Ankommen, äußerlich

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Kinderlachen. Babyweinen. Hundegebell. Rasenmähen. Das Rauschen der Birkenblätter. Ab und an ein Auto. Es ist so ruhig hier, im Garten unseres neuen Heims, dass mir nach 15 Jahren Großstadtleben ganz mulmig zumute ist. Als könne ich dieser neuen Ruhe nicht trauen.

Eigentlich dachte ich, ich sei so etwas wie ein Umzugsprofi. Mein 17. Umzug in 20 Jahren war es. Die vier Jahre in unserer dunklen Kellerwohnung waren die längste Zeit an einem Ort, seit ich aus meinem Elternhaus auszog. Doch mit Kindern umzuziehen ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung.

Mr Handsome ist mit den Mädchen auf dem Spielplatz. Das Haus noch voller gepackter Kartons, und weitgehend ohne Möbel. Sieben Jahre lang haben wir in komplett möblierten Wohnungen gelebt. Das war praktisch, doch vielleicht auch ein Grund dafür, dass wir uns nie richtig zu Hause gefühlt haben. Im Moment picknicken wir im Garten oder auf dem Küchenfußboden, essen aus Servierschalen Pasta und aus Tassen Müsli. Heute kommt der Küchentisch. Ein massives Stück. Der Küchentisch ist für mich ein Ort des Zusammenseins. Mit der Familie. Oder im Studium mit Freunden und einer Flasche Rotwein. Vielleicht hilft er mir, hier an zu kommen?

Ich brauche dringend diese Pause. Wir improvisieren alles, Essen, Schlafen, Spielen. Das finde ich mit den Kindern gerade anstrengend. Wir kennen in der Gegend noch niemanden für Play Dates, die Miss Bee bei Laune halten. Little M entdeckt ihre Mobilität, sie will sitzen, krabbeln stehen. Und ist frustriert, wenn es nicht so klappt, wie sie es sich vorstellt. Sie wird gern getragen oder stehend gehalten. Nicht optimal, wenn man versucht, Umzugskartons aus zu packen.

Mir bleibt, tief durch zu atmen, durch das Chaos hin durch zu sehen und zu akzeptieren, dass ich nicht immer ruhig bleiben kann. Vielleicht auch nicht muss; ein bisschen Unperfektheit hat noch keinem Kind geschadet. Oder so.

Home is where the heart is, sagt man hier. Ich glaube, Herz und Seele brauchen immer eine Weile, um an zu kommen.

Gedanken zwischen Umzugskartons

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Kaum zu glauben, dass wir vor sieben Jahren mit ein paar Koffern umgezogen sind, sagt mein Mann, während er auf die Umzugskartons starrt. 26 sind es bis jetzt, und wir sind noch nicht fertig.

Ob das, was wir besitzen, nun viel oder wenig ist für eine 4köpfige Familie in West Europa weiß ich nicht. Wenn ich Nerven wie Drahtseile hätte, wäre dies eine gute Gelegenheit, unsere Dinge zu zählen, doch mit zwei Kindern ist es aufwändig genug, überhaupt Kisten zu packen.

Was mir auffällt

Ich kann mühelos fünf Kisten Spielzeug einpacken ohne dass wir es beim Spielen merken. Miss Bee malt, klebt, bastelt. Alle anderen Dinge werden phasenweise aus dem Regal heraus geholt. Little M hat ein kleines Körbchen mit Spielsachen, doch auch bei ihr merke ich, dass sie bereits zu viel zum Spielen hat.

Es gibt sehr viele Kisten mit der Aufschrift Kinderbücher. Wir bekommen viele Bücher geschenkt, oder ich lasse zu Spontankäufen hinreißen. Ich habe viele deutsche Bücher gekauft, mit dem Ziel, Miss Bee die Sprache näher zu bringen. Mit gemischtem Erfolg. Der zweisprachige Kindergarten, in den sie gehen wird, kann das vielleicht besser.

