KonMari im Praxistest – ein Fazit

Manchmal ist die Zeit reif für eine größere, drastische Veränderungen, oder Aktionen. In den vergangenen Wochen habe ich hochmotiviert meiner persönlichen Habseligkeiten angenommen. Nach dem Buch von Marie Kondo Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert habe ich Kleidung, Bücher, Papiere, Kleinkram und Erinnerungsstücke* und Babykleidung aussortiert. Jetzt habe ich fertig. Zeit, Bilanz zu ziehen.

Was mir an der KonMari Methode gefallen hat

  • Aus den Dingen, die ich besitze, die auszuwählen, die ich behalten möchte, nicht die, die ich loswerden könnte oder sollte. Dieses fundamentale Umschalten der Denkweise war wirklich hilfreich. Wie Tanja in einem Kommentar so schön schrieb: Ich will meine kostbare Lebenszeit nicht damit verbringen, Sachen zu tragen, die ich nicht mag.
  • Jedes Ding bekommt seinen Platz: Dieser Tipp ist natürlich weder neu noch sollte er die Welt bewegen. Ich wusste auch vorher, dass auch wertvolle und nützliche Dinge Gerümpel sein können, wenn sie keinen festen Platz haben. Marie Kondo betont, aufwändigen Systeme seien unnötig (Schuhkartons, kostenfreie Plastikbehälter und andere Dinge, die man schon im Haus hat sind ausreichend), und dass das vollständige Entrümpeln dem Sortieren vorangehen muss. Danach fiel es mir leichter, mich zu zwingen, Platz zu durchdenken und zu zu weisen.
  • Ihre minimalistische Herangehensweise. Sie schreibt: Organisieren macht nur Sinn, wenn man nichts Unnützes hat. Ich brauche nicht rauszugehen und ein kompliziertes Organisationssystem kaufen, um dann Dinge darin zu begraben, die ich nicht brauche.
  • Dinge vertikal lagern: Dinge verlieren ihren Glanz, wenn sie horizontal gelagert werden und das Gewicht anderer Dinge tragen müssen. In der Praxis finde ich das nach wie vor schwierig, versuche aber, die Dinge unten im Kleiderstapel oder in den Küchenschränken stärker zu nutzen.
  • Behandle Deine Besitztümer mit Respekt: Fasse sie an, kümmere Dich um sie, und halte sie so am Leben. Marie Kondo schreibt, dass Dinge nützlich sein wollen, und wir sie mit Respekt behandeln sollten. Das liest sich für uns befremdlich, ist aber wohl weniger persönlicher Spleen der Autorin als kulturelle Tradition. Ohne große Hintergrundrecherche hat im Shintoismus, der religiösen Tradition, der Kondo verbunden ist, alles ein Leben, auch aus unserer Sicht unbelebte Gegenstände.
    Sich bei den Gebrauchsgegenständen für das zu bedanken, was sie für uns tun ist sicher nicht jedermanns Sache; es inspiriert mich trotzdem, besser auf meine Sachen acht zu geben – meine Jacke auf einen Holzbügel auf zu hängen, vielleicht sogar ab zu bürsten, statt sie achtlos auf das Sofa zu schmeißen. Der Gedanke, dass wir uns nur um eine bestimmte Anzahl von Dingen wirklich kümmern können – im Sinne von Pflegen, Hegen, regelmässig benutzen – half mir auch, Dinge los zu lassen, die ich nicht (mehr) brauche oder schätze.
    „Human beings can only truly cherish a limited number of items at one time.“
    – Marie Kondo

Was ich schwierig fand

  • Das Kriterium „Bereitet Dir dieser Gegenstand Freude?“ fand ich nicht in allen Kategorien hilfreich. Während es mir bei Büchern, Kleidungsstücken und manchem Kleinkram half, fand ich es bei Papierkramweitgehend nutzlos. Auch bei Gebrauchsgegenständen braucht man eine große Portion Phantasie und Abstraktionsvermögen. Nach dem Motto: Mein Handyladegerät liebe ich, weil ich damit mein Handy aufladen kann, dann Nachrichten damit versenden und mich mit Freunden verabreden, was mich wiederum glücklich macht. Ein Netzwerkkabel wird mich rein taktil nicht glücklich machen. Ihr versteht, was ich meine.
  • Marie Kondo zieht sehr oft sich selbst als Beispiel heran. Eigentlich gefällt mir so etwas in Büchern, doch nicht immer konnte ich mich mit ihr identifizieren. Unterschiedliche Fallbeispiele hätten mir besser gefallen, insbesondere von Familien mit kleinen Kindern.
  • Für das Leben mit Kindern ist die Methode nur begrenzt anwendbar. 1. Ich kann nur meine eigenen Gegenstände aussortieren. 2. Alle Dinge aus einer Kategorie auf dem Fußboden auszubreiten, dann anzufassen und nachzuspüren, ob sie Freude auslösen geht ohne Kind besser als mit. Beim einzigen Versuch, mit Kind zu sortieren konnte jedenfalls nach wenigen Minuten keine Rede mehr davon sein, dass die Dinge an einem Ort versammelt waren. 3. Kinder sind natürlicherweise chaotisch – und das ist auch gut so.
  • Für das alltägliche Aufräumen brauche ich weitere Ideen. Ein Buch kann natürlich nicht alles abdecken, und ich merke, dass ich noch dazu lernen kann, was Haushaltsorganisation angeht. (Allerdings umfasst dies mehr als nur das Aufräumen – mein Gefühl, nicht „aufgeräumt“ zu sein besteht zumindest zum Teil aus losen Enden, To Dos und ähnlichem.)

