch für die Umwelt, zu reflektieren, hilft mir bei dem Prozess. Und ich bin froh, wenn ich auf dem Weg auch anderen helfen kann.

*Mir ist bewusst, dass Charity Shops nicht unumstritten sind; in der Vergangenheit habe ich schon oft Dinge auf freecycle verschenkt, oder auf Ebay Kleinanzeigen oder auf dem Flohmarkt verkauft. Es gibt gezieltere Wege, auf denen man nicht mehr gebrauchte Dinge einem neuen Zweck zuführen kann.