Bea Johnson kann ihre gesamte Garderobe in einem Carry On Gepäckstück mitnehmen, wenn sie verreist. Das finde ich so toll. Meine passt immerhin in einen großen Koffer und zwei Kartons. Ich mag alle Kleidungsstücke, daher ist der Vorsatz, die Garderobe nach und nach weiter zu verkleinern, so wie es der Verschleiß will.

Ich merke wieder: Es geht nicht um das wie viel, sondern um das was. Mit 100 persönlichen Gegenständen würde ich auskommen, aber schöner ist es mit Mehr. Familienfotos, Pflanzen, Kerzen.

Beständig aussortieren gegen das Gerümpel des Alltags

Natürlich nutzen wir die Gelegenheit, Dinge aus zu sortieren die wir nicht mehr brauchen, aus Ecken, die wir nicht jeden Tag benutzen. Es gibt aber wenig, denn seit der großen KonMari Aktion im letzten Jahr haben wir eine Outbox, oder genauer zwei, in die wir all das legen, was uns im Alltag zwischen die Finger kommt und das wir nicht mehr brauchen, verwenden und kaputt ist. Kinderkleidung, unsere Kleidung, Spielsachen, Bücher, kommen in eine große Papiertüte. Ist sie voll, leere ich sie und gebe die Dinge direkt im Charity Shop ab. Der hat auch ein Recycling Programm für Textilien, sonst würde ich mich kaum trauen, meine Sachen dort abzugeben.

Für diese Dinge die immer mal wieder anfallen (“Sondermüll” wie abgelaufene Medikamente und kaputtes Elektrozeug, ausgelesene Bibliotheksbücher) gibt es einen Korb im Hausflur. Jedes Mal, wenn ich aus dem Haus gehe oder nach Hause komme sehe ich diese Dinge. Das ist ausreichend nervig, um sie nicht zu lange unerledigt zu lassen.

So sehr mich die Anzahl der Kartons einerseits erstaunt, so positiv überrascht bin ich davon wie wenige Dinge wir besitzen die wir weder mögen noch brauchen. Das finde ich schön. Und ich freue mich darauf, sie im neuen Heim wieder zu sehen.

Unser Wochenende in Bildern, 9./10. Juli 2016

Beim Wochenende in Bildern habe ich schon lange nicht mehr mitgemacht. Doch dank einer Fotochallenge habe ich die Kamera gerade öfter in der Hand und viel Lust zu fotografieren. Auch Wochenendnormalität. Enjoy!

Samstag

Zum Frühstück gibt es Brot mit Erdnussbutter und einen Beerensalat, den ich zwar zubereite, von dem ich aber nicht mehr viel abbekomme. Muttersein.

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Wie jeden Samstag gehe ich vormittags zum Pilates. Als ich zurück komme, fahren Miss Bee und Mr Handsome in die National Gallery, um sich die Impressionisten anzusehen. Mein Plan ist es, mich mit Little M auszuruhen. Die Zähne machen uns einen Strich durch die Rechnung, sie kann nicht einschlafen. Weiterlesen

Eine Achtsamkeitsübung zur Umgebung

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Eine einfache Achtsamkeitsübung kann Dir helfen, solche Schönheit im Alltag wahrzunehmen

Bei schönem Wetter gehe ich mit Little M in den Holland Park, einen der schönsten Parks Londons. Es gibt dort einen Hain, Spiel- und Sportmöglichkeiten und den Kyoto Garden, einen wunderbaren japanischen Garten, der auch Touristen in den Park lockt. Ich sitze gern auf einer Bank am Rande eines formalen Bepflanzung, die inmitten des Parks liegt. Zum people watching gibt es keinen besseren Ort.