Der Schmerz des Entrümpelns

„The process of facing and selecting our possessions can be quite painful. It forces us to confront our imperfections and inadequacies and the foolish choices we made in the past. The things we own are real. They exist here and now as a result of choices made in the past by no other than ourselves.“ – Marie Kondo

Entrümpeln kann ein schmerzhafter Prozess sein. Dinge, die wir selbst in unser Haus gebracht haben, halten uns einen Spiegel vor, zeigen uns, welche Entscheidungen wir in der Vergangenheit getroffen haben. Diese Entscheidungen waren nicht immer weise, deswegen haben wir Dinge, die unschön sind, nicht zu uns passen. Gleichzeitig verändern wir uns auch – Bücher, die mich vor fünf Jahren interessiert haben, sind jetzt irrelevant. Ich bin gespannt, ob und inwiefern sich diese Erkenntnisse auf mein Kaufverhalten auswirken. Denn nur wenn ich dieses verändere kann ich ja verhindern, dass sich wieder Zeug ansammelt und sich der Entrümpelungsprozess zyklisch wiederholen muss.

Und was kommt jetzt?

Was kommt für Dich nach dem Entrümpeln? Bist Du schon dort? Oder hast Du eine konkrete Vorstellung davon, wie dies aussehen wird? Geht das überhaupt?

*Ein Teil dieser letzten Kategorie steht noch aus, da ich einige Dinge bei meinen Eltern abgestellt habe.

Weitere Beiträge zur KonMari Methode

Mehr zum Buch: Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert

10 Kommentare

  1. Hallo Dina,

    danke für die Erwähnung. Ich hab sogar von dir erzählt, da wo du die 3 Sachen unterwegs aus der Tüte rausgefischt hast. Hast ja richtig viel geschafft. Das ganze ist irgendwie ein Prozess. Meine Wohnung ist mir zu leer und ungemütlich. Eher zu viel aussortiert. Deswegen versuche ich mich mal an ein bisschen Deko. Brauche ja auch Inspiration. Hab mich übrigens bei Kindle wieder angemeldet und mir bisher nur 1 E-Book gekauft. Die Befürchtung war ja, dass ich nun lesesüchtig werde. Aber das ist gar nicht so.
    Es gibt auch so unterteilte Fächer fertig zu kaufen. Wie Setzkästen. Bei Ikea z. B. Aus Stoff oder Pappe. Meintest du so was? Ist zwar einmal eine Anschaffung. Aber dann hat man es ja auch für ein paar Jahre.

    Unnützes organisieren. Da geb ich ihr recht. Hatte auch ein Werbearchiv. Viel Zeit ins Sammeln gesteckt und kein einziges mal reingeschaut. Also wieder abgeschafft und mich über den freien Platz gefreut.

    Liebe Grüße – Tanja

    • Liebe Tanja
      zu leer? Kann ich mir gerade garnicht vorstellen. Ich bin kein Dekotyp, aber Bilder (vor allem Fotos) gefallen mir, manchmal Blumen, und neue Kissenbezüge habe ich neulich gekauft.
      Ist Dir jetzt langweilig, wo es nichts mehr auszusortieren gibt?
      Viele Grüße
      Dina

  2. Liebe Dina,

    interessantes Fazit. Würde bei mir so ähnlich ausfallen. Ich finds teilweise gut (auch wenn ich noch nicht alles durch habe), teilweise eben total seltsam und nicht 100 % passen (gibts das) ich finde auch die Glücksmethode nicht immer anwendbar (hoffentlich bald nachzulesen in einem noch nicht veröffentlichten Beitrag ;-)) und für Kinder gehts auch nicht. Wenn mein Sohn nach Glücksfaktor entscheidet, behält er alles 😀 Man merkt Konmarie hat keine Kinder 😉

    Liebe Grüße,
    Birgit

    • Ich bin gespannt auf Deine Eindrücke, Birgit. Bei uns fühlt es sich jetzt schon anders an, und ich bin etwas disziplinierter beim täglichen Aufräumen. Ob es so bleibt wird sich zeigen.

