Lebensverändernd aufräumen – Marie Kondos Magic Cleaning Methode

Tidy a little a day and you will be tidying forever. – Marie Kondo

 

Wenn mir eines Angst macht dann die Vorstellung, bis an mein Lebensende Aufräumen zu müssen. Ich wünsche mir, in meinem Heim einen Zustand zu erreichen, in dem ich mir keine Gedanken mehr um das Ausmisten machen muss. Marie Kondo, Autorin des Buches Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert* verspricht mir genau das. Sie prophezeit mir auch, dass ich mir dem graduellen Ausmisten nie an diesen Punkt gelange.

Vielleicht ist die KonMarie Methode für Euch ein alter Hut – ich hatte immer mal wieder von dem Buch gelesen, es aber erst jetzt gelesen.

Dem Gerümpel kurzen Prozess machen

Die Methode sieht vor in einem relativ kurzen Zeitraum (ein halbes Jahr) das eigenen Heim gründlich und in einer ganz bestimmten Reihenfolge auszumisten. Dem Gerümpel kurzen Prozess zu machen führt dazu, dass wir eine komplette Verwandlung unseres Heims erleben, die wiederum zu einer Transformation unserer Denkweise führt. So ist es möglich, von da ab an für immer ordentlich bleiben.

Das klingt natürlich zu schön um wahr zu sein. Ich bin zwar nicht der größte Messi, den die Welt je gesehen hat, aber Ordnung ist sicherlich nicht mein zweiter Vorname. Mein Kind wirkt wie ein Verstärker, der eine Akustikgitarre so laut macht, dass sie ein Fußballstadium beschallen kann. Ich entrümpele ich gefühlt schon ewig und ständig, in jeder Wohnung wieder neu, immer zögerlich. Ein Leben ohne kann ich mir eigentlich garnicht vorstellen.

Drastische Veränderung statt Jeden-Tag-ein-bisschen

Genau diese Herangehensweise – langsam, aber stetig, schreibt sie, bedeutet, dass man nie eine wirkliche Veränderung im Raum bemerkt. Das macht es schwer, die Motivation aufrecht zu erhalten. Das gründliche und komplette Aufräumen in einer kurzen Zeitspanne, so perfekt wie möglich, hilft uns, eine Einstellung an zu eigenen, mit der wir Ordnung schaffen und langfristig ein ordentlicher Mensch werden können.

Marie Kondos Herangehensweise* ist denkbar einfach:

  1. Mache Dir klar, warum Du aufräumen willst.
  2. Gehe Deine Wohnung zügig und nach Kategorien durch, nimm jeden Gegenstand in die Hand, und schmeiße alles weg, was keine Begeisterung in Dir auslöst.
  3. Finde für jeden Gegenstand, den Du behältst, ein Heim.
  4. Lebe glücklich bis ans Ende Deiner Tage ohne je wieder im Chaos zu versinken.

Kondo schreibt, dass Aufräumen eigentlich denkbar einfach ist. Ebenso rät sie von komplizierten Ordnungssystemen ab. Der Minimalistin in mir gefällt, dass sich auch mit Schuhkartons alles organisieren lässt. „Aufräumen ist nur ein Werkzeug, nicht das eigentliche Ziel. Das eigentliche Ziel ist es, den Lebensstil einzurichten, den Du Dir wünscht, sobald Dein Zuhause in Ordnung gebracht ist.“ (Marie Kondo, übersetzt von mir)

Fakt ist: ich kann mich in unserem zu Hause schwer entspannen, weil ich immer denke, dass ich hier oder dort noch aufräumen koennte oder sollte. So kann ich oft nicht mit Miss Bee an einem Duplo Turm bauen, weil ich an die unaufgeräumte Kueche denke. Ich kann mich beim Anblick der unordentlichen Stapel ungelesener Bücher im Schlafzimmer nicht auf das Buch konzentrieren, welches ich gerade in der Hand halte. Ich will, dass das anders wird. Ich will das unser zu Hause, so temporär es auch ist, ein Ort der Ruhe und Entspannung und des freudigen Familienzusammenseins ist.

Meine Motivation ist mir klar. Langsam aber stetig ist bei mir gescheitert. Daher unterziehe ich die KonMarie Methode gerade einem Praxistest und nehme meine Besitztümer noch einmal einzeln, Kategorieweise, unter die Lupe. Ihre Herangehensweise, mit den Dingen, die wir besitzen in Beziehung zu treten ist sicher nicht für jeden etwas, aber ich mag so was ja. Noch kann ich mir nicht vorstellen, mich jeden Abend bei meinen Schuhen dafür zu bedanken, was sie tagsüber für mich getan haben, aber mich zu fragen, „Warum besitze ich diesen Gegenstand? Welchen Sinn hatte es, ihn in meine Wohnung zu holen? Wofür steht er, welche Rolle spielt er in meinem Leben?“, das finde ich spannend.

Tatsächlich habe ich in meinem Kleiderschrank mit der einfachen Frage: Macht mich das Teil glücklich? schon sehr viel erreicht. Aber dazu nächste Woche mehr.

