Schlagwort: Nachdenkliches

Über Verbindung und Vernetzung

Wir haben einen schönen Sommer hinter uns. Nach meiner Kündigung habe ich viel Zeit mit den Kindern verbracht, gelesen, geschlafen, geträumt, und an unserem sozialen Netz im Hier und Jetzt gewebt. Vor allem an meinem Eigenen, abseits der Schultore, mit Menschen, die in anderen Lebenssituationen sind als ich (sprich: keine Kleinkinder haben). Die Zeit ist schnell vergangen. Jetzt sind bereits die Herbstferien vorbei.

Manege frei gegen die Langeweile

Offline zu sein hat mir gut getan. Social Media und Blogs sind toll und inspirierend. Doch merke ich immer wieder, dass mir Zeit und Energie für andere Dinge fehlten, zuvorderst menschliche Beziehungen im Hier und Jetzt. Für soziales Engagement. Für Ruhe und Erholung. Gleichzeitig ich des des Internetzirkus’ auch ein bisschen überdrüssig. Dem, in dem es um Likes, Shares und Kooperationen geht. In dem Trends ausgerufen und Sauen durchs virtuelle Dorf gejagt werden. In dem es zwar ziemlich unterhaltsam zugeht, in dem ich aber immer wieder in meiner eigener Filterblase feststecke und in dem ich authentischen Stimmen, nachdenkliche oder unausgegorene Artikel weder oft finde noch selbst schreiben kann. Weiterlesen

Naturerleben reloaded

Wald und Wiesen können zu Angst- und Panikgefühlen führen. Nur ein kurzer Fussweg es von unserem Heim bis an die Themse. Dort gibt es ein Naturreservat, bewaldete Bereiche wechseln sich idyllisch mit Gras und Kräutern bewachsenen Bereichen ab. Idyllisch.

Bei meinen ersten Besuchen, kurz nach unserem Umzug im August letzten Jahres, meist in Begleitung der schlafenden M, bekam ich bei Spaziergängen regelrechte Panik. Das Blut schoss mir in den Kopf, das Herz raste. Nach mehr als 15 Jahren Innenstadtleben machten mir Menschenleere und Stille Angst. Weiterlesen

Zu Hause bleiben – ja oder nein?

“Das mache ich normalerweise nicht” sagt S.. Ich sehe sie fragend an, verstehe nicht, was sie meint. Miss Bee drängt seit Tagen darauf, mit der Nanny zu sprechen. “S. bleibt nicht bei Little M, wenn sie einschläft, Mama. Sie geht nicht hin, wenn Little M weint.” Ein grosses Herz hat meine Kleine, mit ihren 4 1/2 Jahren. Sie weiß auch genau, dass ich nichts davon halte, Kinder alleine weinen zu lassen. “Normalerweise schaukele ich Kinder nicht in den Schlaf. Aber ich halte Little M, weil ich weiß, dass du es so willst. Gestern hat sie garnicht geschlafen. Miss Bee erzählt nur die halbe Geschichte.”, sagt S.

Wieder ein Gespräch zwischen Tür und Angel. Ein Blick auf die Küchenuhr, ich muss los. Ein weiterer Blick zu Little M, tränenüberströmt, sie beginnt immer zu weinen, wenn S. zur Tür herein kommt. Weiterlesen

Die perfekte Instagram-Frau und ich

In London gibt es einige der teuersten Werbeflächen der Welt. Bis vor Kurzem bin ich dem Weg zur Bushaltestelle und zum Supermarkt an Bildschirmen vorbei gekommen, die sich für £2500 pro Quadratmeter am Tag mieten lassen*. Sie zeigen in der Regel schnelle Autos und makellos schöne Menschen.

Diese Bilder verstärken unsere Tendenz, mit dem zu ringen, wie wir wirklich sind. Es gibt eine Flut an Bildern, die uns zeigen, wie wir sein könnten, wenn wir uns nur genug Mühe gäben. Sehen wir solche Bilder in Hochglanzmagazinen oder auf Werbetafeln wissen wir, dass dahinter eine Horde Make-up Artisten, Stylisten, professionelle Fotografen und teure Bildbearbeitungssoftware steckt. Wir wissen, dass die Macher Geld verdienen wollen, in dem sie uns ein Produkt verkaufen, dass uns Glück verspricht, und das dieses Glücksversprechen nicht einhält.

Instagram – Spontane Schnappschüsse oder gekonnte Inszenierungen?

Instagram dagegen verspricht spontane Schnappschüsse von Menschen wie Dir und mir. Wie viel Arbeit und Inszenierung in diesen „Schnappschüssen“ steckt sehen wir nicht. Weiterlesen

Die Geschwindigkeit der Seele

Normalerweise lasse ich abends „die Seele baumeln“, in dem ich das Tablet sofort anschalte, wenn beide Mädchen im Bett sind. Ich dachte, es entspanne mich, für ein paar Stunden in das weltweite Netz einzutauchen. Dann las ich, was die Nutzung elektronischer Unterhaltungsgeräte mit uns macht, wie sie uns stimulieren statt zu entspannen.