  3. Ich finde das so klasse, dass du das so durchgezogen hast. Mich motivieren deine Beiträge das selbst ebenfalls zu machen (bei den Büchern hast du es ja schon gesehen). Jetzt denke ich an den Kleiderschrank – da gibt es nämlich defintiv zwei Hosen, die ich unbequem finde (aber sie waren teuer, und sie sind fair produziert) und noch einige andere Sachen.
    Ich bin auch sehr gespannt, wie das mit einer Wohnung und Kind ist (und am Anfang auch: Welche Geschenke es gibt? – Ich hoffe, dass ich mit einer Wunschliste arbeiten kann, wo Familie und Freunde nachgucken oder nachfragen können, was wir uns wünschen.
    Liebe Grüße
    Nanne

    • Liebe Nanne,
      ich bin tatsächlich auch stolz auf mich – und gespannt, ob der Prozess wirklich eine langfristige Verhaltensänderung einleitet. Ich glaube schon, dass sich über Wunschlisten viel – wenn auch nicht alles steuern lässt. Wir hatten trotzdem zu viel – ich war den gängigen Listen im Netz „Grundausstattung“ zwar skeptisch, zu viel gekauft habe ich aber trotzdem.
      Lieben Gruß
      Dina

  4. Zur Haushaltsorganisation habe ich aus der Bibliothek ein tolles Buch gelesen:
    „Nie wieder Chaos“ von Cynthia Townley Ewer. Dort wird beschrieben, wie man Chaos und Unordnung bekämpft, Das Haushaltsmanagement in die Reihe bekommt, effektiv sauber macht usw. Es richtet sich vor allem an Familien mit Kindern. Natürlich ist es sehr amerikanisch ( man hat natürlich einen Wäschetrockner)… , aber es ist auch ganz klar minimalistisch orientiert.
    Inez

    • Liebe Inez
      lustig – genau das Buch habe ich auch gerade ausgeliehen, und es gefällt mir gut. Vor einigen Monaten hätte ich es sicher noch komisch gefunden, ein Buch über Haushaltsorganisation zu lesen. Jetzt glaube ich, dass es sinnvoll ist, in dieser Hinsicht noch etwas zu lernen, um weniger Zeit zuf Hausarbeit verwenden zu müssen. Vielen Dank für den Hinweis.
      Liebe Grüße
      Dina

  5. Hallo Dina,

    nachdem du in den letzten Wochen so ausführlich über das Buch berichtet hast, hab ich es dann doch auf meine Vormerkliste in der Bücherei gesetzt. Vor ein paar Tagen kam die Abholbenachrichtigung und ich bin ziemlich gespannt, wie es mir gefallen wird. Zwischen den Semestern habe ich jetzt etwas mehr Zeit und merke, dass zusätzlich zu unserem 365TageMinimalismus-Projekt noch ein wenig mehr Aktion erforderlich ist. Besonders der Punk mit dem festen Platz für jedes Ding ist nämlich in unserer Wohnung ohne viele Schränke/Regale ziemlich schwierig umzusetzen. Bevor ich neue Möbel kaufe, schaue ich lieber mal genauer an, was ich da eigentlich verstauen will (<= alte Regel von meiner Mutter, die scheinbar insgeheim auch dem Minimalismus zugeneigt ist).

    Liebe Grüße & danke für dein ausführliches Fazit,
    Svenja (Apfelmädchen)

    • Liebe Svenja,
      ich bin auch gespannt, wie Dir das Buch gefällt. Ich bin mir sicher, dass nicht jeder etwas mit der Methode und Marie Kondos Stil anfangen kann, auch wenn sie mich persönlich sehr hilfreich fand.
      Ich bin ja eher eine „Recycling-Expertin“, der es schwer fällt, Dinge zu verschwenden, die man noch irgendwie verwenden kann, statt mich zu fragen: Brauche ich diesen Gegenstand in diesem Zustand wirklich? Kondos Frage „Liebe ich diesen Gegenstand?“ habe ich anfangs als große Herausforderung empfunden.
      Einige Wochen nach dem Ende der großen Aktion würde ich sagen, dass das Buch allein noch nicht lebensverändert ist, aber eine Art Katalysator für positive Verhaltensänderungen war. Bin gespannt, wie es bei Euch wird.
      Viele Grüße
      Dina

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