Ein erstes Fazit zum Buch

Ein wirkliches Fazit zur lebensverändernden Wirkung des Buches kann ich natürlich erst in ein paar Monaten geben. Meine ersten Gedanken:
Obgleich ich bei Marie Kondos Beschreibung des Recycling-Experten alias Mutter grinsen musste, störte mich an dem Buch enorm, dass man Worte wie spenden, freecyclen oder Recycling vergebens sucht. Alles, was liebevoll verabschiedet wird, verschwindet danach in schwarzen Müllsäcken – eine Frau wird zitiert, dass sie garnicht abwarten konnte, bis due Müllabfuhr ihr teures Teeservice abholt, welches sie nie benutzt.
Wer für, sagen wir mal Esoterik, nix übrig hat wird mit dem Buch ebenfalls wenig Freude haben; mich stört es nicht, wenn Kondo von dem Begrüßungsritual des Hauses bei Kundenbesuchen schreibt, ich kann mir aber vorstellen, dass andere es befremdlich finden.

Hier geht’s zum Buch: Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert*

Alle Beiträge zur KonMari Methode

13 Kommentare

  1. Hm…zwischen Punkt 3 und 4 müsste noch irgendwas zum Thema Einkaufen bzw. neue Besitztümer stehen, oder? Was sagt sie darüber? Gibts da auch eine 1-Rein-1-raus-Regel oder so?

    • Die grosse Hau-Ruck-Aktion verändert unsere Wohnung so sehr, dass wir sie von da ab an ordentlich halten wollen, schreibt Kondo.
      Zur Instandhaltung schreibt sie wenig. Sie schreibt, dass wir zu einer begrenzten Anzahl unserer Besitztümer eine Beziehung aufbauen, und beschriebt zum Beispiel, wie sie sich abends bei ihren Besitztümer wie Schuhe, Kleidung etc. für das, was sie tagsüber für sie getan haben, bedankt. Das kann man halt nur für eine sehr begrenzte Anzahl von Dingen leisten. Auch wenn sie das nicht explizit schreibt ist die logische Folge davon die 1-rein-1-raus Regel, in dem Sinn, dass sie Gebrauchsgegenstände ersetzt, wenn sie nicht mehr schön/funktionstüchtig sind. Sie schreibt auch, dass materielle Güter eine andere Bedeutung im Leben bekommen, weil wir uns mehr auf das konzentrieren, was unserem Leben Sinn gibt.
      Einmal im Jahr mistet sie aus – das dauert ihren Angaben nach 1 bis 2 Stunden.

      • Ich glaube, das kommt in Buch 2, welches gerade in Deutschland veröffentlicht wurde.
        lg Nanne

        • Danke, Nanne. Einige Tipps hätten sicher auch noch in das erste Buch gepasst. Es hat ja durchaus seine Längen.

          • Ich habe gerade Kommentare auf dem bösen Onlinehändler gelesen: Das zweite Buch scheint total überflüssig zu sein (und dem ersten Buch teilweise zu widersprechen!). Ich werde es wohl doch nicht lesen.

  2. Ich übernehme jedem Buch wertvolle Tipps und Anregungen, aber ich kann mich nie mit einem voll und ganz identifizieren. Das ist wohl auch gut so, denn jeder muss seinen eigenen Weg finden. Marie Kondos Methode finde ich allzu radikal, aber wer wie du mal endlich fertig sein will, für den ist sie sicher geeignet. Auf jeden Fall finde ich es gut, Dinge zu Gruppen zusammenzufassen und nicht Zimmer für Zimmer aufzuräumen. Das gilt dann auch für danach: gleiche Dinge zusammen halten.
    Viel Erfolg beim weiteren Ausmisten,
    Ingrid
    Kondo bei mir: https://kunterbunt11.wordpress.com/2014/01/29/minimalist/

    • Liebe Ingrid
      obwohl Marie Kondo explizit davor warnt, die Methode abzuwandeln geht das natürlich garnicht anders. Manches ist für mich unvorstellbar – alles einfach weg zu werfen zum Beispiel. Manches finde ich mit kleinem Kind auch schwer machbar, und ein gewisses Chaos werde ich in den nächsten Jahren tolerieren müssen. Ich versuche ja schon länger, mal Ordnung hier rein zu kriegen – daher jetzt der Versuch, es mal radikaler an zu gehen.
      Viele Grüße
      Dina

  3. Na ich bin gespannt, was du in einem halben Jahr schreibst. Was ich schon glaube, und das steht ja auch in diversen anderen Büchern zum entrümpeln, ist dass Gerümpel zuhause oder am Arbeitsplatz oder wo immer, dein leben blockiert. Also damit denke ich hat sie sicher recht.