Bei unserem letzten Besuch beobachtete ich:

Eine junge Frau führt zwei Hunden an der Leine. Mit Kopfhörern bestückt und sportbeschuht schaut sie mehr auf ihr Smartphone als auf ihre Umgebung. Forschen Schrittes und zielgerichtet treibt sie die Hunde durch den Garten. Weiterlesen

Die Mutterglück-Lüge von Sarah Fischer {Buchbesprechung}

Mit der Geburt des ersten Kindes ändert sich für eine Mutter alles – nicht zum Guten, argumentiert Sarah Fischer in Die Mutterglück-Lüge: Regretting Motherhood – Warum ich lieber Vater geworden wäre. Mutter werden bedeutet in ihren Augen hauptsächlich Verzicht. Leider bemerkt sie das erst, nachdem sie mit knapp 40 ihre Tochter bekommt.

Warnende Stimmen gab es vor der Geburt genug. Sarah Fischer liebt ihr Leben, ihren Partner und ihren Job als freiberufliche Vortragsreferentin. Auf zahlreichen Reisen beobachtete sie, dass Frauen in vielen Ländern quasi bei der Feldarbeit ihr Kind bekommen und dann damit weiter machen als wäre nichts passiert (nach zwei unkomplizierten Geburten bezweifele ich das ja). So ähnlich stellt sie sich das Kinderhaben auch vor. Und nur, weil ein Baby bei anderen das Leben auf den Kopf stellt, muss es bei ihr noch lange nicht so sein.

Können Mütter ein eigenes Leben haben?

So versucht Sarah Fischer, ihr Leben nach der Geburt ihrer Tochter Emma so weiter zu leben wie bisher. Weiterlesen

artgerecht – Steinzeitbabys bedürfnisorientiert begleiten (Rezension)

In artgerecht – Das andere Baby-Buch: Natürliche Bedürfnisse stillen. Gesunde Entwicklung fördern. Naturnah erziehen geht Nicola Schmidt der Frage nach, wie Babys ticken, und wie wir sie möglichst bedürfnisorientiert in die Welt begleiten können. Babys, argumentiert sie, haben seit der Steinzeit die immer gleichen Bedürfnisse: Nähe, Schutz, Getragensein, essen dürfen, wenn sie hungrig sind, und schlafen dürfen, wenn sie müde sind. Unsere Steinzeitbabys können wir liebevoll an unser Internetzeitalter heranführen. Das müssen wir nicht allein tun. Anders als viele andere Ratgeber verweist sie auf die Rolle des “Clans”, also einer Gemeinschaft von Personen, mit denen Kinder gemeinsam aufwachsen. Das sprichwörtliche Dorf, das wir uns heute meist selbst schaffen müssen.

Mehr Gelassenheit und eine kritischere Haltung

Nicola Schmidt behandelt in dem Buch alle wichtigen Themen, die werdende und frisch gebackene Eltern interessieren. Weiterlesen

Die Geschwindigkeit der Seele

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Normalerweise lasse ich abends “die Seele baumeln”, in dem ich das Tablet sofort anschalte, wenn beide Mädchen im Bett sind. Ich dachte, es entspanne mich, für ein paar Stunden in das weltweite Netz einzutauchen. Dann las ich, was die Nutzung elektronischer Unterhaltungsgeräte mit uns macht, wie sie uns stimulieren statt zu entspannen.

Ich versuche mich an einer digital detox, dem Reduzieren meines Medienkonsums. Das ist schwer, denn ich lese leidenschaftlich gern Blogs, schaue mir schöne Bilder auf Pintrest oder Instagram an und freue mich über Fundstücke auf Twitter.

Unsere Aufmerksamkeit wird nach Aussen gezogen

Marco von Münchhausen schreibt in Wo die Seele auftankt: Die besten Möglichkeiten, Ihre Ressourcen zu aktivieren, dass es eine Vielzahl von Faktoren und Umständen gibt, die unsere Aufmerksamkeit und unsereHandlungen von uns selbst weg und nach Außen hin verlagern. Weiterlesen