Ich versuche mich an einer digital detox, dem Reduzieren meines Medienkonsums. Das ist schwer, denn ich lese leidenschaftlich gern Blogs, schaue mir schöne Bilder auf Pintrest oder Instagram an und freue mich über Fundstücke auf Twitter.

Unsere Aufmerksamkeit wird nach Aussen gezogen

Marco von Münchhausen schreibt in Wo die Seele auftankt: Die besten Möglichkeiten, Ihre Ressourcen zu aktivieren, dass es eine Vielzahl von Faktoren und Umständen gibt, die unsere Aufmerksamkeit und unsereHandlungen von uns selbst weg und nach Außen hin verlagern. Weiterlesen

Zwei Mal richtig Glück gehabt – Dankbare Gedanken zur Geburt

„Deine Geburt war selbstverständlich. Auf einmal warst Du eben da. Dein Bruder hatte die Nabelschnur um den Hals, sein Gesicht war blau, als er auf die Welt kam. Glück gehabt, dachten wir. als einige Jahre A. auf die Welt kam, waren wir dankbar: Drei gesunde Kinder.“ – Mein Vater

Im vergangenen Jahr verloren zwei meiner Freundinnen ihre Babys. Eine gebar ein Sternenkind, die Andere verlor kurz ihre Tochter kurz nach ihrem ersten Geburtstag. Leben, auch Kinderleben, ist alles andere als selbstverständlich.

Vor der Geburt von Little M hatte ich Angst vor zwei Dingen. Einmal davor, dass die Geburt so schnell voranschreitet, dass wir keine Zeit hätten, Miss Bee rechtzeitig von Freunden abholen zu lassen, oder dass sie, einmal dort, große Sehnsucht nach uns hätte und ihren Gastgebern das Leben zur Hölle macht, weil sie die unbekannte Situation überfordert. Zum Anderen hatte ich Angst, dass Little M auf ihrem Weg in die Welt etwas passieren könnte.

Beide Bedenken bewahrheiteten sich nicht. Meine Fruchtblase platzte mitten in der Nacht, doch Wehen stellten sich nicht ein. Viele Stunden vergangen, bevor ich meine Freundin bat, Miss Bee abzuholen. Mehr Ruhe und ein Spaziergang würden helfen, so hoffte ich. Trotz der unterstützenden Worte der Hebammen verunsicherte mich der unvermutete Geburtsverlauf. In Kombination mit den traurigen Erfahrungen des letzten Jahres geriet ich ausreichend in Panik.

Auch ohne Wehen machten Mr Handsome und ich uns am frühen Abend auf den Weg ins Geburtshaus. Im Taxi denke ich an all die Geburtsgeschichten, die Social Media anspülte, schöne Geschichten und Bilder von selbstbestimmten Geburten. Unassistierte Hausgeburten, ohne Hebamme. Das geht ja alles, schließlich sind Geburten etwas ganz Natürliches. So natürlich, dass viele Frauen auch heute noch daran sterben.

Ich denke darüber nach, wieviel Glück ich habe, den Geburtsort wählen zu können, unter mehreren Möglichkeiten, die alle sicher sind. Während ich mich zu Hause verängstigt fühle, ist das Geburtshaus ist ein Ort der Sicherheit. Ein Kompromiss: dank moderner Technik können erfahrene Hebammen die Herztöne des Kindes abhören, die Wehen manuell einleiten, zur Not einen Dammschnitt machen, wie damals, als Miss Bee im Mutterleib in Stress geriet, oder mich ins Krankenhaus überweisen. Ich fühle mich in guten Händen. Jetzt, erst jetzt, als die Hebamme nachhilft, setzen die Wehen ein.

Zwei Stunden im warmen Wasser und viele gute Worte und Ermutigungen seitens der Hebammen später, halte ich Little M zum ersten Mal in den Armen. Ein magischer Moment, in dem ich unendlich dankbar bin, zwei gesunde Töchter zu haben.

Im Jahr 2013 starben in Deutschland 29 Frauen nach den oben genannten Kriterien im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt, das sind rund 4 Frauen je 100.000 Lebendgeborene. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag der vergleichbare Wert noch bei 300 bis 350, er stieg dann bis 1929 sogar auf rund 550 gestorbene Mütter je 100.000 Lebendgeborene. Heute gehört Deutschland weltweit zu den Ländern mit der geringsten Müttersterblichkeit. (Quelle: Institut für Bevölkerungsforschung) Weltweit sieht es düsterer aus.. Für Säuglinge genauso.