    Ich hab bis jetzt noch nicht sehr viel gelesen, aber Konmarie ist halt ein bisschen freaky, wenn sie sich schon seit dem Kindergarten nur mit entrümpeln beschäftigt hat und dass aufräumen nur frauenzache sein soll, das stößt mir halt auch sauer auf…

    Trotzdem wenn die Methode funktioniert und ich hab bisher nur gutes gelesen, dann bin ich dabei 🙂 Umsetzen muss ich sie halt 😉

    Liebe Grüße,

    Birgit

    • Liebe Birgit,
      es gibt ja auch skeptische Stimmen zur Methode, und ich merke schon, dass ich sie abwandeln MUSS. Schon mal versucht, mit Kleinkind den alle Kabel in Deiner Wohnung an einem Ort zusammen zu tragen?
      Ihre Darstellung, dass Aufräumen (Hausarbeit generell) Frauensache ist, ist wahrscheinlich kulturell bedingt. In einem anderen Buch (Overwhelmed von Bridgid Schulte) las ich gerade, dass japanische Männer täglich weniger als eine Stunde mit Haus- und Routinearbeiten verbringen. Wobei, manchmal frage ich mich, ob das bei uns so viel anders ist, auch, wenn ich es mir anders wünschen würde.
      Ich bin gespannt, welche Erfahrungen Du machst.

      Liebe Grüße
      Dina

  4. Hallo Dina,

    warum hast du keine Grundstruktur? Dem würde ich mal auf den Grund gehen. Hast du zu viele Dinge? Oder woran liegt es?

    Ich hab nur 3 Regeln. Alles flog raus, was ich…
    nicht brauche.
    nicht schön finde.
    nicht anfassen kann. (Allergien: Nickel, Chrom, Papier, Plastik)

    Mir hilft es immer, mich in ein Zimmer zu stellen und 3 Sachen auszuwählen, die weg können. Ist mir das Zimmer dann immer noch zu voll, mache ich das Spiel noch ein paar mal, bis es sich gut anfühlt. Und Zimmer nach Funktionen einzurichten. Was mache ich genau in diesem Zimmer und was brauche ich dazu und was kann weg?

    Schreibt sie denn auch was über das Leben mit Kindern?

    Liebe Grüße
    Tanja

    • Liebe Tanja,
      langsam aber sicher finde ich heraus, warum ich keine Grundstruktur habe – eine Kombination aus mehreren Faktoren: wir mieten eine möblierte Wohnung, in der es viel mehr gibt als wir brauchen oder uns selbst anschaffen würden; das kann ich aber nicht raus schmeissen. So „haben“ wir zum Beispiel 22 Weingläser (davon gehören uns vier, was mehr als ausreichend ist). Also, ja, ich „habe“ zu viele Dinge.
      Vor allem aber fehlt mir für vieles ein System. Marie Kondo schreibt, dass die wenigsten von uns je richtig gerlernt haben auf zu räumen. Ich lege oft Dinge „kurz“ ab, um sie „später“ weg zu legen, und schwupps habe ich das, was man so schön einen „Clutter Hotspot“ nennt. Manchmal Dinge haben kein richtiges Heim ist das so einfach, dass ich mir danach an den Kopf schlage. Ich habe früher so oft meinen Schlüssel verlegt, jetzt löst eine einfache Schale auf dem Schuhregal direkt neben der Haustür das Problem.
      Zum Leben mit Kindern schreibt Marie Kondo nichts – sie lebt allein, und das merkt man dem Buch auch an. Das gründliche Aufräumen und danach einen Platz für alles finden kann ich auch mit Kind machen.
      Deine Methode ist, denke ich, gut zur Instandhaltung; Du hast eine Grundordnung und fragst nur, was Du noch weiter reduzieren kannst. Als ich mal 100 Dinge in 100 Stunden ausmistete sah man keinen Unterschied. Bei mir muss eine größere Aktion sein.

  5. Ah, dann würde ich die 18 Gläser in den Keller stellen, meine 4 benutzen, die dann hoffentlich zum nächsten Umzug kaputt sind. Dann muss ich sie nicht tragen. Bei mir hätten sie keine lange Lebensdauer. Ja, zu viele Dinge erschweren den Alltag. Machen ihn unübersichtlich. Ein gutes Grundsystem für sich ermitteln. Ist ein Prozess. Hat bei mir auch lange gedauert. Mich nervt, wenn Abläufe nicht funktionieren. Mein Telefon rauschte immer so, dass ich mir heute ein neues gekauft hab.
    Was ich mich nicht traue, ist mein Desktop aufzuräumen. Sonst lösch ich da aus Versehen was wichtiges. 🙂

    Liebe Grüße – Tanja

    • Im Abstellraum (Keller gibt es nicht) stehen schon die 5 (!) Pfannen, 50 überflüssige Teller, 4 Salatschalen, die Salatschleuder und so weiter. Der Vermieter hat selbst minimalisiert und seine Mieter mit dem Ausgemisteten beglückt. Der hat’s gut. Ein bisschen enger stellen/stapeln hat was gebracht. Beim nächsten Mal werde ich besser drauf achten und fragen, ob die Sachen auf Kosten des Vermieters untergestellt werden können.
      Also – zum Teil muss ich mit der Situation einfach leben und als Prozess akzeptieren.

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